Experten-Interview

Experten-Tipps: So klappt das problemlose Laufen auf High Heels, wie bei den Topmodels

am 06.03.2015 um 10:06 Uhr

Bei der diesjährigen Staffel von „Germany’s next Topmodel“ wackeln die Kandidatinnen auf ihren hohen Hacken wieder eifrig um die Wette. Wieso fällt es Heidis Mädchen aber jedes Jahr aufs Neue so schwer, in High Heels zu laufen und was macht einen schönen Gang eigentlich aus? Wir haben bei einer Expertin nachgefragt und uns Tipps und Tricks von der High-Heel- und Tanz-Trainerin Birgit Gahmann eingeholt. Was sie uns Interessantes über die Kunst des Laufens auf High Heels verraten konnte, erfahren Sie hier und in unserer Fotoshow .

Den Weg zur Veranstaltung bekommen Sie gerade noch hin, wenn auch nicht sonderlich gut, angekommen, sollte der Rest des Abends allerdings besser im Sitzen stattfinden, immerhin sind diese Mörder-Absätze ja nicht wirklich zum Laufen gemacht. Birgit Gahmann ist eine Expertin auf hohen Hacken und weiß, worauf es beim selbstbewussten Gang ankommt.

Hallo Frau Gahmann. Vielleicht stellen Sie sich erst einmal kurz vor. Wer sind Sie und was machen Sie?

„Derzeit arbeite ich als High-Heel-Trainerin, Tanztherapeutin und Dozentin für lateinamerikanischen und orientalischen Tanz.

Im erstgelernten Beruf bin ich allerdings staatlich geprüfte Erzieherin, die schon immer getanzt hat und im Jugendalter professionell Gymnastik ausübte. Als Erzieherin habe ich acht Jahre lang gearbeitet, zwei Jahre davon in einer stellvertretenden Leitungsfunktion. Dieser Beruf erfüllte mich, allerdings nur bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich mich beruflich weiterentwickeln wollte und mir das Tanzen zu sehr fehlte. Ich habe angefangen, wieder aktiv selber zu tanzen, in verschiedenen Formationen aufzutreten und habe daraufhin von der Erwachsenenbildungsstätte balou e.V. in Dortmund die Anfrage erhalten, orientalischen Tanz zu unterrichten.

Aus einem Kurs wurden dann schnell zwei oder drei, die Anfragen häuften sich und so nahm alles seinen Lauf. Ich entschied mich, eine Tanztherapie-Ausbildung zu machen, um noch mehr mit Menschen zusammenarbeiten zu können und suchte dann die Kooperation mit verschiedenen Kollegen. In den letzten 25 Jahren konnten wir so uns eine sehr gute Latin-Szene in Dortmund aufbauen und auch der orientalische Tanz hat sich etabliert.“

Und wie kommt man auf die Idee, High-Heel-Kurse anzubieten?

„In meinem Beruf ist es mir wichtig, die Traditionen des Tanzes zu bewahren und gleichzeitig neue Trends aufzuspüren. Dabei bin ich mit Blick auf die Optimierung unserer Angebote immer auf der Suche nach Innovationen, die in unser Portfolio passen könnten.

Vor etwa zehn Jahren setzte dann der High-Heel-Boom ein, plötzlich hatte die breite Masse Interesse an hohen Schuhen. Die High-Heel-Schulungen selbst kannte ich schon aus Amerika, da sie dort sehr verbreitet waren, also besuchte ich solche Schulungen in Berlin, Köln und Hamburg und versuchte, mir ein Bild davon zu machen. Ich stellte fest, dass den Menschen zusätzlich zum Lauftraining auf hohen Schuhen und als Voraussetzung eben dafür das Stärken der Muskulatur, ein höheres Selbstwertgefühl und ein aufrechter Gang gelehrt wurde. Das, was ich in meinen Tanzstunden auch tat. Da ich sehr klein bin, sind hohe Schuhe beim Paartanz für mich von Vorteil.

