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Ein Blick nach Innen: Warum Sie wieder mehr auf Ihr Bauchgefühl hören sollten

am 25.11.2014 um 16:14 Uhr

Intuition, sechster Sinn, innere Eingebung, Geistesblitz, der Riecher für gewisse Situationen: Das Bauchgefühl hat viele Namen und meint stets diesen einen Moment, wenn wir eine Entscheidung von Innen heraus treffen – ganz ohne doppelten Boden, Sicherheitsnetz oder Garantie. Dabei hat es unsere innere Stimme heutzutage ziemlich schwer. Wir überhören sie oft: Der hektische Alltag, Stress sowie unsere Umwelt stimulieren uns nonstop – bis hin zum weißen Rauschen. Außerdem ist es nicht schwer, die offensichtlichen Gründe für ein „Nein“ zu finden: Es ist zu riskant, zu anstrengend, zu unsicher. Wenn sich eine unerwartete Gelegenheit eröffnet, zögern wir und lamentieren, wir seien nicht bereit, ‚noch‘ nicht. Wir unterschätzen, bremsen uns selbst aus: Jetzt ist nicht der richtige Moment, und sowieso, wir könnten doch nicht einfach… Das wäre doch… Ungenutzte Chancen, verpasste Gelegenheiten und potentielle Erfahrungen – ist es das, was uns eine ungehörte Intuition hinterlässt? Auf sein Bauchgefühl zu hören und Sicherheiten auszublenden, erfordert Mut sowie ein gewisses Losgelöstsein. Es ist das Nutzen des Momentes und vielleicht auch die Akzeptanz eines temporären Kontrollverlustes, der sich uns eröffnet, wenn wir die intuitive Chance ergreifen. Lesen Sie hier und in unserer Bildergalerie, wie das Erwecken Ihres Bauchgefühls als eine moderne Herausforderung auch Ihr Leben in Zukunft bereichern könnte.

Das Wort Intuition kommt vom Lateinischen intueri und bedeutet: nach innen schauen. Intuition ist also ein Wissen von innen heraus. Doch woher kommt Intuition wirklich, was löst sie aus?

Die Empirie des sechsten Sinnes

In der Neurobiologie definiert man das Bauchgefühl als eine biologische Resonanz, die in uns entsteht, ohne dass wir bewusst darüber nachdenken und ohne dass wir es kontrollieren können. Wir haben sogenannte Spiegelnervenzellen, auch als ‚somatische Marker‘ bezeichnet, die in uns, im Falle einer anstehenden Entscheidung, einen sofortigen Impuls auslösen. Jene somatischen Marker stellen gewissermaßen die Summe all unserer Erfahrungen da: Jedes Erlebnis, das ein Mensch im Laufe seines Lebens macht, wird in einem emotionalen Gedächtnis abgespeichert und mit der binären Einschätzung positiv, wieder aufsuchen oder negativ, künftig vermeiden bewertet. Dieses Erfahrungsgedächtnis teilt sich dann über körperliche Signale, wie ein ungutes Bauchkribbeln, ein flaues Gefühl im Magen oder eine plötzliche Aufregung und Freude, mit. Sie sind also nichts anderes als die Geburtsstätte unseres Bauchgefühls.

Bauchgefühl neu entdecken

Cogito ergo sum: Schon im frühen 17. Jahrhundert formulierte der französische Philosoph René Descartes einen Satz, der uns auch heute im Jahre 2014 noch prägt: Ich denke, also bin ich. Das rationale Denken ist das Fundament unserer Kultur, Entscheidungen beruhen auf Fakten, Statistiken, Umfragen, digitalisierten Prozessen und künstlicher Intelligenz. Doch damit stoßen wir mittlerweile an die Grenzen unser heutigen Hochkultur. Mit der Komplexität der modernen Welt im überschnell-lebigen Fast-Forward-Modus ist unser Verstand oft überfordert und rationales Denken nicht mehr genug. Intuition macht vor allem deshalb Angst, weil wir in einer kontrollsüchtigen Gesellschaft leben, die sich auf exakte Planbarkeit verlässt. Würde man dem Bauchgefühl mehr Entscheidungskraft einräumen, hieße das, man müsste auch zeitgleich das Loslassen wagen.

Wieso also nicht? Es gibt immer mehr Bereiche in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, die sich dem intuitiven, emotionalen Entscheiden öffnen und das Vorhandensein von Intuitionen akzeptieren.

Wenn also selbst so jemand, wie Wendelin Wiedeking, einer der erfolgreichsten Konzernchefs Deutschlands (Porsche AG) zugibt, dass auch in seiner täglichen Welt der schnellen Entscheidungen, komplexe Faktenanalyse nicht alles sei, sondern er in ca. 10 Prozent der Entscheidungen seinem Bauchgefühl vertraue, dann sollten vielleicht auch wir unseren Blick einmal mehr nach Innen richten.

Wovor haben wir Angst? Hallo Bauchgefühl!

