Fashion Week Berlin 2013: Neuer Minimalismus bei Hien Le

am 15.01.2013 um 21:01 Uhr

Prüfende Blicke, Blitzlicht, Füßescharren: In der Luft liegt ein Hauch angespannte Vorfreude, bevor der Laufsteg im Zelt am Brandenburger Tor zum ersten Mal betreten wird. Hien Le gilt als Aushängeschild der jungen Berliner Designriege — und bestreitet die Eröffnungsshow der Mercedes-Benz Fashion Week am Dienstagvormittag mit klaren Silhouetten. desired.de-Redakteurin Lia Haubner war für Sie dabei.

Stellt man einem Designer die unvermeidliche Frage nach seiner Inspiration, winkt er entweder müde lächelnd ab — oder schnappt sich unsere Fantasie, um sie auf einen spontanen Kurztrip zwischen Kunst, Kultur und Mode zu schicken. Abstraktion und der Expressionismus, genauer gesagt die charakteristischen Werke des Künstlers Mark Rothko, haben es Hien Le angetan, las man im Vorfeld. Aber auch: Es ist die Musik, die die Arbeit in seinem Kreuzberger Atelier umgibt und die Kollektion bis zum letzten Nadelstich begleitet. Hier soll sich der Anfang Dreißigjährige ebenfalls durch einen exzellenten Geschmack auszeichnen — was wir spätestens bemerken, als die ersten Takte mit dem ersten Look der 12. Fashion Week in Berlin den Runway offiziell eröffnen.

Minimalistische Tragbarkeit trifft auf den perfekten Soundtrack

Zu “Who is it?” von Michael Jackson fließen Blautöne und Nude auf schnörkellosen Seidenblusen wie auf einer Leinwand ineinander. Geradlinigkeit ist das Herzstück von Hien Les Herbst/Winter 2013/14-Entwürfen. Dies bedeutet jedoch nicht etwa, dass auf zierliche Elemente verzichtet werden muss. Ein filigraner Gürtel in Gold, geraffte Bündchen und einzelne Accessoires auf den klassischen gehaltenen Oberteilen zeigen Liebe zum Detail, die auch dem zweiten Blick noch standhält. Der Materialmix zieht sich dabei wie ein roter Faden durch die Looks. Und das funktioniert. Gerade, weil die Stoffe überraschen. Die anfangs feine Linie weicht groben Häkelmaschen, Wolle und Alcantara — angesiedelt auf Westen, Pullovern oder einem Kleid, das zu “Tonight, Tonight” der Smashing Pumpkins auf unsere Netzhäute prallt und bleibenden Eindruck hinterlässt.

Ein Hoffnungsträger behauptet sich

Hauptstadt-Hoffnungsträger ist ein Etikett, das gerade jungen Berliner Designern schneller aufgedrückt wird, als sie “Fashion Week” aussprechen können. Mit seiner Eröffnungsshow weist Hien Le den Titel des ewigen Talents schon jetzt von sich. Der gelernte Schneider folgt der Berliner Linie, ohne belanglos zu sein und sorgt so für einen würdigen Startschuss der Modewoche — zwischen Tragbarkeit und unangestrengter Eleganz.

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