Beauty-Interview

Anschnallen bitte! Interview mit Jan Mihm von Uslu Airlines

am 11.11.2013 um 17:57 Uhr

Please fasten your seatbelts! – Wie wäre es denn mal mit einem Tagestrip nach Las Vegas, einem Wochenende in Chile, Papua Neuguinea oder Brasilien? Oder einem kurzen Aufenthalt in Düsseldorf, Hong Kong oder Zürich? Uslu Airlines, das trendverdächtige, junge Berliner Beauty-Label ist bunt, liebt es unkonventionell und entwickelt Produkte mit einem beachtlichen, kreativen Hang zum Storytelling. Unsere desired.de-Redakteurin Matea Prgomet traf den Mitbegründer Jan Mihm zum persönlichen Interview in der Ideenschmiede des Labels und sprach mit dem kreativen Kopf über die Geburtsstunde von Uslu Airlines, assoziative Ideenfindungen und Nagellack tragende DJs.

Uslu Airlines ist tatsächlich die eifrigste Fluggesellschaft dieser Welt: Sie bedient über 180 Ziele, in über 170 Länder dieser Welt – das lässt selbst die Lufthansa ganz schön alt aussehen. Natürlich geht es hier nicht um eine Airline im herkömmlichen Sinne, sondern um eine ganz besondere Beauty-Marke. Die Analogie zur Luftfahrt wird dabei konsequent weitergesponnen: Jedes Produkt, egal ob Nagellack, Concealer oder Lippenstift, erhält seinen eigenen Flughafencode: Von LAS (Las Vegas), DNA (Okinawa), HKG (Hong Kong) oder MAU (Maupiti) ist so ziemlich jedes Ziel dabei, das man sich nur vorstellen kann. Wir von desired.de haben uns mit Uslu Airlines auf eine kleine, bunte Reise begeben, zu den Anfängen der heutigen Trendmarke.

Lieber Jan, Uslu Airlines wurde offiziell im Jahr 2003 gegründet. Kannst du uns zum Einstieg erst einmal etwas über die Geburtsstunde der Marke erzählen und wie euer Herzensprojekt überhaupt zu Stande kam? 

Sehr gerne! Die Anfänge liegen tatsächlich noch viel weiter zurück als im Jahr 2003, dort wurde ja lediglich das erste Produkt verkauft – bei Colette in Paris. Die eigentliche Geburtsstunde von Uslu Airlines war ungefähr im Jahr 2000. Feride war damals schon sehr erfolgreich als Visagistin in New York tätig, vor allem im Fashion- und Editorial-Bereich. Ehrlich gesagt, war sie anfangs ein wenig skeptisch bezüglich meiner Idee, mit ihr gemeinsam ein Beauty-Label zu gründen. Feride hat immer gesagt, eine neue Make-up-Line brauche doch kein Mensch, es gebe ja bereits tausende davon! Ich hingegen war schon immer davon überzeugt, dass in einem gemeinsamen Projekt unglaublich viel Potential steckt. Und dann kamen wir auf die Idee, eine Airbrush-Make-up-Linie auf den Markt zu bringen.

Eure Anfänge liegen also im Airbrush-Make-up?

Definitiv, denn Airbrush war Ferides eigentliches Steckenpferd und ihr liebstes Arbeitsutensil, das sie aus diversem Autozubehör und Künstlerbedarf selbst zusammengestückelt und gebastelt hatte. Die Farben mischte sie mit destilliertem Wasser an – das war anfangs mehr oder weniger wilde Hexenküche (lacht)! Aber genau das kam so wahnsinnig gut an. Redakteure, Models und Designer haben sie immer wieder darauf angesprochen, dass sie das Airbrush-Produkt gerne kaufen würden, weil es es so genial war!

Das war also der Beginn euerer Zusammenarbeit, der Turning Point?

