Die grosse Blogger-Lüge: Diese New Yorkerin spricht endlich die Wahrheit aus

am 21.08.2014 um 17:04 Uhr

Wer die App Instagram auf seinem Smartphone installiert oder schon einmal von ihr gehört hat, der weiß, dass dort täglich unzählige Schnappschüsse gepostet werden. Denn hier kann jeder, ganz gleich ob Stars und Sternchen, berühmte Blogger oder eben das Mädchen von nebenan, ein virtuelles Bilder-Tagebuch führen und es mit seinen „Followern“ teilen. Dass jene Schnappschüsse allerdings manchmal weniger mit der Realität gemein haben, als sie vorgeben, beweist nun die New Yorker Fashion-Bloggerin Dana Suchow mit ihrem mutigen Post „Photos I wish I didn’t photoshop“ (zu deutsch: Bilder, die ich lieber nicht retuschiert hätte). Was genau es damit auf sich hat, das verraten wir Ihnen hier und in unserer Bildergalerie.

Instagram ist die fabelhafte Welt der bunten Bilder: Für diese Plattform benötigt man nicht mehr als ein cooles Foto, zum Beispiel ein „Selfie“, das Selbstporträt der Neuzeit, über das dann noch ein schmeichelnder Filter gelegt werden kann, um Kontraste zu optimieren, Farben zum Leuchten zu bringen oder einen Vintage-Effekt zu erzielen. Doch über diese Filter hinaus gibt es noch das ein oder andere Tool, welches beispielsweise glänzende, lange Haare zaubert, das Bäuchlein optisch entfernt, die Oberweite virtuell vergrößern kann, den Teint seidig und makellos erscheinen lässt, Falten glättet oder die Silhouette eines Supermodels schummelt. Die Liste könnte ewig so weiter geführt werden und jene bearbeiteten Bilder schlichtweg mit dem Hashtag #perfekt versehen werden.

Eine Bloggerin setzt nun ein Statement und macht Schluss mit jenen Fake-Fotos. Dana Suchow zeigt auf ihrem Blog dothehotpants.com ihren Followern in Vorher-Nachher-Bildern, an welcher Stelle sie in der Vergangenheit gemogelt und Photoshop angewandt hat, um nicht nur gut, sondern eben perfekt auszusehen. Was sie genau zu diesem offenen und ehrlichen Post bewegt hat, das haben wir die New Yorkerin im desired.de-Interview selbst gefragt.

Was war der ausschlaggebende Punkt, der dazu geführt hat, dass Sie Ihre „unperfekten“ Vorher-Bilder gezeigt haben?

Ich wollte meine Leser wissen lassen, dass auch ich nicht perfekt bin. Nach unzähligen Kommentaren unter meinen Posts und Instagram-Bildern wie „Dana, du hast einen so großartigen Körper“ oder „du siehst einfach nur perfekt aus“, wollte ich mit den Vorher-Nachher-Bildern sagen: Ich bin nicht perfekt. Auch ich habe Zweifel, was meine Outfits und meinen Körper angeht. Wie jede andere Frau eben auch.

Werden Sie in Zukunft ganz auf verschönende Helfer-Tools wie Photoshop verzichten?

Ich werde weiterhin bestimmte Apps benutzen, um meine Bilder zu optimieren. Zum Beispiel für Kontraste, Farben oder um Dinge zu entfernen, die nicht in das Bild gehören. Photoshop als solches ist nicht der ‘Buhmann’, schließlich ist es ein durchaus sinnvolles Tool für die digitale Bildbearbeitung, nur leider wird es viel zu häufig im falschen Kontext verwendet und durch die angebliche Perfektion fangen Frauen dann an, ihren eigenen Körper zu hassen. In Bezug auf meinen Körper werde ich in jedem Fall aufhören, diesen durch entsprechendes Werkzeug zu manipulieren und zu perfektionieren. Außerdem wissen meine Follower nun, wie ich wirklich aussehe und ich kann mich nicht länger hinter einer Fassade verstecken. Ich bin meinen Followern das auch schuldig, schließlich schätzen sie mich jetzt für meine Transparenz und Ehrlichkeit.