Eine spontane Entscheidung ist aufregend, lehrreich und vor allem inspirierend: Es macht keinen Sinn, mit Sorgen oder Angst an den sechsten Sinn zu appellieren, dann wird sich dieser mit Sicherheit nicht regen können. Versuchen Sie daher, locker und spielerisch an eine Entscheidung, sei sie groß oder klein, heranzugehen, so wird diese positive Grundeinstellung Ihre Intuition garantiert wach kitzeln. Haben Sie außerdem einmal darüber nachgedacht, dass Sie sich selbst viel besser kennenlernen, wenn Sie Ihrer Intuition wieder mehr Geltung einräumen? Mit jeder Entscheidung, auch einer falschen, sind Sie besser auf die nächste, ähnliche Situation vorbereitet.

Wir werden von unser heutigen Gesellschaft darauf konditioniert, zu glauben, dass die sichere, wohlüberlegte Entscheidung stets die Bessere ist, gleichzeitig aber, wird uns immer wieder eingebläut, dass Selbstbewusstsein das A und O des Erfolgs sei. Wahres Selbstbewusstsein entsteht aber nur, wenn man auch bereit ist, von Zeit zu Zeit eine Fehlentscheidung in Kauf zu nehmen. In Krisenzeiten lernt man sich selbst schließlich am besten kennen, man hat die Möglichkeit zu wachsen: An sich selbst und an der Situation. Mit jedem Fehler wächst sozusagen auch unser emotionales Gedächtnis mit, es macht uns reifer und ruhiger im Angesicht der nächsten Entscheidung.

Von Erfahrung und Potential

Neues erfahren und das volle Potential ausschöpfen: Wer kennt diese Stichworte nicht. Was zunächst nach Guru-Lebenstipps und leeren Lebensweisheiten klingt, ist aber tatsächlich der einzige Weg zu neuen Erfahrungen und Ausnahmesituationen. Wenn wir uns von dem Wunsch verabschieden, jeden Aspekt unseres Lebens kontrollieren zu wollen, dann erst öffnen wir uns für Neues. Lassen Sie einfach mal los und hören Sie auf das, was Ihr Bauchgefühl Ihnen unterbewusst schon längst vermittelt: Sie träumen von einem Leben in Sydney, New York, Singapur, von einem anderen Job, einer anderen Erfüllung? Dann müssen Sie vielleicht nicht bereits Ihre neue Adresse parat, Ihren neuen Freundeskreis am Start, Ihren Arbeitsweg sowie die neue Jogging-Route durchgeplant haben: Sie können nicht alles wissen, bevor Sie nicht DORT, wo Sie hinmöchten, angekommen sind. Der einzige Weg etwas mit Sicherheit zu wissen, ist, es tatsächlich auch vor Ort zu durchleben und es zumindest zu versuchen.

Es gibt kein „Es gibt keinen Weg zurück“

Unsere stärkste Angst bei größeren Bauchentscheidungen ist vielleicht der Gedanke, ab diesem Zeitpunkt gäbe es keinen Weg zurück mehr. Man fürchtet sich vor dem Gefühl ‚verloren‘ zu sein, dabei ist das stets nur eine subjektive Perspektive. Sobald man sich aus seiner gewohnten Comfort Zone herauswagt, ist es ganz normal, dass man sich auf sich selbst gestellt fühlt. Schließlich ist man von seinen Gewohnheiten und sicheren Prozessen losgelöst. Dabei müsste man einfach nur ruhig bleiben: Es gibt immer und überall einen Weg zurück. Nichts ist unlösbar, nichts ist hoffnungslos. Sydney, New York oder Singapur waren doch nicht das Richtige für Sie? Dann kommen Sie eben wieder zurück, um eine gute Lebenserfahrung reicher. Der neue Job gefällt Ihnen doch nicht so sehr? Dann kündigen Sie und suchen Sie weiter, bis Ihr Bauchgefühl zufrieden ist.

Natürlich soll dies auch kein Plädoyer für sinnlose, kopflose Kurzschlussreaktionen sein: Genauso, wie Sie lernen sollten, Ihrem Bauchgefühl wieder mehr zu vertrauen und öfter „Ja!“ zu sagen, müssen Sie Ihrem sechsten Sinn auch ein „Nein“ zugestehen: Wenn sich in Ihnen alles sträubt und Sie ein ganz „ungutes“ Gefühl im Bauch haben, sollten Sie nicht blind in eine Situation hineinspringen. Es ist, wie immer, die Balance, die es ausmacht.

Und sowieso: Spontane Entscheidungen zu treffen und etwas zu wagen, bedeutet für jeden Menschen etwas anderes, schließlich sind wir nicht alle gleich. Jede Person hat ein unterschiedlich starkes Bedürfnis nach Kontrolle und Sicherheit, nicht jede Behaglichkeitszone ist gleich groß. Für den einen bedeutet der berühmte intuitive Sprung ins Ungewisse ein One-Way-Flugticket ins Ausland, für den anderen die Entscheidung, alleine ins Kino zu gehen, oder einmal nicht die Nr. 34 beim Lieblingsitaliener, sondern das Gericht Nr. 36 zu bestellen. Die Hauptsache ist, man fordert sich selbst heraus – auf seinem ganz persönlichen, individuellen Level.

Impressionen und noch mehr zum Thema Bauchgefüh l finden Sie hier in unserer Bildergalerie.

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