Geheimtipp: Irma nimmt Angriff auf die deutschen Charts

am 01.03.2013 um 14:03 Uhr

Eine Stimme, die einen verzaubert und Klänge, die einen mitnehmen auf eine wunderbare akustische Reise. Irma heißt die sympathische Sängerin, die in Frankreich schon ein Star ist und nun Kurs auf Deutschland nimmt. Bekannt wurde Irma Pany durch ein Phänomen, das nicht neu ist: Auf der Video-Plattform YouTube stellte sie Clips von sich online und coverte Songs von Regina Spector, Macy Gray oder ihrem absoluten Idol Michael Jackson. Die Reaktionen waren schier überwältigend.

Für den Angriff auf die deutschen Charts hat sie ihre Single „I know“ mit dem „The Voice of Germany“-Halbfinalisten und Echo-Nominierten Mic Donet neu aufgenommen. Unsere Redakteurin Laura traf Irma zum Interview in Berlin und sprach mit ihr über ihren sensationellen Erfolg.

Irma, es freut mich dich zu treffen. Ich habe gehört, du bist gerade aus New York gekommen. Was machst du dort?

„Ich schreibe gerade an meinem zweiten Album und bereite die Veröffentlichung meines ersten Albums in den USA vor. Dafür bin ich jetzt auch nach New York gezogen und ich bin begeistert. Mir gefällt es dort sehr. Ich habe ja vorher in Paris gelebt, aber ich glaube im Moment hat New York die bessere Atmosphäre für mich. Ich bin neu in einer Stadt und natürlich liebe ich Paris – Paris ist eine der schönsten Städte überhaupt. Aber wenn man für längere Zeit in einer Stadt war und auf der Suche nach neuen Inspirationen ist, ist es eben besser, in eine andere Stadt zu ziehen, um andere Dinge zu sehen. New York hat einfach diese Energie und diese Stimmung, die sehr motivierend ist.“

Du bist in Kamerun aufgewachsen und mit 15 Jahren nach Paris gezogen, um zur Schule zu gehen und zu studieren. Das war sicher sehr schwer für dich.

„Anfangs war es natürlich sehr schwer. Ich war schließlich erst 15 und meine Eltern blieben im Kamerun, das war natürlich nicht gerade leicht für mich. Aber gleichzeitig bist du eben auch 15 und ziehst in eine vollkommen neue Stadt – ohne deine Eltern. Auch wenn es zu Beginn eine harte Zeit war, wurde es schnell zur besten Zeit meines Lebens. Du bist einfach so neugierig und willst alles auf einmal erleben. Nach Paris zu ziehen war ein weiterer Weg, mich für die Welt zu öffnen. Einfach eine tolle Erfahrung.“

Inwiefern hat Dir die Musik in dieser Zeit geholfen?

„Musik war alles für mich. Sie ist schon so lange eine so große Leidenschaft und ich habe auch schon vor Paris Songs geschrieben und auch dort war es eine Form mich auszudrücken.“

Du bist unheimlich talentiert – spielst Gitarre, Klavier, Schlagzeug, schreibst und komponierst selbst. Woher kommt all das?

„Ich denke, ich wurde einfach sehr von den Künstlern beeinflusst, die ihre Songs selbst schreiben und auch ihre Instrumente selbst spielen. Das hat sich dann in meinem Kopf so festgesetzt. Als Kind hörte ich Ben Harper, mein Vater ist ein großer Fan von Eric Clapton und ich liebe Michael Jackson, Lauryn Hill…“

Was, außer Musik, inspiriert Dich noch?

„Als Künstler, in welcher Form auch immer, bekommst Du deine Inspirationen überall her. Und wenn Du Sänger bist oder schreibst, ist Lesen definitiv eine der wichtigsten Inspirationsquellen. Man muss seine Inspirationen durch die Worte anderer erlangen und die Art und Weise, wie sie sich ausdrücken. Bücher sind mir sehr wichtig und ich lese sehr viel.“

Das Ergebnis kann man sich in unzähligen Videos auf YouTube ansehen. Videos, die sich rasend schnell verbreiteten und immer wieder angesehen wurden. Wie kam es dann zu dem durchschlagenden Erfolg?

„Vor etwa vier Jahren bekam ich eine Nachricht von den „My Major Company“-Gründern, die Künstler mit Crowdfounding voranbringen – Menschen konnten also in mein erstes Album investieren und mir helfen, das Album zu produzieren. Das fand ich super. Ich fand es toll, dass Menschen vom ersten Schritt mit dabei sein konnten, von Anfang an. Außerdem fühlte ich nicht so den Druck, den es hätte geben können, wenn ich mein erstes Album bei einem großen Label gemacht hätte. Es hat so viel Spaß gemacht und das Team war auch sehr jung und leidenschaftlich. Es war einfach toll.“

Der Wahnsinn an der Geschichte: Du hast die nötige Summe von 70.000 EUR innerhalb von 48 Stunden zusammen bekommen! Was schoss dir durch den Kopf, als du das Ergebnis gesehen hast?

