Im Interview

Style-Interview: GNTM-Stylistin Julia Freitag über Mode, Stil, Trends und ihr Erfolgsleben

am 11.05.2015 um 16:54 Uhr

Julia Freitag ist eine Frau hinter der Kamera, eine, die die Fäden backstage beisammenhält und für den Wow-Effekt einer Fashion-Show sorgt. Julia Freitag ist Stylistin. Sie ist eine der Personen, die hinter den Trend-Looks der Designer und Magazin-Cover stecken und selbst doch nicht zu sehen sind. Aktuell ist die Stylistin neben ihrem Daily-Business als Fashion Consultant und Gründerin eines Onlinemagazins sogar für die Livewalk-Looks der zehnten Staffel von „Germany’s next Topmodel“ verantwortlich. Wir haben der Frau, deren Leben sich 24/7 um Mode, Trends und Stylings dreht, im desired.de-Interview ein paar Profi-Weisheiten und Tipps entlockt, die wir Ihnen nicht vorenthalten möchten.

Julia Freitag wurde nicht in die Welt der Reichen und Schönen geboren, sie ist keine, die ihren Erfolg dank anderer feiert. Nachdem sie ihr Modedesign-Studium inklusive mehrerer Auslandsaufenthalte in bekannten Fashionmetropolen absolviert hatte, war der ausgebildeten Designerin ihr Modehorizont noch nicht umfassend genug. Sie baute ihr Know-how durch die Arbeit als Journalistin sowie Stylistin aus und entwickelte sich so zu einem absolut angesehenen Profi der Branche, der mit Fotografen wie Bryan Adams oder Mario Testino kooperierte. Seit 1996 ist Freitag stetig in der Modeindustrie tätig, vor allem aber bei namhaften Hochglanzmagazinen. Seit 2009 hat sie als freie Stylistin Fuß gefasst und mit styleproofed.com ihr eigenes Magazin etabliert, entwickelt Konzepte für internationale Labels, sorgt für das Styling von Celebrities und schult sogar Persönlichkeiten der Modebranche. Aber lesen Sie selbst …

Seit 1996 arbeiten Sie bereits in der Modebranche. Was macht den Reiz an diesem Job für Sie aus?

„Auch während meiner Zeit als Moderedakteurin und Fashion Director bei Magazinen habe ich die Tätigkeit des Stylings ausgeführt. Das bleibt bei der Produktion von Fotostrecken gar nicht aus. Vor allem, wenn ich in der Verantwortung für das Ergebnis stehe, lasse ich mir diesen Part natürlich nicht nehmen. Außerdem ist das Styling mit einer der interessantesten Prozesse während eines Shootings. Man nimmt verschiedenste Stücke für unterschiedliche Menschen und schafft etwas temporär Einzigartiges, Neues.“

Was bedeuten die Begriffe „Mode“ und „Stil“ für Sie?

„Mode und Trends sind wechselnde Phänomene, welche mal mehr und mal weniger gelungen daherkommen und leider immer inflationärer ausgeschlachtet werden. Stil, besonders guter Stil, bleibt, egal mit welcher Modeerscheinung.“

Auf was kommt es für Sie bei einem guten Styling an? Gibt es Grundregeln, die Sie immer beachten oder gilt hier eher „nichts ist unmöglich“? Darauf aufbauend: Gibt es für Sie einen ultimativen Styling-Fauxpas?

„Also grundsätzlich gilt für mich: NICHTS IST UNMÖGLICH! Styling – und auch Stil – entwickeln sich immer weiter. Nichts bleibt stehen. Heute funktionieren zum Beispiel Look-Kombinationen wie Socken in Sandalen, die früher als unmöglich galten. Nur eines sollte man immer beachten: Mode ist oft unfair – was der eine tragen kann, kann der oder die eine noch lange nicht tragen. Und das ist unabhängig von Figur, Alter oder Geschlecht zu sehen. Beim Styling und gutem Style ist die zur Persönlichkeit und dem Anlass passende Mode entscheidend. Stilverständnis basiert nämlich nicht auf alten Hausfrauenregeln, wie nie braune Schuhe zum schwarzen Anzug zu tragen.“

Für diese Saison gibt es viele Trends, von coolen Seventies-Pieces wie Schlaghosen und Plateauschuhen über romantische Spitze und Blumenprints bis hin zum Utility-Style. Wie wichtig sind solche Trends für das eigene Styling?