Ich setzte mich in die Innenstadt, beobachtete die Leute, deren Gang und Haltung und führte so einige Laufstudien durch. Mir wurde klar, dass ich in dieser Nische sehr viele Menschen, vor allem Frauen, erreichen könnte. In Zusammenarbeit mit Tanzlehrerinnen und Pädagoginnen, einer Gymnastiklehrerin und mehr als 20 Jahren Kompetenz und Erfahrung entwickelten wir gemeinsam ein Trainingskonzept für High-Heel-Schulungen. Ziel unseres Trainings ist es, die innere und äußere Haltung mit gezielten Übungen und Fokus auf die gesundheitlichen Aspekte zu optimieren.“

Sie bieten die High-Heel-Kurse sogar an einer Hochschule an, richtig?

„Ja, die Volkshochschule in Hagen kam auf mich zu. An der Volkshochschule war in diesem Jahr der erste, gut besuchte Kurs. Wobei der Zeitpunkt, so kurz nach dem Karneval, auch ein sehr guter war, da es in dieser Zeit oft ein Angebotsdefizit gibt.“

Sie sagten, Sie haben Laufstudien durchgeführt. Was verrät denn der Gang über eine Frau?

„Ich bin mit Verallgemeinerungen immer sehr vorsichtig, aber letztendlich lassen sich da selbstverständlich einige Sachen feststellen: Erst einmal laufen Menschen vormittags oft ganz anders als am Nachmittag. Somit lässt sich klar erkennen, ob ein Mensch schon lange unterwegs ist oder wie sich dessen Tagesform gestaltet.

Grundsätzlich ist es auch so, dass der aufrechte Gang vor allem für Frauen meiner Generation in Deutschland nicht immer selbstverständlich ist. Da ich regelmäßig auf Kuba bin, weiß ich auch, wie das andere Extrem ausschaut. Die meisten Frauen werden dort schon mit gehobenem Kopf, schwingenden Hüften und einem Lächeln im Gesicht groß. Sie gehen mit ihrem Selbstbewusstsein, ihrer Sinnlichkeit und Erotik ganz anders um, weil sie in einer anderen Kultur leben, in der die Frau mit ihrer Weiblichkeit ganz selbstverständlich umgeht.“

Ändert sich das nicht im Laufe der Zeit?

„Doch, auf jeden Fall. Ich selber bin jetzt 50 Jahre alt und merke, dass junge Frauen ganz anders stehen und gehen. Bei ihnen ist es weniger die weibliche Sinnlichkeit, sondern oft vielmehr das Forsche, der schnelle und taffe Schritt, der sich behauptet. Diesen zu selbstbewussten Schritt sollte man meiner Meinung nach auch nicht anstreben. Optimal wäre es, den Mittelweg zu finden, sich aufrecht, selbstbewusst und dosiert erotisch zu geben.“

Aber wie soll man dem femininen Bild folgen, wenn Sneaker einfach viel bequemer sind. Schließt das eine das andere denn zwingend aus?

„Nein, überhaupt nicht. Ich benutzte High Heels, um am Selbstwertgefühl der Frauen zu arbeiten. Ob die Frauen nun hohe Schuhe anhaben oder nicht, ist nicht immer vordergründlich – ich verurteile niemanden aufgrund seines Schuhwerks – das wäre absurd. Ganz davon abgesehen, sind High Heels, wenn man sie länger trägt, auf keinen Fall gesund. Deswegen habe auch ich häufig Turnschuhe in meiner Tasche, wenn ich auf hohen Hacken unterwegs bin. Man muss seine Füße schonen können, wenn sie das verlangen. Es ist für mich also überhaupt nicht gegensätzlich, auch Turnschuhe zu tragen.“

Welche Absatzhöhe würden Sie einer Frau empfehlen, die sich endlich einmal im Alltag an High Heels versuchen möchte.