Ja, endlich war auch Feride überzeugt, dass die Welt eine Airbrush-Make-up-Linie bräuchte – und zwar ihre (lacht)! Dann haben wir gemeinsam über zwei Jahre hinweg recherchiert, geplant und das Projekt aufgebaut. Den Namen Uslu Airlines hatten wir aber schon ganz fix. Die Namensfindung passierte auch in so einer kleinen Runde, man saß zusammen am Tisch, überlegte hin und her, der Abend wurde spät, wir tranken, rauchten und brainstormten. Dann sagte eine Freundin auf einmal: Mensch, wir sitzen hier zwar nur zu fünft in einer kleinen Runde zusammen, aber ihr müsst doch mal groß denken! Think big, think airline! Und da machte es Klick. Natürlich, sie hätte auch sagen können: Think big, think IBM, oder irgendetwas ganz anderes! Aber sie sagte eben, think big, think airline und in dieser Sekunde fügte es sich bei uns zusammen – Uslu Airlines! Daraus haben sich dann die Ideen wie Lawinen entwickelt und wir beschlossen das Fluglinien-Konzept konsequent durchzuziehen, unsere Produkte nach Airports zu benennen usw.

Viele Leute kennen euch hauptsächlich durch eure bunten, lebendigen Nagellacke. Wann habt ihr damit angefangen?

Das passierte vor ungefähr sechs, sieben Jahren. Zu dieser Zeit hatte tatsächlich kaum ein anderes Label so komische, unverkäufliche Farben im Sortiment wie wir. Ein helles Grau, sattes Dunkelblau, grelles Neongelb – das war neu. Nagellack war eben rot, deshalb sagte uns auch jeder: Das klappt doch nie im Leben! Aber Ferides Begeisterung für ungewöhnliche Farben gepaart mit einer großen Portion an Mut, brachte uns dazu, es eben doch zu probieren. Und siehe da, die Farben wurden sogar teilweise zum Bestseller. Ich würde sogar behaupten, dass wir als Uslu Airlines durch unseren Farbenmut diesen heutigen Trend zu wilden Nagellackfarben mit angefeuert haben.

Nagellack ist also mittlerweile euer Zugpferd?

Finanziell schon, trotzdem sind wir keine Nagellack-Brand! Wir haben zwar viele schöne Nagellacke, aber auch ganz viele, andere tolle Sachen (lacht). Seit ca. zwei Jahren legen wir zum Beispiel einen ganz starken Fokus auf Lippenstifte. Da versuchen wir eine ähnliche Bewegung in Gang zu setzten, wie es bei den Nagellacken geschehen ist. Unsere Lippenstift-Nuancen sind nämlich mindestens genauso verrückt: Von grau, blau, orange, grün, gold, oder zinn ist alles mit an Bord. Auch hier sind die Reaktionen so wie bei den Lacken: Am Anfang sind alle skeptisch und sagen, das kann nicht funktionieren. Trotzdem, ein paar mutige Ladies tragen es schon und ich beobachte voller Vergnügen erste Musikvideos und Fashion-Shows mit den ungewöhnlichsten Lippenstiftfarben. Es ist in Bewegung und wir wollen es wieder mit anschieben! 

Ja, es ist in Bewegung! Vor allem eure Produkte, die ihr ganz liebevoll Destinations nennt, sind immer in Bewegung. Woher kommt die Inspiration zu diesen Unmengen an kreativen Namensgebungen? Warum ist Schönefeld z.B. ein grelles, leuchtendes Gelb?

Schönefeld als besonders Beispiel, ist entstanden in Zusammenarbeit mit den Brillen-Designern von Mykita. Wir haben gemeinsam eine Pilotenbrille entworfen und die Farbe des Nagellacks an die Farbe des Brillenrahmens angepasst. Da wir beide Berliner Brands sind, wollten wir also auch unbedingt einen Berliner Flughafen, so entschieden wir uns für Schönefeld. Das kreischende Gelb haben wir ausgewählt, weil wir der Meinung sind, dass Schönefeld einer der langweiligsten, ödesten Flughäfen der Welt ist. Deshalb musste da mal ein bisschen Leben und Farbe ins Spiel kommen – also ein grelles Gelb!

Steckt denn hinter jeder Destination so eine tolle, assoziative Idee dahinter?