„Sie sind, so blöd es klingt, das Salz in der Suppe. Kleine, feine, besondere Einzelstücke aus dem Secondhandshop oder vom Flohmarkt machen den individuellen Look am Ende aus. Ich persönlich lasse mich gerne von Trends inspirieren, sehe sie aber nicht als Modediktat. Trotz Retro und Flower Power sind bei mir gerade beispielsweise diverse Spielarten von schwarzen Blazern in neuen Kombinationen hoch im Kurs.“

Fließt der eigene Geschmack beim Styling von anderen Personen mit ein oder sollte man dies in Ihrem Job strikt trennen?

„Generell ist es in meinem Job wichtig, nicht von sich auf andere zu schließen. Denn nicht jeder, der sich gut anzieht und einen eigenen Stil entwickelt hat, ist auch ein guter Stylist. Natürlich fließt der eigene Geschmack aber immer unbewusst mit ein. Entscheidend für das Styling anderer Personen ist neben viel Erfahrung mit Mode und guter Menschenkenntnis natürlich das Wissen um die kulturelle Herkunft und Bedeutung von Mode.“

Gibt es eine prominente Person mit der Sie besonders gern zusammengearbeitet haben, an deren Styling Sie gern zurückdenken?

„Das ist schwer zu sagen. Allerdings arbeite ich immer wieder gerne mit Wolfgang Joop zusammen und das speziell, wenn es um die Inszenierung seiner fantasievollen ‚Wunderkind‘-Mode geht. Ansonsten sind mir mittlerweile echte Menschen und Schauspieler oft lieber als Models.“

Bei „Germany’s next Topmodel“ sind Sie derzeit regelmäßig als Stylistin für die Livewalk-Looks der Teilnehmerinnen zuständig. Wie unterscheidet sich die Arbeit mit den Kandidatinnen von denen ihrer „normalen“ Tätigkeit? Worin liegt hier wiederum der Reiz?

„Die Arbeit für ‚Germany’s next Topmodel‘ ist für mich insofern sehr reizvoll, da ich aktuelle Trends und angesagte Mode in eine gewisse Dramaturgie einbette. Die Jahre vorher war bei den Topmodels eine Kostümbildnerin für die Looks zuständig, jetzt sehe ich es als meine Aufgabe an, den Zuschauern zu zeigen, dass Styling eine ganz wesentliche Rolle spielt. Denn auch bei ausgefallenen Looks kann man sich immer mit ein paar Handgriffen eine nette, kleine Idee für den eigenen Kleiderschrank abschauen. Wer möchte, kann das gerne anhand meiner Style-Knigge-Videos auf styleproofed.com verfolgen.

Mein Styling für ‚Germany’s next Topmodel‘ soll alle Beteiligten motivieren, auch mal extremere Looks umzusetzen oder zumindest offen für neue Style-Ideen zu sein. Zum Beispiel einfach einmal flache Skaterschuhe zum Cocktailkleid zu tragen.“

Welches Styling-Thema aus den vergangenen Sendungen war Ihr persönlicher Favorit?

„Definitiv war mein liebster Walk das Best of des indischen Designers Manish Arora. Da hat einfach alles gepasst: Die Farben, die Stimmung, das Make-up. Bollywood trifft auf Streetstyle, war da mein Style-Ansatz. Und der Walk war ganz großes Kino.“

Was erwartet uns Styling-technisch in den Liveshows? Wie werden Sie hier zum Einsatz kommen?

„Das ist und bleibt noch ein Geheimnis. Aber als kleiner Tipp vorweg: Das Halbfinale wird mystisch maskulin und das Finale kreativ kunterbunt.“

Und natürlich, last but not least: Welche von den aktuellen Teilnehmerinnen bei „Germany’s next Topmodel“ ist in diesem Jahr Ihre persönliche Titel-Favoritin?

„Meine persönlichen Favoritinnen sind leider schon ausgeschieden, daher lass ich mich einfach mal überraschen, wer den Titel bekommt …“

Wir danken Julia Freitag für dieses Interview und freuen uns auf weitere modische Meisterleistungen der Stylistin, Beraterin und Journalistin.

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