Foodtrend

Grüne Smoothies Deluxe: Mit frischen Rezepten ins Smoothie-Frühjahr

am 16.04.2015 um 13:49 Uhr

Grüne Smoothies sind schon längst keine Neuheit mehr im großen, trendy Fit-Food-Reigen: Dank ihres Rufs als vitalisierende, entgiftende und Stoffwechsel- sowie Immunsystem-anregende Schönmacher, haben die grünen Super-Drinks weltweit schon zahlreiche Liebhaber des bewussten Lebensstils für sich eingenommen. Bitterstoffe statt Fruchtsüße, gesund anstatt Geschmacksexplosion – so lautet hierbei das sensorische Credo. Aber muss das so sein? Wir fordern gesund u n d lecker und sind mit Nils Bernau, Gründer und kreative Kraft hinter der Berliner Smoothie-Bar „Liquid Garden“, einer Meinung. Im exklusiven Interview und leckeren Saft-Tasting, verriet uns der Smoothie-Profi nicht nur drei seiner neusten Rezepte fürs Frühjahr, sondern erklärte uns auch, wie man den perfekten, grünen Drink in nur drei Schritten zusammenstellt. Erfahren Sie alles hier und in unserer Bildergalerie.

Der pürierte Gemüsesaft boomt mehr denn je: Erfunden wurde der grüne Smoothie übrigens von der US-Amerikanerin Victoria Boutenko, die sich bei ihrem Rohkost-Experiment von der Ernährungsweise der Schimpansen inspirieren ließ. Die Tiere haben ein exzellentes Immunsystem und ernähren sich im großen Stil von Blattgrün, das sie in einem langen Prozess bis zur Unkenntlichkeit zerkauen. Boutenko sah in dieser natürlichen Ernährung der Affen, die mit dem Menschen eine genetische Übereinstimmung von 98 Prozent haben, ein großes, gesundheitliches Potential – die Geburtsstunde der grünen Smoothies! Und so startete der Siegeszug des Supersafts im Jahre 2004: Seit dem Tag, als Boutenko zum ersten Mal grüne Blattsalate und Obst in ihren Mixer warf, wurde der Green Smoothie in den vergangenen elf Jahren langsam aber sicher zum neuen Sinnbild eines bewussten und gesunden Lifestyles.

Gesund & Lecker?

Süße Frucht-Smoothies werden vor allem wegen ihres leckeren Geschmacks konsumiert. Bei grünen Smoothies soll es eigentlich weniger um den Geschmack, sondern viel Mehr um den hohen Mehrwert gehen, den das Getränk bietet: Der Smoothie ist immerhin eine Vitaminbombe mit hoher Menge an Ballaststoffen, die durch die feine Zerkleinerung im Mixer auch noch besonders bekömmlich sind und den Darm entlasten. Soweit, so gut.

Da ein Green Smoothie aber, um überhaupt so genannt werden zu dürfen, aus mindestens 50 Prozent Blattgrün bestehen muss, sind die enthaltenden Bitterstoffe nun einmal der dominierende Geschmack. Aber muss es deshalb denn auch gleich fad sein? Und warum schließen sich „gesund“ und „lecker“ scheinbar aus? Mit ein wenig Kreativität und Probierlust, lassen sich mit Sicherheit auch Spinat, Rucola, Wirsing, Chicorée und Radicchio zu einem aufregenden Geschmackserlebnis zusammen mixen!

Eine Vitaminbombe für Gourmets

Nils Bernau, der kreative Kopf hinter „Liquid Garden“, hat sich genau dieses Ziel gesetzt: Die zwei Attribute „gesund“ und „lecker“ zu vereinen. Der Smoothie-Profi bezeichnet sich selbst als einen „Foodie aus Leidenschaft“, sammelte in jüngeren Jahren allerlei gastronomische Erfahrungen in Südost-Asien und war lange Zeit im Gesundheits-progressiven London unterwegs. Das erste Mal in Berührung mit den grünen Superdrinks geriet der gebürtige Aachener in den USA und erlebte die erste Welle der Green Smoothies, ausgehend von der Westküste, quasi live mit. Vor drei Jahren zog Bernau nach Berlin und stellte sich der Herausforderung Green Smoothie: Das Szene-Getränk mit Hilfe seiner Gastro-Erfahrung so zu inszenieren, dass es noch gesund bleibt, aber auch zu einem kulinarischen, aufregenden Genuss avanciert. Es gab nur ein Problem. Die konventionellen Rezepte wollten einfach nicht funktionierten: Es schmeckte entweder zu lasch, zu bitter, nicht richtig ausbalanciert oder einfach nur langweilig. Da kam dem Selfmade-Smoothie-Profi eine Idee: Wie wäre es, wenn man den grünen Smoothie nicht als Getränk, sondern als Mahlzeit verstand?

