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Fashion News: John Galliano für Maison Martin Margiela

am 07.10.2014 um 16:44 Uhr

Es ist das Comeback des Enfant Terribles und verlorenen Sohnes der Designer-Liga: John Galliano ist zurück! Der sicherlich brillante aber auch polarisierende Modemacher wird die Position als Creative Director bei Maison Martin Margiela antreten. Die Fashionwelt reagierte mit heller Aufregung, Erstaunen und geteilten Meinungen. Eins hat Maison Martin Margiela damit sicherlich erreicht: Sie sind in aller Munde. Erfahren Sie hier und in unserer Bildergalerie alle News zum spannendsten Designer-Comeback des Jahres.

Die internationalen Modewochen Spring/Summer 2015 waren dieses Jahr wirklich aufregend und ereignisreich: Die Defilees waren gespickt mit finalen Kollektionen sowie heiß erwarteten Debüts. J.W. Anderson zeigte nach einer kleinen Resort-Kollektion seine erste Linie für den spanischen Lederspezialisten Loewe und David Koma trat nach der Abkehr von Nichola Formichetti bei Mugler in große Fußstapfen – beide überzeugten auf ganzer Linie. Julie de Libran debütierte derweil bei Sonia Rykiel und Rodolfo Paglialunga bei Jil Sander – Letzterer musste auch scharfe Kritik einstecken. Abschiede gab es sehr laute, pompöse wie bei Jean Paul Gaultier und leise, fast unbemerkte, wie bei Hermès. Dort zeigte Christophe Lemaire seine letzte Kollektion für das Traditionshaus. Nadège Vanhee-Cybulski verlässt unterdessen die Designer-Pole Position bei The Row und Guillaume Henry verabschiedet sich von Carven. Soweit eine Zusammenfassung der aktuellen Designerwechsel. Doch keine Nachricht schlug so ein, wie die Neubesetzung bei Maison Martin Margiela: Kein Wunder, ist Galliano doch bis heute eine ziemlich umstrittene Figur in der Modeszene.

Bestätigt: John Galliano wird neuer Kreativdirektor bei M.M.M.

Das Modehaus Maison Martin Margiela gehört zur OTB-Gruppe, der zum Beispiel auch Marni, Vivienne Westwood oder Just Cavalli angehören. Präsident des großen Konzerns ist Renzo Ross, dieser verkündete während der offiziellen Stellungnahme nahezu euphorisch: „Margiela ist bereit für eine neue charismatische, kreative Seele. John Galliano ist unbestritten eines der großartigsten Talente aller Zeiten. Ein einzigartiger, außergewöhnlicher Couturier für ein Haus, das die Modewelt stets erneuerte und herausforderte. Ich freue mich auf seine Rückkehr, um einen Modetraum zu schaffen, den nur er zu kreieren vermag, und wünsche mir, dass er hier seine neue Heimat findet.”

Interessant ist, dass bei Maison Martin Margiela immer das gesamte Team im Vordergrund stand und niemals eine einzelne Person in den Mittelpunkt gerückt wurde. Vom Gründer Martin Margiela existieren keine aktuellen Fotos oder Interviews, nach einer Show zeigt sich stets das gesamte Team in weißen Arztkitteln, niemals jedoch der Creative Designer. An diesem speziellen Konzept wurde auch nach Margielas Fortgang im Jahre 2009 festgehalten, es war die stringente Linie des Modehauses. Nun brodelt die Gerüchteküche, dass Gallianos Einstellung als Creative Director eine Reaktion auf die Enthüllungen von Modejournalistin Suzy Menkes sein soll, die im August 2014 via Instagram Matthieu Blazy als Chef-Designer der Couture-Kollektion geoutet und ‚entlarvt‘ hatte.

Die Akte Galliano

Es war vielleicht tatsächlich der glorreichste Aufstieg und tiefste Fall eines Modedesigners. Von 1996 bis 2011 arbeitete Galliano als kreativer Kopf für das Haus Dior und wurde gefeiert für seine opulenten Couture-Roben, er war es auch, der maßgeblich für die Renaissance des Labels verantwortlich war. Im Jahr 2011 löste er dann mit antisemitischen Äußerungen einen Skandal aus und wurde von seinem Posten als Creative Director bei Dior und seinem eigenen Label enthoben. Das berühmte Video, in dem Galliano „I love Hitler!“ sowie andere rassistische Äußerungen ausruft, ist um die Welt gegangen. Es folgte eine Hetzjagd, ein Prozess mit hohem Bußgeld und eine Entziehungskur: Der Designer habe über Jahre hinweg mit Drogen, Alkoholexzessen, Schlaftabletten und chronischer Überarbeitung zu kämpfen gehabt, hieß es. Ein Tiefschlag folgte auf den nächsten, das große Comeback blieb bisher aus. Oscar De La Renta distanzierte sich sogar von einer Zusammenarbeit mit Galliano aus dem letzten Jahr. Im exklusiven Gespräch mit der Us-amerikanischen Vanity Fair, dem einzigen Interview, das der Designer überhaupt gab, erklärte Galliano, dass er vor allem eines sei: Missverstanden und auf gar keinen Fall ein Antisemit. „Es ist das Schlimmste, was ich in meinem Leben gesagt habe. Aber ich habe es nicht so gemeint… Ich habe versucht, herauszufinden, warum sich mein Ärger so sehr gegen diese Gruppe richtete. Nun realisiere ich, dass ich sehr, sehr wütend und unzufrieden mit mir selber war, so dass ich das Gehässigste gesagt habe, was ich mir vorstellen konnte”, vertraute er der Journalistin Ingrid Sischy an und schien es sogar ernst zu meinen.

Skandal hin oder her, das Management von Maison Martin Margiela wird negative sowie positive Reaktionen auf diese News erwartet haben, sich nun zurücklehnen und bewusst zuschauen, wie sich die Lager in Pro und Contra spalten. In jedem Fall ist es für Galliano selbst die Chance auf eine neue Ära und ein fulminantes Comeback. Wir zumindest hoffen, dass das Modegenie seine zweite Chance nutzt.

Impressionen und Fotos zu Gallianos Leben finden Sie hier in unserer Bildergalerie.

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