„Auch da ist es schwer, eine allgemeine Regel zu definieren. Es gibt Frauen, die mit Vier-Zentimeter-Absätzen zu mir kommen und das als sehr hoch ansehen. Allerdings gibt es auch typische Turnschuh-Trägerinnen, die problemlos auf 13 Zentimetern laufen können. Das kommt sehr darauf an, wie eine Frau mit Ihrem Körper umgehen kann, ob sie trainiert ist und einen guten Gleichgewichtssinn hat. Dennoch gibt es meiner Meinung nach für jede Frau die richtige Absatzhöhe. Somit gibt es Frauen, die einfach nicht auf sehr hohen Schuhen laufen können und das auch nicht lernen werden, weil die Füße nicht so dehnbar sind. Dann reichen acht Zentimeter schon vollkommen aus.“

Nehmen wir „Germany’s next Topmodel“ als aktuelles Beispiel: Warum fällt es vielen Frauen so unheimlich schwer, auf hohen Schuhen zu laufen?

„Ich könnte mir vorstellen, dass es zum einen daran liegt, wann man begonnen hat, sich an hohe Schuhe zu gewöhnen. Meine ungarische Kollegin hat beispielsweise schon im Teenager-Alter hohe Schuhe getragen und deswegen überhaupt keine Probleme damit. Zum anderen ist es etwas ganz Anderes, auf dem Catwalk zu laufen, als eben seinen eigenen Gang auf hohen Schuhen zu finden. Auf dem Laufsteg muss man den Fuß ganz anders anheben, die Füße über Kreuz setzen. Das ist eine Sache, die selbstverständlich Übung bedarf. Ganz davon abgesehen, stehen die Mädels unter einem enormen Erfolgsdruck, der keine vertraute Situation für sie ist und sie auf einmal nicht mehr so laufen können, wie beim Trainieren Zuhause. Wenn die Anspannung verfällt und die gesunde Muskelspannung erhalten bleibt, kann man natürlich viel besser laufen.“

Gibt es denn ein paar einfache Tipps, die das Laufen auf High Heels vereinfachen?

„Zu allererst muss man den Stand trainieren: Man sollte aufrecht stehen, die Beckenbodenmuskulatur anspannen, den Oberkörper strecken, die Schultern weder nach hinten ziehen noch nach vorn fallen lassen, das Kinn leicht anheben und freundlich lächeln – das ist schon einmal ein sehr guter Ausgangspunkt.

Mit den Schuhen arbeitet man sich langsam an die Höhen heran und beginnt zunächst mit niedrigeren Absätzen. Sind die High Heels dann an den Füßen, muss man das Gleichgewicht ganz neu ausbalancieren, den Körperschwerpunkt finden und den Fuß in ganz kleinen Schritten abrollen, von der Ferse zur Fußspitze und dabei den großen Zeh aktivieren, dadurch bekommt man einen besseren Halt im Schuh. Dann kann man schon sehr gut erkennen, wie gut der Fuß gedehnt ist und wo seine Grenzen liegen. Das typische Einknicken der Knie passiert nämlich dadurch, dass man den Fuß nicht richtig abrollen kann. Wobei sich das natürlich auch je nach Absatz unterscheidet.“

Trotzdem tut das Laufen auf High Heels mit der Zeit einfach weh, richtig oder falsch?

„Man muss die Füße auf das Laufen in High Heels vorbereiten, die Muskeln stärken – wenn das denn möglich ist. Das Laufen in hohen Schuhen und damit in ungewohnter Haltung, ist für den Fuß absoluter Hochleistungssport. Somit ist es wichtig, eine starke Fußmuskulatur zu haben und diese – wie bei jedem anderen Sport – vor der Einheit zu erwärmen. Leichtes Abrollen, auf die Zehenspitzen stellen, langsam in die Knie gehen, sind zum Beispiel ein paar Übungen, die den Fuß trainieren. Je besser die Muskulatur, desto geringer der Schmerz und die gesundheitlichen Risiken.

Allerdings gibt es natürlich Grenzen, die sich individuell unterscheiden oder Tagesform-abhängig sind. Nach vier Wochen im Wanderurlaub fällt es auch mir wieder etwas schwerer, einen Abend auf High Heels durchzutanzen.“

Wir danken Birgit Gahmann vielmals für dieses interessante Interview. Sehen Sie sich die High-Heels-Trainerin, ihre Methoden und Tipps noch einmal in unserer Fotoshow an.

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