Beauty Trend

Beauty-Kontroverse: Ist Krokodil-Öl das neue Kokosöl?

am 27.10.2015 um 17:29 Uhr

Wenn Sie an Krokodile denken, was kommt Ihnen in den Sinn? Paul Hogan, die schuppige, dunkle Haut der Raubtiere oder Floridas Sümpfe? Höchstens vielleicht noch das umstrittene Krokodilleder. Mit Sicherheit aber nicht dieser allerneuste, kontrovers diskutierte Beauty-Trend, der eine Lösung für all unsere Hautprobleme wie Trockenheit, Unreinheiten und sogar Falten sein soll. Anti-Aging dank tierischem Öl? Ist das schon ein Schritt zu weit, oder doch noch vertretbar? Erfahren Sie alles zum neuen, skurrilen Beauty-Mittel hier und in unserer Bildergalerie .

Kroko statt Koko? Ist das ein neuer, schlechter Scherz der Beauty-Industrie? Mitnichten, die Schlagzeile ist echt. Aber ist sie auch moralisch vertretbar? Laut dem US-Magazin „The Telegraph“ wird das Öl, also das Fettder Tiere in Südafrika und Mexiko schon seit Jahrhunderten für diverse Hautprobleme wie Schuppenflechte oder Neurodermitis verwendet. Das Öl ist also gar keine ‚Neuheit‘, sondern schon lange bekannt für seine hautglättenden, pflegenden Eigenschaften.

Anti-Aging der Extraklasse?

Tatsächlich ist das Krokodil-Fett extrem reich an Vitamin E und A, der regenerierenden Linolsäure, dem antiseptischen Terpen und den essentiellen Fettsäuren Omega-3 und -9. Der Zusatz ‚Beauty-Wunder‘ ist also tatsächlich gerechtfertigt. Initiator des Krokodil-Öl-Trends ist das südafrikanische Label Repcillin: Die Marke bietet eine sehr große Palette an Krokodil-Öl-Produkten an und verwendet das Fett in Shampoos, Cremes, Seren, Lipbalms und sogar Handseifen.

Repcillins Beauty-Linie spaltet im Internet jedoch gerade die Gemüter: Ja, die Produkte sind alle von der „Soil Association“ als ‚organic‘ eingestuft und sogar vom „South African Bureau of Standards“ auf Qualität und Humanität getestet worden. Trotzdem wird die Frage nach der Ethik solcher Beauty-Mittel immer lauter: Ist es in Ordnung, sich das Fett toter Krokodile auf das Gesicht zu schmieren?

Eine Gewissensfrage: Ethik vs. Beauty?

Helen Lebedeva, Repcillins Pressesprecherin, stellte sich kürzlich den Fragen des Telegraph-Magazins und statierte, dass Krokodil-Fett ein tierisches Nebenerzeugnis sei, das bis kürzlich einfach gedankenlos weggeworfen wurde. „Die Krokodilfarm, von der wir unser Fett beziehen, züchtet jedes Jahr Tausende Krokodile, um das Fleisch an Restaurants in ganz Afrika und Europa zu liefern,“ erklärte sie und wollte wohl darauf hinaus, dass das Fett der Tiere anstatt sinnlos in die Mülltonne zu wandern, eben nun für Beauty-Produkte genutzt würde.

Dann sprach sie weiter: „Die Haut der Krokodile wird für diverse lokale Accessoires-Produktionen genutzt sowie weltweit an große Modehäuser in ganz Europa weiterverkauft. Der Begriff ‘Krokodilfarm‘ bezeichnet also eine Einrichtung, die Krokodile zwar für kommerzielle Zwecke züchtet, aber sich an die strengen Regularien der CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora) hält.“

Das Statement der PETA-Pressesprecherin zum neuen Beauty-Trend klingt natürlich nicht ganz so begeistert: „Die CITES-Regularien sorgen nur dafür, dass bedrohte Tierarten nicht aussterben – sie regulieren NICHT die entsetzlichen Vorgänge, bei denen Tiere eingesperrt und getötet werden. (…) Das einzige, was wir tun können, um zu verhindern, dass unsere Beauty-Routine nicht auch einen Beitrag zu dieser grausamen Industrie leistet, ist, wenn wir es unterlassen, diese tierischen Produkte wie Krokodil-Öl zu kaufen.“

Was ist nun das Fazit? Do or Don’t? Diese Entscheidung muss wohl jeder für sich selbst treffen: Genauso wie die Frage, ob man Fleisch isst oder Leder trägt, ist das ein individueller, persönlicher Lebensentwurf. Auf der einen Seite ist das Produkt an sich natürlich traditionsreich und nicht erst – wie propagiert – seit kurzem ein Beautymittel. Wenn aber aus einem lokalen Hautpflege-Produkt ein globaler Trend wird, dann kommt die Geldmaschinerie natürlich schneller in Gang als man A sagen kann. Und überhaupt: Wieso kann man der Debatte nicht entgehen und auf ebenso pflegende, pflanzliche Alternativen wie Kokos-, Granatapfel-, Mandel- oder Olivenöl zurückgreifen?

Unsere Botschaft: Machen Sie Ihre Hausaufgaben und informieren Sie sich immer über Ihr Beauty-Produkt. Und im Zweifelsfall? Immer für den Leidtragenden.

Impressionen zu dem Thema „Krokodil-Öl“ und einige der umstrittenen Produkte, finden Sie hier in unserer Bildergalerie.

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