Die Inspiration für die Namensgebung kommt wirklich aus ganz vielen, verschiedenen Ecken. Manchmal kann es ein aktueller Anlass sein, eine intuitive Eingebung oder einfach eine super Story, über die wir stolpern. So ist zum Beispiel einer unserer beliebtesten Lippenstifte namens TOR nach dem Flughafen-Code für Torrington (USA) benannt; hat aber an sich mit diesem Flughafen nichts zu tun. Dieser Lippenstift ist hier in Berlin, und zwar genau auf der Torstraße, entstanden und kann auch nur dort gekauft werden. Er wurde speziell mit Männern entwickelt, die auf der Torstraße arbeiten oder leben. Die Idee dahinter ist, dass verschiedene Männer in allen Lebenslagen einen Lippenstift für Frauen kreieren, nach ihren ganz individuellen Wünschen. Ein Lippenstift von Männern für Frauen! Es gibt natürlich aber auch Destinationen, wo wir eine ganz klare örtliche Zuordnung haben. So zum Beispiel bei unserem Lippenstift SAW (Sabiha Gökçen), dem zweiten Istanbuler Flughafen. Sabiha Gökçen, eine sehr inspirierende Frau, war die erste Kampfpilotin in der türkischen Luftwaffe, nach ihr wurde dieser Flughafen benannt. Wir fanden die Geschichte inspirierend und so haben wir den perfekten Lippenstift für Sabiha entworfen: Ein klassisches, tiefes Rot.

Zumindest ein Teil eures Ideenreichtums fußt auch in der Vielzahl eurer etlichen Kollaborationen, ihr habt schon mit Künstlern und Brands aus allen Branchen zusammengearbeitet!

Ja! Wir lieben Kollaborationen aus dem Grund, weil wir dadurch eine höhere Sichtbarkeit erhalten, vor allem in Bereichen, wo man uns nicht vermuten würde. Aber natürlich liefern uns diese Leute auch Ideen, auf die wir sonst nicht kommen würden. Wir sind zwar wahnsinnig kreativ, aber wenn wir ca. 10 Kollaborationen im Jahr haben, dann sind das auch für uns ganze 10 Einflüsse, 10 Ideen mehr. 

Da gibt es zum Beispiel diese besondere Kollaboration, die ihr mit verschiedenen, berühmten DJ‘s wie Loco Dice, Fetisch, Rollerboys, Headman oder Hugo Capablanca gestartet habt – da treffen dann wirklich verschiedene Disziplinen aufeinander. Eine Beauty-Brand mit echten popkulturellen Einflüssen?

Das ist dann nicht mehr nur Beauty, sondern geht darüber hinaus! (lacht) Ja, die DJ-Kollaboration ist auch eines meiner liebsten Projekte. Das Ganze hat mit nur vier DJs angefangen, die ihren persönlichen Nagellack für uns entworfen haben. Es war sehr schwierig, diese ersten Vier mit an Bord zu bekommen. Der Hintergrund war der: Clubkultur ist für uns eine Testfläche, denn dort probierst du aus, ob dein Lippenstift wirklich so gut ankommt. Und wer ist der Platzhirsch im Club? Das ist natürlich der DJ (lacht)! Aber Spaß beiseite: Hetero-Männer, vor allem DJs, die Nagellack tragen? Das ist doch dann eher die Ausnahme. Oftmals kommen bei Anfragen in diese Richtung ganz verquere Assoziationen zustande, wie: Was, Nagellack entwerfen? Aber ich bin doch nicht schwul! Von dieser Denkweise wollen wir komplett weg, das hat ja damit nichts zu tun! Nagellack und bunte Farben haben nichts mit sexueller Orientierung zu tun, sondern sollen in erster Linie Spaß machen. Das war mit ein Grund, weshalb wir das DJ-Projekt gestartet haben. Und nachdem die ersten vier DJs den Damm gebrochen hatten, standen sie plötzlich auf einmal alle Schlange.

