Milano

Fashion Week Mailand: Das neue Gucci-Gefühl

am 24.09.2015 um 13:11 Uhr

Retro! Da ist es wieder, dieses Wort. Und fast schon ungläubig reiben wir uns die Augen und fragen uns: Haben wir das nicht schon vor einem halben Jahr gesehen? Designer Alessandro Michele setzt für Gucci und den Sommer 2016 erneut auf XXL-Nerdbrillen, auf das Zusammenspiel femininer und maskuliner Elemente und auf ein wildes Farben-, Muster- und Material-Spiel. Warum das aber doch anders ist als seine letzte Kollektion und was die neue Gucci-Frau ausmacht, das erfahren Sie hier und in der Fotoshow .

Galt die Gucci-Frau jahrelang als sexy, extrovertiert, als eine Mischung aus klassisch und ein bisschen verrucht, zeigt sie sich seit knapp einem Jahr von einer ganz anderen, tiefgründigeren Seite. Das liegt vornehmlich an Designer Alessandro Michele, der seit Januar 2015 die kreativen Zügel der italienischen Luxusmarke in den Händen hält. Mutig wie kaum ein anderer Designer verpasst er dem Traditionslabel seither eine vollkommen neue DNA, die er nun auch wieder auf der Mailänder Modewoche verteidigte.

Die Inspiration: Carte de Tendre

Die Vergangenheit ist eine unbegrenzte Quelle!“, schreibt Alessandro Michele auf Guccis Instagram-Kanal unter ein Puzzleteil einer Landkarte. Und diese Landkarte ist nicht irgend eine, sondern die Carte de Tendre aus Madeleine de Scuérys Roman „Clélie“ aus dem 17. Jahrhundert. Eine imaginäre Karte, die versucht, durch die Irrungen und Wirrungen der Liebe zu lavieren, eine Metapher für die Liebe also. Liebe, die so vielfältig ist wie die Referenzen und Allegorien in Micheles Gucci-Kollektion: „Ich liebe schöne Dinge. Ich spaziere die Straße entlang und verliebe mich in alles.“, schreibt der Designer zu einem weiteren Puzzleteil. Und das sieht man auch auf dem Laufsteg.

So finden sich Auszüge der Carte de Tendre zwar auch als Prints auf einigen ausgewählten Stücken, im Allgemeinen ist sie aber als Inspiration, als allumfassender Gefühls-Wegweiser durch die unterschiedlichsten modischen und femininen Emotionen zu sehen.

Die Kollektion: Von Rüschen, Transparenz und weiblicher Identität

Um beim Gleichnis zu bleiben: Ebenso vielfältig wie die Wege der Liebe in der Carte de Tendre sind auch die weiblichen Identitäten. Und eben diese Vielfältigkeit versucht Alessandro Michele für Gucci anhand unterschiedlichster Stile, Farben und Materialien darzustellen und beruft sich dabei auf zentrale Elemente, die er auch schon in vergangenen Kollektionen verwendet hat. Dazu gehören unverkennbar die großen Nerdbrillen im Sekretärinnen-Stil, die allerdings durch Glitterbeschichtung und Stein-Applikationen ein Make-over erhalten. Aber auch das Farbspektrum ist der vorherigen Kollektion relativ ähnlich und schlängelt sich entlang zwischen pastelligen und erdigen Nuancen, die sich zu unterschiedlichsten Mustern formieren.
Ein großes Thema ist auch hier wieder die Transparenz, die jedoch ins Extreme geführt wird, um starre Rockformen wie zum Beispiel einen schweren Glockenrock oder bodenlange Kleider aufzubrechen und femininer, fast schon elfenhaft zu machen. Dem gegenüber stehen dann wieder glänzende Hosenanzüge in Knöchellänge, die mit überzeichnet vergrößerten Krawatten kombiniert werden.

Fazit: Man muss sie mögen, diese neue Gucci-DNA. Doch letzten Endes zeigt sie nicht nur Alessandro Micheles Mut, neue Wege zu gehen und zu verteidigen, sondern auch, dass ein modernes Modehaus mit einer langjährigen und vielleicht auch starren Tradition manchmal auch nach neuen, frischen Interpretationen verlangt, um im schwindelerregend schnell drehenden Fashion-Karussell bestehen zu können.

In unserer Fotoshow können Sie nun alle Highlights der Spring/Summer-Kollektion 2016 von Gucci entdecken.

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