Lieber Nils, was ist denn nun das Erfolgsgeheimnis für den perfekten, leckeren Green Smoothie? Wie gehen Sie selbst vor?

„Die Balance macht’s! Ich suche mir zu Beginn zwei, drei Zutaten heraus, die zur aktuellen Jahreszeit, in diesem Fall, zum Frühling passen. Von dieser geschmacklichen Basis gehe ich aus und überlege mir: Was könnte man dazu noch kombinieren? Wie bei einem echten Hauptgericht. Man fragt sich dort ja auch: Was passt zum Fisch, zum Fleisch? Im dritten Schritt suche ich dann noch drei weitere Zutaten, die in erster Linie für die Vitalstoffe verantwortlich sind, das wären dann die besagten ‚Grünen‘. Das Blattgrün ist bei mir also, geschmacklich gesehen, niemals die Hauptzutat.“

Das klingt ganz schön durchdacht und wirklich mehr nach ‚komponieren‘ als wild drauf los mischen!

„Für mich besteht der perfekte Smoothie aus drei Arten von Zutaten: Erstens die Geschmacksträger, zweitens die sensorischen Träger, also süß, sauer, scharf, salzig, die nicht unbedingt nach viel schmecken müssen und drittens, als letzte Gruppe, die Vitalstoff-Träger, die sogenannten Gesundheitsbooster. Blattgrün an sich ist immer bitter und ein wenig fad, und bitter ist für uns mittlerweile ein negativer Geschmackssinn. Warum? Weil in unserem ganzen Convenience Food die Süße und das Salzige dominant ist, Bitterstoffe gibt es kaum noch. Ich versuche auch stets Bitteres zu vermeiden, einfach, weil es den meisten Leuten nicht schmeckt.

Was für mich ebenfalls, neben dem Geschmack, sehr wichtig ist, und bei grünen Smoothies oft vernachlässigt wird, sind die Texturen. Hier kann man mutig sein: Es darf auch ruhig einmal richtig cremig und nussig zugehen und vom Geschmack her in die Gewürz-Richtung tendieren, inklusive Zimt und Kardamom.“

Was sagen Sie zum Stichwort Superfoods?

„Ein Muss! Ich arbeite im Moment sogar mit über zehn Superfoods. Da gibt es die Klassiker, die man mittlerweile auch schon im besseren Supermarkt bekommt wie Chia Samen und Goji Beeren, aber auch roher Kakao. Ich arbeite sehr gerne mit der Spirulina-Alge, diese ist allerdings nicht ganz so leicht in einen Smoothie zu inkorporieren, da sie sehr fischig und salzig schmeckt. Was ich im Moment ebenfalls mag ist Hanf in Samen- oder Pulverform, total im Kommen, falls Sie nach einem neuen Trend suchen. Ebenso Moringa Oleifera!“

Moringa, was? Wow, letzteres kennen wir nicht einmal! Was ist das?

„Moringa Oleifera, der Meerrettichbaum? Das ist ein ayurvedischer Baum, deren getrocknete Blätter eine immense Heilwirkung haben und auch Schwermetalle und Gifte aus dem Körper transportieren können! Ein echtes Food-Wunder. Auch Maca ist toll, weil es eines der wenigen Superfoods ist, die man auch als Geschmacksträger benutzen kann. Die Knolle aus den Anden wird dort schon seit Jahrhunderten als Heilpflanze benutzt, hat viele Mineralien, Vitamine und ist sehr Libido-fördernd, quasi ein organisches Viagra. Und Maca hat zusätzlich einen interessanten Eigengeschmack, der sich in Kombination mit Kakao und Nussmilch schön entfaltet.

Im Frühjahr und Sommer werden diese Superfoods aber teilweise mit Wildkräutern ersetzt. Das ist sozusagen ein bisschen das frische, saisonale Superfood: Brennnessel, Liebstöckel, Löwenzahn und Co.!“

Lecker und gesund – also durchaus möglich?