Jetzt wollen wir uns noch kurz einem ganz anderen Thema widmen: Stichwort Nachhaltigkeit. Ihr habt diesen unglaublichen Nagellackentferner entworfen, der angeblich nur auf Wasserbasis funktioniert. Ist Nachhaltigkeit eine Priorität für Euch?

Ja, dieser Nagellackentferner hat hohe Wellen geschlagen und er funktioniert wirklich! Das Tolle: Er ist gar nicht aggressiv, denn er funktioniert komplett ohne Lösungsmittel, nur anhand bestimmter Abriebstoffe, mikroskopisch kleiner Kristalle, die den Nagellack wie ein Spachtel abheben. Der Prozess des Nagellackentfernens dauert zwar dadurch etwas länger, ist aber genauso effektiv. Besonders bei Nagellackentfernern ist es wirklich notwendig, dass langsam ein Umdenken einsetzt. Wenn ich dir mal ein bisschen was zu Aceton, Ethylacetat oder Butylacetat erzähle, möchtest du das nie wieder verwenden oder einatmen. Es gibt ganze Industrien, wie zum Beispiel die Druckindustrie – wo Aceton verwendet wurde um die Walzen zu säubern – wo dieser Stoff mittlerweile verboten ist, weil er so unglaublich schädlich ist. Aber für die Frau zu Hause, ist es immer noch erlaubt – unglaublich. Und jetzt stell dir mal vor, du arbeitest in einem Nagelstudio und atmest diese giftigen Dämpfe ein tagein, tagaus. 

Ja, das klingt in der Tat als gebe es großen Aufklärungsbedarf. Trotzdem verzichtet ihr gerne auf das Sonderprädikat „Bio“?

Was heißt das schon? Wir versuchen zum Beispiel unsere Lieferanten ganz nah bei uns zu haben. Unsere Schachteln werden hier in Berlin gedruckt und gestanzt. Unser Lager ist in Weißensee, so versuchen wir die Wege möglichst kurz zu halten. Als besonders nachhaltig oder bio würde ich uns trotzdem nicht bezeichnen, wir machen uns einfach nur Gedanken, wie sich jede normale Brand Gedanken machen sollte. Nebenbei gesagt: Unsere Nagellacke sind natürlich 5 free. Nur hängen wir das nicht so an die große Glocke, weil das für uns ganz normal ist.

5 free, was bedeutet das? 

Die fünf schädlichsten Substanzen, die normalerweise im Nagellack zu finden sind, wie Formaldehyd, Dibuthylphtalat (DBP), Campher, Formaldehydharz oder Toluol, gibt es in unseren Lacken nicht. Unser Nagellack ist so gesund wie es eben bei einem Produkt wie Nagellack nur geht.

Zum Abschluss lieber Jan, hast du noch einige Beauty-Tipps für unsere Leserinen?  Welche Farben kommen im Winter, welche Trends im Frühjahr?

Ja, da habe ich was ganz besonderes für dich und zwar unsere drei brandneuen Bronze-Töne u.a. auch mit Glitter-Chips! Die drei Nuancen gibt es tatsächlich erst seit gestern bei Colette in Paris zu kaufen – unser Tipp für die festliche Weihnachtszeit. Aber auch nudefarbener Nagellack mit diversen Effekten, wie zum Beispiel einem leichten Crushed-Ice-Look ist ideal für den kommenden Winter. Für den Frühling haben wir, wieder mit der Hilfe von Loco Dice, eine ganz spezielle Lippenstift-Linie entwickelt, die perfekt ist für jede Party. Die Farben, einmal ein sattes Mint, dann ein fruchtiges Peach und zuletzt ein softes Rosa, sind sehr matt und sehr deckend, fast wie ein Filzstift – garantiert ein Party-Hingucker und Trendsetter!

Wir bedanken uns für das tolle Interview und hoffen auf noch viele, kreative Ideen aus dem Hause Uslu Airlines. Fotos von den neuesten Trendprodukten, wie den neuen Bronze-Trendfarben BGX Bage, MAD Madrid & DLL Dillon sowie einen kleinen Einblick in das Uslu-Airlines-Atelier, finden Sie hier in unserer Bildergalerie.

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