Mailand Fashion Week

Mailand Fashion Week: Modische Revolution bei Gucci

am 27.02.2015 um 17:59 Uhr

Nach New York und London ist der Mode-Zirkus nun in Mailand eingekehrt. Die Augen aller Mode-Artisten sind demnach bis zum 2. März auf den Süden Europas gerichtet, wo bereits am ersten Tag der Fashion Week ein Highlight wartete: Gucci und dessen neuer Kreativchef luden zum Neubeginn. Nachdem die ehemalige Kreativchefin Frida Giannini sowie ihr Lebensgefährte und Firmen-CEO Patrizio di Marco das Unternehmen im Januar überraschend verlassen mussten, spuckte Gianninis Nachfolger, Alessandro Michele, große Töne, das Label und dessen Philosophie neu interpretieren zu wollen. In Mailand zeigte der „Neue“ nun seine erste Damenkollektion für das italienische Urgestein Gucci. Erfahren Sie hier und in unserer Fotoshow , ob dem Designer die Revolution gelang.

Schlechte Verkaufszahlen und eine zu geringe Nachfrage waren im Groben die Gründe für den Abgang von Frida Giannini bei Gucci. Doch kann sich das Blatt des Luxus-Labels mit dem neuen Kreativchef und seiner Debütkollektion für den Herbst und Winter 2015/2016 tatsächlich wenden?

Das Zeitgemäße ist das Unzeitgemäße

Erstaunlich. Schon bevor die ersten Models den Catwalk betraten, war klar, dass Gucci nicht mehr das Gucci sein wird, wie wir es von Frida Giannini kannten. Wo ist er denn hin, der Glam, das Bling-Bling, die Opulenz und Eleganz? Revolution geglückt: Willkommen in der neuen Welt von Gucci.

Die traditionellen Samt-Tribünen und den zentralen Catwalk verwandelte der neue Kreativchef, Alessandro Michele, kurzerhand in einen industriellen Metall-Laufsteg vor einem U-Bahn-Setting. Das Motto der Show: „The Contemporary is the Untimely (Deutsch: Das Zeitgemäße ist das Unzeitgemäße)“. Die Erläuterungen dazu: Die Freiheit, neue Bedeutungen zu entdecken, sich selbst zu finden und das, über die Grenzen der definierten Normen hinaus. Alessandro Michele, der – genau wie Giannini – vor seiner leitenden Position als Kreativdirektor im Accessoires-Department des Labels tätig war, will Gucci verändern, die Mode tragbarer machen.

Der Designer möchte die Gucci-Kundin nicht definieren und entschied sich bei seinem neuen Leitfaden für das bewusst Unbewusste. Vorbei sind die Zeiten der gezielten Ästhetik – nun soll Gucci ein Luxuslabel für die Straße werden, Mode für die unkonventionelle, intellektuelle Frau bieten und der vielleicht überholte Stil Gianninis nach und nach in Vergessenheit geraten.

Die Kollektion

Waren es noch Red-Carpet-Roben und feminine Looks, die den eleganten Style Guccis unter der Leitung von Frida Giannini bestimmten, setzte Alessandro Michele bereits mit seinem Motto ein klares Revolutions-Statement und dementiert das Frauenbild seiner Vorgängerin. Die Femininität weicht nun Geschlechtslosigkeit, die Eleganz dem Unkonventionellen und das Erhabene dem Intellektuellen. Seine Looks sind bewusst wahllos zusammengestellt: Er kombinierte jugendliche Baskenmützen zu opulenten Fellmänteln, Schleifen-Accessoires zu legeren, nachlässig wirkenden Anzügen, strenge Blusen zu romantischen Plissee-Röcken und elegante Midi-Spitzenkleider zu absoluter Transparenz.

Er spielt mit den Gegensätzen, stylt Rüschen zu Hornbrillen und Spitze, begibt sich mit seinen androgynen Looks auf die Seite von Labels wie Saint Laurent, Alexander Wang und Co., von denen sich Frida Giannini mit weiblicher Eleganz stark distanzierte. Ihre klassischen Interpretationen fanden sich – wenn überhaupt – in den floralen Mustern und Vogel-Stickereien, die das Bild der intellektuellen Frau auf einigen Looks prägten.

Unser Lieblingslook: Schwer zu sagen. Vielleicht war es der ockerfarben Plisseerock zu einem Spaghettiträger-Top aus Spitze, einer Baskenmütze und Hornbrille, vielleicht auch der braune, bewusst nachlässig designte Anzug im wenig femininen Schnitt zur Schluppenbluse und Fellärmeln. Vielleicht war es auch der irgendwie vertraute, aber neue Gucci-Look und der Fakt, dass das eine oder andere Teil aus unserem Kleiderschrank hätte sein können. Fazit: Wir sind hellauf begeistert.

Der Beauty-Look

Auch hier zieht Alessandro Michele seinen scheinbar nicht vorhandenen, roten Faden durch: Anstatt gestriegelter Models mit fein gestylten Haaren und perfektem Make-up, zeigte er beinahe ungeschminkte Frauen, mit etwas müdem Blick, leichten Augenringen und locker wippendem Haar. Eben Frauen, die gerade in die U-Bahn gesprungen und in den hektischen Tag gestartet sein könnten.

Sehen Sie sich das Gucci Make-over unter der Leitung von Alessandro Michele in unserer Fotoshow etwas genauer an und machen Sie sich Ihr eigenes Bild vom neuen Look des Labels.

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