Gesundheit

Gefährlicher Trend „Instarexic“: Der Kampf um Ruhm und den perfekten Körper

am 26.10.2015 um 15:36 Uhr

Es ist zweifelsohne im Trend, ein möglichst gesundes Leben zu führen, den Körper definiert zu formen, sich mit unbehandelten Lebensmitteln und nahrhaften Mahlzeiten so gesund wie möglich zu ernähren. Gut so, möchte man meinen. Dennoch gibt es auch hier die andere Seite der Medaille. Die Seite, auf der Motivation in Obsession abdriftet, Likes auf Instagram zum virtuellen Applaus werden, der Fitness-Wahn krankhaft anmutet und sich die Selbstwahrnehmung verschiebt. Wir erklären Ihnen hier und in unserer Fotoshow , was sich hinter der gefährlichen Instarexic-Bewegung verbirgt.

Früher waren es „Thigh Gaps“ und „Bikinibrücken“, die als gefährliche Trends auf den sozialen Netzwerken die Runde machten: Herausstehende Hüftknochen und ein möglichst großer Spalt zwischen den Oberschenkeln waren angesagt. Heute ist fit viel schöner als dünn. Eigentlich ja eine positive Entwicklung, oder?

Was bedeutet Instarexic?

Fitnessblogger lassen ihre Fans mit Motivationsfotos von ihren stählernen Körpern glauben, dass jeder so aussehen kann wie sie, wenn man denn nur hart genug trainiert, mit Disziplin am Ball bleibt und seine Ernährung kategorisch umstellt. Gefährlich, denn nicht jeder Körper ist gleich.

Viele Frauen, die die Bilder der durchtrainierten Körper und Chia-Puddings sehen, rackern sich im Fitnessstudio bis zur absoluten Erschöpfung ab und knabbern täglich an einem halben Salatblatt, um dem Fitspo-Ideal endlich etwas näher zu kommen.

Für genau dieses Phänomen hat der englische Mediziner Henry Kimpton das Wort „Instarexic“ geprägt. Instarexic ist eine Kombination aus den beiden Begriffen „Instagram“ und „Anorexie“. Kimpton vergleicht den Fitnesswahn der sozialen Netzwerke wie Instagram mit Magersucht und Bulimie und dem Drang danach, seinen Körper um jeden Preis unter Kontrolle haben zu wollen. Demnach hungern Magersüchtige, erlauben sich kaum Nahrung, während sich Bulimie-Erkrankte nach jeder Mahlzeit zum Erbrechen zwingen. Die Fitness-Fanatiker sprinten hingegen nach jedem noch so winzigen Keks ins Fitnessstudio und bringen ihren Körper an seine Leistungsgrenzen. Obwohl viele Fitness-Blogger den Schein aufrechterhalten wollen, dass ihr Lebensstil wahnsinnig gesund ist, ist er das oft nicht.

Fitnessblogger: Die Instagram-Göttin

Mittlerweile gibt es sie wie Sand am Meer, die Fitnessblogger. Die lassen ihre Fans an ihren täglichen Workouts und gesunden Mini-Mahlzeiten teilhaben, bis die Fandichte einmal so mächtig ist, dass es für ein eigenes Fitnessprogramm reicht und Millionen von jungen Frauen eben genauso durchtrainiert aussehen wollen, wie ihre definierten Vorbilder.

Eines der wohl erfolgreichsten dieser Vorbilder ist Kayla Itsines. Die Australierin vereint beinahe vier Millionen Abonnementen auf ihrem Instagram-Account und feiert ihre Fans mehrmals täglich mit eindrucksvollen Transformationsbildern. Diese Bilder zeigen, wie sich die Körper der Kayla-Anhänger beim Einhalten ihres „Bikini-Body-Guides“ in absolute Traumkörper verwandeln. Kayla ist jung, bildschön und schafft es, tausende von Frauen in knappen Hotpants und Sport-BHs vor einer Bühne zu versammeln, wenn sie zum gemeinsamen Workout einlädt. 3,3 Millionen Frauen schwören mittlerweile auf Kaylas Workouts. Sie ist zweifelsohne eine der Damen, die den Hype des Fitnesswahns auf Instagram mitbegründet haben.

Fitnessblogger reden Klartext

Ähnlich fasziniert wie Kayla ist auch die Engländerin Celia Learmonth von Fitness. Ihr Wahn ist allerdings in Sucht und Krankheit geendet. Die Fitnessbloggerin gestand, dass sie ein gestörtes Verhältnis zu ihrem Körper und Nahrung hat. Dass alle Likes auf Instagram für sie virtueller Applaus sind, der sie immer wieder aufs Neue dazu bekräftigte, ihren Körper auf Perfektion zu trimmen. Ihr Tag bestand aus nicht mehr als 1500 Kilokalorien und das trotz mehrerer Sporteinheiten. Nun outete sich die Fitnessbloggerin selbst als „betrügerisch“. Sie baute sich eine virtuelle Welt auf, mit der sie tausende Frauen faszinierte, sie hatte sich und ihren Körper unter Kontrolle (das ist das Ziel vieler Essgestörter). Letztendlich holte sie sich professionelle Hilfe, um ihre Essstörung und ihre verschobene Selbstwahrnehmung unter Kontrolle zu bekommen.

Ähnlich erging es auch Louisa Dellert. Auch sie geriet in diesen Strudel des strikten Kalorienzählens und konsequenter Workouts. Bis sie ihren Freund Jan traf. Er war Trainer, in dem Studio, in dem „Lou“ ihre harten Trainingseinheiten absolvierte, und machte die Fitnessbloggerin irgendwann darauf aufmerksam, dass sie erschreckend dünn geworden ist. Das war der Wendepunkt in ihrem Leben. Heute sind die beiden ein Paar und erzählen gemeinsam davon, wie man gesund Sport treibt, posten Bilder von Dehnungsstreifen, Bauchfältchen und süßen Sünden. Sie machen das, was eigentlich einmal der Sinn hinter dieser Fitness-Bewegung war: Ein wirklich gesundes Leben führen.

Bleibt nur zu hoffen, dass all die ambitionierten Fitness-Pros sich darüber im Klaren sind, dass zwischen Motivation und Obsession nur ein sehr schmaler Grat liegt.

Sehen Sie in unserer Fotoshow, wer Kayla Itsines, Celia Learmonth und Louisa Dellert sind und warum der Instarexic-Trend so gefährlich ist.

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