„Ganz ehrlich – ich konnte es wirklich nicht glauben und gleichzeitig war ich total aufgeregt, aber ich konnte mir einfach nicht vorstellen, wie das jetzt alles wird. Normalerweise dauert es vier oder fünf Monate, bis man so eine Summe zusammen hat. Ich erinnere mich, wie ich mit meiner Zwillingsschwester vor dem Computer saß und die Summe einfach immer höher wurde. Wir dachten wirklich, das ist irgendein Fehler im System, es war einfach irre und wir haben uns angesehen und uns gefragt, was da passiert. Da bekam ich wirklich ein bisschen Angst. Im einen Moment spielte ich noch mit meiner Gitarre in meinem Schlafzimmer und im nächsten sollte ich ein Album aufnehmen. Es ging auf einmal alles so schnell. Ich hatte wirklich ein wenig Angst. Aber dann war es total aufregend und du stellst fest, was es bedeutet, ein Album aufzunehmen und stellst fest, wie leicht es ist.“

Nachdem dein Album „Letter to the Lord“ 2011 in Frankreich auf Platz 6 schoss, nimmst Du nun Angriff auf Deutschland und hast Dir als Unterstützung Mic Donet ausgesucht. Wie kam es dazu?

„Ich kannte Mic vorher noch nicht, aber als wir erfuhren, dass wir das Album in Deutschland veröffentlichen, dachten wir, es wäre super, das in Zusammenarbeit mit einem tollen Künstler zu machen, den man in Deutschland schon kennt. Also haben wir uns einige Künstler angesehen und die unterschiedlichsten Künstler standen auf unserer Liste. Als wir zu Mic Donet kamen, war ich einfach vollkommen hingerissen von seiner Stimme. Er ist ein toller Künstler und ich bin so froh, dass ich ihn gewählt habe. Auch als Mensch ist er einfach toll – er ist wirklich sehr witzig.“

Mic Donet hat ja an der Casting-Show „The Voice of Germany“ teilgenommen. Wäre solch ein oder ein anderes Casting-Format auch eine Option für dich gewesen?

„Ich denke nicht, weil ich mit meiner Stimme nicht ganz so selbstbewusst bin. Ich schwöre – wenn ich irgendwo auftrete, kann ich meine Stimme nicht in den Kopfhörern hören und ich muss immer meine Gitarre oder ein Klavier dabei haben, einfach nur allein mit meiner Stimme fühle ich mich nicht wohl. Also glaube ich nicht, dass ich an einer Casting-Show teilgenommen hätte.“

Wie hat Deine Familie auf diesen tollen Erfolg reagiert, Irma?

„Die sind natürlich sehr stolz und unterstützen mich, wo sie nur können. Meine Eltern sind natürlich auch total beeindruckt von all dem, weil es eben so schnell ging und niemand das erwartet hätte. Es war auf einmal so viel und für mich natürlich auch unfassbar, aber meine Familie hat mir da sehr geholfen. Sie sind sehr religiös – für sie ist all das natürlich ein großer Segen und deswegen geben sie sehr viel Acht auf das, was mit mir passiert. Aber sie sind sehr glücklich und sehr stolz.“

Irma, du hast schon mit Künstlern wie Will.i.am, Zaz oder Patrice gesungen. Gibt es jemanden, mit dem Du in Zukunft unbedingt einmal zusammenarbeiten willst?

„Ich würde alles dafür geben, um einmal mit Jay-Z zu arbeiten – danach könnte ich auch gut und gerne diesen Planeten verlassen. Aber eigentlich gibt es da nicht wirklich viele Namen in meinem Kopf. Das ist einfach das Tolle an der Arbeit, dass du die verschiedensten Künstler triffst und einfach mal so mit ihnen spielst und daraus entsteht dann etwas.“

Du arbeitest schon fleißig an Deinem zweiten Album. Worauf können wir uns da freuen?

„Ich weiß es noch gar nicht. Ich versuche gerade einfach nur hart zu arbeiten und mich zu entwickeln, um nicht auf der Stelle stehenzubleiben und mich nicht damit zufriedenzugeben, wie es jetzt ist. Ich möchte einfach, dass die Leute merken, dass ich alles gegeben habe, was ich konnte. Aber bestimmte Pläne habe ich keine – keine Ahnung, ob ich vielleicht mal rappe oder in Richtung Hard Rock gehe. Ich versuche einfach das zu tun, was sich richtig anfühlt und hoffe, dass die Menschen es mögen werden.“

Eine letzte Frage noch: Man sieht Dich eigentlich nie ohne eine Mütze. Hat es damit etwas Bestimmtes auf sich?

„Ganz ehrlich: Meine Haare sind gerade eine einzige Katastrophe. Aber als ich die Videos für YouTube aufgenommen habe, habe ich die Mütze vor allem auch deswegen getragen, um mich ein wenig zu verstecken, so dass die Menschen mich nicht ganz sehen. Ich trug Sonnenbrillen, Hüte oder einen großen Afro und nach und nach verkleidete ich mich immer weniger, aber die Mütze blieb einfach. Sie ist also schon so etwas wie ein Symbol geworden. Aber in letzter Zeit trage ich sie vor allem auch, weil mein Haar einfach wirklich nicht zu ertragen ist. Ich habe sie abgeschnitten und nun wachsen sie und ich bin in dieser schrecklichen Übergangsphase, wo das Haar nicht wirklich kurz, aber auch nicht lang genug ist. Ich verdecke also nur das Elend.“

Irma, für Deinen Erfolg in Deutschland wünschen wir Dir alles Gute und vielen Dank für das Gespräch!

„Vielen Dank.“

Irmas Album „Letter to the Lord“ erscheint am 7. März 2013. Die Single „I know“ zusammen mit Mic Donet ist seit dem 8. Februar im Handel.

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