„Lovelace“ – eine Frau zwischen Pornographie und Feminismus

am 24.12.2012 um 13:17 Uhr

Mit dem Hardcore-Pornoklassiker „Deep Throat“ ging Linda Lovelace in die Filmgeschichte ein. Das neue Biopic erzählt nun das Leben der amerikanischen Schauspielerin – vom internationalen Pornostar zur Anti-Pornographie-Aktivistin.

Kastanienfarbiges Haar, rehbraune Augen, wohl-geformte Wangenknochen und Schönheitsideal der siebziger Jahre: 1949 als Linda Susan Boreman geboren, schrieb die New Yorkerin unter ihrem Künstlernamen Linda Lovelace internationale Pornographie-Geschichte. Der Blick auf ihre Biografie offenbart schnell, dass diese Frau ein wildes sowie tragisches Leben führte: Als Kind eines vermeintlich alkoholkranken Polizisten und einer dominanten Mutter, die das Neugeborene der damals Neunzehnjährigen unfreiwillig zur Adoption freigab, flüchtete die junge Frau in die Arme des Kneipenbesitzers und angeblichen Mafia-Mitglieds Chuck Traynor. Von seinem überheblichen Auftreten beeindruckt zog sie zügig bei dem pornographie-affinen Mann ein, ehelichte ihn kurz darauf und geriet ebenso schnell in die Fänge seines Milieus.

Karriere á la Lovelace

Unter Führung ihres Ehemanns begann Linda schon in jungen Jahren in sogenannten „Loops“ für Peep Shows mitzuwirken – bis zu fünf Minuten dauernde, stumme Kurzfilme, deren Inhalt ausschließlich auf die Zurschaustellung von Geschlechtsverkehr reduziert ist. 1972 gelang ihr dann der sensationelle Durchbruch mit dem Hardcore-Pornofilm „Deep Throat“, dem wohl erfolgreichsten Pornofilm aller Zeiten. Die Low-Budget-Produktion spielte über 600.000 US-Dollar ein und machte den Namen Lovelace über Nacht berühmt – selbst die New York Times widmete der Schauspielerin einen umfangreichen Artikel. Nach diesem Triumph spielte Lovelace ausschließlich in Softpornos verschiedene hetero- als auch homosexuelle Rollen und ließ sich in Magazinen,wie dem Playboy und Esquire lasziv ablichten. Ein weiterer, großer Erfolg blieb jedoch aus. Zudem kursierten zahlreiche Drogengerüchte in der Pornographie-Branche und verbannten Lovelace nach und nach von sämtlichen Filmsets.

Vom Pornostar zur Anti-Pornographie-Aktivistin

Einige Jahre nach der Scheidung von Ehemann Chuck Traynor beendete Linda Lovelace vorerst ihre Karriere als Pornostar und packte schließlich aus: Ihren Angaben zur Folge zwang dieser sie unter Waffengewalt zur Hochzeit und drängte sie dazu, ins Pornographie-Geschäft einzusteigen. Er hätte die gesamte Regie in ihrem Leben übernommen. 1980 verfasste Lovelace ihre dritte Autographie „Ordeal“ und erklärt ihre Existenz unter ihrem ersten Ehemann – der sowohl als ihr Manager als auch Produzent agierte – sei von Gewalt, Angst und Prostitution geprägt gewesen. In öffentlichen Vorträgen gegen die Pornoindustrie klagte Lovelace, dass sie unter Drogeneinfluss zum Geschlechtsverkehr vor laufender Kamera gezwungen worden sei und klassifiziert jede Filmszene als Vergewaltigung. Mit Unterstützung prominenter Feministinnen kritisiert die nun engagierte Aktivistin in zahlreichen Vorträgen an renommierten Universitäten offensiv die heftigen Ausbeutungspraktiken der Pornoindustrie. Linda Lovelaces Glaubwürdigkeit wurde allerdings in den neunziger Jahren erheblicher Schaden zugefügt, als aktuelle Softpornos der Mit-Fünfzigjährigen kursierten. Im selben Jahrzehnt wurde ihre zweite Ehe mit Larry Marchiano, aus der zwei Kinder entstanden, nach 22 Ehejahren geschieden. Die ganze Wahrheit über ihr Leben nahm Linda Boreman im Jahr 2002, nach einem schweren Autounfall, mit ins Grab.

Eine Leben auf der Kinoleinwand

Es ist nicht schwer nachzuvollziehen, dass solch ein Leben auf der zeitgenössischen Kinoleinwand gefragt ist. In Zeiten einer Post-„Sex-and-the-City“-Ära, in der Romane, wie „Fifty Shades of Grey“ sämtliche Besteller-Listen im Sturm erobern, verspricht die Symbiose von künstlerischem Medium und Pornographie interessante Perspektiven bei anspruchsvoller und unterhaltender Umsetzung. Die Verfilmung liegt in den Händen der Regisseure Rob Epstein und Jeffrey Friedman, basierend auf dem Buch „The Complete Linda Lovelace“ (2001) von Eric Danville. Die hochkarätige Besetzung ist bereits vielversprechend: Die ausdrucksstarke, 26-jährige Amanda Seyfried („Red Riding Hood“, „Chloe“, „Mamma Mia“) spielt die Hauptrolle in diesem in Flashbacks konstruierten Porno-Biopic, um gemeinsam mit Sharon Stone, Peter Sarsgaard, Adam Brody, Eric Roberts und James Franco die Geschichte der Erotik-Legende in der Lebensphase von 20 bis 32 wiederzuerzählen. Wir freuen uns jetzt schon auf den Kinostart 2013!

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