Interview

Machen Sie es sich selbst: Wie Sie Ihre Jeans gekonnt personalisieren

am 08.07.2015 um 15:00 Uhr

Eine Jeans ist schon etwas Schönes, so zeitlos und cool. Das Material kommt einfach nicht aus der Mode und kann in diesem Jahr auch ganz ohne Probleme allover getragen werden. Umso cooler ist es doch dann, seinem Lieblings-Jeansstück eine besondere Note zu verleihen und in seiner Jeansjacke, -hose, -weste und Co. nicht wie jeder andere herumzulaufen. Wir waren deswegen zu Besuch im Levi’s Customizing Lab in Berlin und haben unsere Lieblings-Jeansjacke mit der Tailorin Paula Kunkel individualisiert. Was es beim Customizen zu beachten gibt, lesen Sie im Interview und in unserer Fotoshow .

Jeans ist nicht gleich Jeans, denn den absoluten Lieblings-Faktor bekommt ein Denim-Piece nun erst einmal, wenn man es persönlich bearbeitet hat. Also ran ans Schleifpapier, die Patches, die Nadel und den Faden und Mut beweisen. Denn vor allem das ist es, was man zum Customizen braucht. Aber lesen Sie alle Facts zum Individualisieren von Jeans in unserem exklusiven Interview.

Gibt es beim Customizing von Jeans grundsätzlich etwas zu beachten?

„Grundsätzlich kann man eigentlich jedes Jeans-Piece personalisieren. Es kommt natürlich immer ganz auf das Ausmaß der Kreativität an. Customizen kann man alles und das in den verschiedensten Arten. Möchte man allerdings etwas nähen oder aufsticken, darf das Denim natürlich nicht ultra-robust sein. Schließlich muss man mit der Nadel ja auch noch durch das Material kommen.“

Was sind die einfachsten Möglichkeiten des Customizing?

„Was wirklich jeder zwischen Tür und Angel machen kann, ist Jeansjacken oder –hosen mit Löchern und Destroyed-Optiken zu versehen. Das geht am besten mit einem Bimsstein oder etwas Schleifpapier. Damit kann man das Material dann an allen Stellen mehr oder weniger stark mit Löchern und aufgerauten Stellen versehen. Wichtig dabei ist, dass man im rechten Winkel zum Fadenlauf schleift, ansonsten zerstört man das Gewerbe. Und abschneiden, abschneiden geht auch immer. Alles, was nicht gebraucht wird, kann ab: Die Längen der Beine, die Ärmel oder der Bund, das geht alles und sieht super aus – vor allem, weil Denim dann oft lässig ausfranst. Angelehnt daran ist auch das Zweckentfremden super. Gürtelschlaufen kann man beispielsweise sehr leicht abtrennen und dann irgendwo anders als Deko-Element wieder auf den Stoff bringen. Ich persönlich liebe das Sticken von Lieblingsmotiven. Wer das nicht kann, fragt vielleicht einmal seine liebe Omi um Rat.“

Bevor man wirklich Hand an seine Jeans oder der Denim-Jacke anlegt, welche Tools sollte man zur Hand haben?

„Geduld und Waghalsigkeit. Ganz ehrlich, viele Leute trauen sich nicht einmal, die Ärmel ihrer Jacke abzuschneiden, deswegen brauche ich auch nicht unnützer Weise zu einer Schere als bestes Tool zu raten. Zu allererst braucht man den Mut, sich überhaupt an seinem Denim-Piece zu vergreifen. Ich denke da gar nicht groß drüber nach, während andere sich schon fragen, ob ein Löchlein zu viel an der Hose wäre. Entweder man hat den Mut, die Lust und die Muse dazu oder nicht. Will man es wirklich, wären eine Schere, Schleifpapier, Textilfarben, ein schöner Stoff, Nadel und Faden nicht schlecht.

Ganz wichtig ist auch, dass sich die Leute damit abfinden, dass ihr Ergebnis ein anderes als das auf dem Foto von der Lieblingsbloggerin sein könnte. Deswegen heißt es ‚Customizen‘, man möchte etwas Persönliches schaffen.“

Kann man zu viel customizen?

„Wenn man sein re-designtes Stück mit Selbstbewusstsein trägt, ist gar nichts zu viel. Mir sind beim Ausprobieren schon so viele Sachen missraten, die ich letztendlich als besonders charmant und passend empfand und eben genau das meinen Stil ausmacht. Customizing ist teilweise auch Zufall. Man kann oft nicht wissen, wie genau die Farbe jetzt aus der Flasche sprüht oder das Material auf dieser Stelle auf den Druck mit dem Schleifpapier reagiert. Sowas nennt man Kreativität! Und Kreativität setzt die Offenheit für jeden Zufall voraus. Man muss für jede Schandtat offen sein.“

Also gibt es deiner Meinung nach nichts, was man nicht probieren kann?

„Ich denke, man muss einmal Blut geleckt haben. Möchte man seine Jeans beispielsweise mit Chlorex bleichen, muss man auch davon ausgehen, dass das Ergebnis ganz schnell anders aussehen kann, als erwartet. Es kann aber natürlich auch direkt gelingen und super aussehen. Das Bleichen ist nun ein extremes Beispiel, soll allerdings verdeutlichen, dass man sich nur einmal für diese Veränderungen öffnen muss. Vielleicht probiert man solche Sachen auch erst einmal an einer älteren Jeans und nicht der neusten Levi’s aus, um zu sehen, wie das Material genau reagiert.“

Gibt es etwas, was du besonders gern machst, wenn es ums Personalisieren von Klamotten geht?

„Ich liebe Stickereien. Das bin ich, meine Stickereien beschreiben mich.“

Kannst du bestimmte Customizing-Trends ausmachen – sind Initialen oder Löcher 2015 cool?

„Abschneiden geht immer, sowohl bei Jeanshosen als auch bei Jeansjacken. Wurden die Enden zuletzt immer umgekrempelt, wird es nun wieder unsauberer. Der rockige Look ist definitiv etwas, was jetzt wieder richtig im Kommen ist. Alle wollen ihre Denims schleifen und ausfransen.“

Gibt es etwas, was nicht zeitweilig ist – eine bestimmte Personalisierung, die auch in ein paar Jahren noch gut ankommt?

„Die Zeiten, in denen wirklich etwas aus der Mode kommt, sind denke ich vorbei. Und selbstgemachte Sachen haben für den, der sie geschaffen hat, sowieso einen ganz anderen Wert. Sie werden nicht uncool, sind nicht von Modetrends abhängig und schlichtweg zeitlos. Aber auch das zu personalisierende Stück ist entscheidend. Nehmen wir beispielsweise Levi’s und deren erste Jeans, die 501: Levi’s ist mittlerweile 140 Jahre alt und die 501 vergeht einfach nicht. Auf Klassiker kann man also immer setzen, im High-Fashion-Segment genauso wie im Alltag. Durch das Customizen gibst du dem schlichten Stück eine Seele, etwas Besseres gibt es nicht.“

Sehen Sie in unserer Fotoshow, wie wir unsere Jeansjacke mit Paula Kunkel im Levi’s Customizing Lab personalisiert haben.

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