„Natürlich verfolgt man mit grünen Smoothies ein bestimmtes Ziel: Die Gesundheit anzukurbeln. Wenn man es richtig macht, kann es auch fantastisch schmecken, interessant und vielschichtig sein, ein echtes Geschmackserlebnis.“

Das Wort ‚Detox‘ wird seit dem Aufleben des ‚Health Food Trends‘ nahezu inflationär behandelt. Was am Green Smoothie ist denn jetzt tatsächlich ‚Detox‘?

„Da kann ich sagen: Detox per se gibt es eigentlich nur im Krankenhaus, wenn man eine Überdosis Schadstoffe konsumiert hat. Detox-Food ist eher eine Wortspielerei, um die Leute zu fesseln. Natürlich sind Detox-Säfte und Smoothies sehr, sehr gesund – aber eine wortwörtliche Entgiftung findet nicht statt, vor allem dann nicht, wenn man ab und zu einen kleinen Smoothie trinkt. Selbstverständlich schwemmen die Säfte, bei langfristigem Konsum, Schadstoffe aus dem Körper, helfen bei der Zellerneuerung und reinigen den Darm – aber das ist, wie gesagt, ein langfristiger Prozess.“

Was ist der konkrete Unterschied zwischen Detox-Saft und grünem Smoothie?

„Wenn man vom Trinkgefühl her diese sämige Konsistenz des Green Smoothies nicht mag, dann sind die Detox-Säfte eine gute Alternative. Außerdem enthalten sie die ganzen sättigenden Ballaststoffe nicht und sind kein Mahlzeit-Ersatz, eher etwas für Zwischendurch. Der kleine Detox-Saft hat ebenfalls sehr viele Vitalstoffe, Mineralstoffe, Vitamine, in etwa so viel wie ein großer Smoothie! Man kann den kleinen Saft aber schnell wegkippen, es ist wie ein komprimierter Gesundheitsshot.“

Was sagt der Profi: Cold Pressed Juice oder Smoothie?

„Der Smoothie hat mehr Anti-Oxidantien und Ballaststoffe, für mich ein Plus, da er so ein reichhaltiger Mahlzeit-Ersatz sein kann. Zum Saft muss man schon noch zusätzlich essen, also eher nichts zum Abnehmen.“

Aber was hat es dann mit diesen ganzen Saft- und Fasten-Kuren auf sich?

„Diese ganzen Cleansing-Kuren, während denen man bis zu sechs Liter Saft trinkt? Die haben nur den Effekt, dass du deinen Körper ausspülst, weil du zu viel Flüssigkeit zu dir nimmst. So viele Vitamine kann der Körper nämlich gar nicht aufnehmen. Es würde also rein theoretisch reichen, zwei Liter Wasser am Tag zu trinken und nur einen Cold Pressed Juice – genau der selbe Effekt! Stattdessen bezahlen die Menschen aber lieber Unmengen Geld für diese Kuren…“

Eine letzte Bitte: Könntest du uns drei deiner neuen Frühjahrs-Rezeptideen verraten? Sodass unsere Leser auch in den Genuss der leckeren und gesunden Komposition kommen, die wir hier gerade testen dürfen?

„Natürlich! Jetzt zum Frühjahr habe ich eine neue, frische und fruchtige Kollektion zusammengestellt. Das erste Rezept ist sogar Neuland für mich und beinhaltet das erste Mal Kefir!

1. Zutaten: Gurke, Apfel, Sellerie, Minze, Kefir, Spinat, Ingwer, Zitrone, Cayenne Pfeffer und Chia Samen.

Das zweite Rezept dreht sich ganz um einen besonderen, saisonalen Hauptakteur, den Rhabarber.

2. Zutaten: Rhabarber, Birne, Clementine, Vanille, Feige, Agave, Elchblatt, Wirsing und Kokoswasser.

Und die letzte Komposition spielt mit Säure, Süße sowie Frische und beinhaltet den Gesundheitsbooster Koriander.

3. Zutaten: Papaya, Ananas, Limette, Koriander, Avocado, Datteln, Spinat, Mangold, Frisée und Spirulina.

Viel Spaß beim Probieren!“

Wir danken Nils Bernau von Liquid Garden für das interessante und ehrliche Interview, sowie die exklusive Rezept-Vorschau für seine Frühjahrs-Smoothies.

Eindrücke unseres leckeren Green-Smoothie-Tastings finden Sie nun hier in unserer Bildergalerie.

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