Wie kam es überhaupt dazu, dass Sie Ihre Instagram-Bilder bearbeiten wollten. Wollten Sie bestimmte Erwartungen erfüllen oder dachten Sie, dass Sie vielleicht nicht „perfekt“ genug für diese Plattform und die Welt da draußen sind?

Ich habe meine Fotos anfangs retuschiert, weil ich mich für meine Verständnisse nie perfekt genug gefühlt habe. Ich möchte diesen Zusatz ‘genug’ in Bezug auf meinen Körper eigentlich generell streichen. Jeder sollte selbst entscheiden dürfen, was schön ist. Schönheit liegt schließlich im Auge des Betrachters, oder etwa nicht?

Wie waren die Reaktionen von außerhalb, nachdem Sie den Post „Photos I wish I didn’t photoshop“ (zu deutsch: Bilder, die ich lieber nicht retuschiert hätte) veröffentlicht haben? Haben sich auch andere Blogger zu Wort gemeldet?

Ja, die Reaktionen waren enorm und das hätte ich so sicher nicht erwartet. Blogger, Freunde, meine Familie oder eben Fremde – das Feedback von meinem Umfeld war zu meist sehr positiv. Viele Blogger kamen auf mich zu und haben sich bei mir bedankt, dass ich diesen Schritt gewagt habe. Sie stehen häufig unter einem großen Druck, immer perfekt aussehen zu müssen und leben in vielen Fällen sogar von ihren Blogs. Ich hoffe, dass ich etwas dazu beitragen konnte und ihnen so ein wenig Last von den Schultern nehmen konnte. Ich wollte meine Makel in erster Linie zeigen, damit andere Frauen auch lernen können, mit ihren eigenen kleinen Fehlern zu leben und sie zu lieben.

Denken Sie nicht, dass Instagram und Blogs die falschen Portale für „perfekte“ Bilder sind? Klar, bei großen Kampagnen und Hochglanzmagazinen wissen wir längst, dass viel gemogelt wird. Instagram und persönliche Blogs hingegen galten immer als spontan und zufällig. Die meisten hätten wahrscheinlich gar nicht vermutet, dass auch hier jede Menge „gephotoshopt“ wird. Denken Sie also, dass Blogger mittlerweile unter dem gleichen Druck stehen wie Supermodels?

Ja, sobald du irgendetwas mit ‘Mode’ machst, entsteht dieser Druck, perfekt aussehen zu müssen. Über Mode zu bloggen ist mittlerweile ein ganz eigenes Business und die Blogger werden von den großen Firmen dafür bezahlt, mit deren Produkten zu posieren. Nur wer gut aussieht, wird hier ausgewählt und verdient am Ende damit Geld. So läuft das Geschäft nun einmal. Und man darf nicht vergessen: Auf Instagram, und allen anderen Socia-Media-Kanälen, wollen alle nur die schöne Dinge bewundern. Keiner will seine schlechten Momente des Lebens präsentieren und keiner will diese sehen. Wir alle leben in einem Märchen, in dem alle nur ihr perfektes und beneidenswertes Leben zeigen. Obwohl wir eigentlich alle wissen müssten, dass das mit der Realität nicht immer etwas zu tun haben muss, lassen wir uns doch ein Stück weit davon beeindrucken und beeinflussen. Ich frage mich also: Sind wir nicht langsam dafür bereit, hinter den Vorhang zu schauen?

Diese abschließende Frage von Dana Suchow können wir nur mit einem klaren „Ja“ beantworten. Wir sind definitiv bereit und werden den ein oder anderen Instragram-Post von makellosen Stars, Models oder ganz normalen Mädchen zukünftig mit einem Lächeln betrachten und uns stillschweigend denken: Nobody is perfect. Es bleibt zu hoffen, dass nach Dana Suchow auch noch weitere Bloggerinnen den Mut haben, ihre wahre Schönheit zu zeigen, fernab von herrschenden Schönheitsidealen, denn das wirkt doch allemal sympathischer als noch eine perfekte Lady mehr, oder was denken Sie?

Entdecken Sie in unserer Bildergalerie die Outfit-Fotos von Bloggerin Dana Suchow und sehen Sie den Unterschied in den Vorher-Nachher-Bildern.

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