Literatur

Transatlantische Verwicklungen: “Mein deutscher Bruder”

am 26.04.2016 um 15:55 Uhr

Frankfurt (dpa) – Der Sänger, Komponist und Schriftsteller Chico Buarque (71) ist einer der berühmtesten Künstler Brasiliens. Bis vor kurzem hat er nicht gewusst, dass er einen Halbbruder in der DDR hatte: Sérgio Günther (1930-1981), der im Arbeiter-und-Bauern-Staat ebenfalls als Sänger bekannt wurde.

In dem Roman “Mein deutscher Bruder” erzählt Buarque, wie er über Jahrzehnte hinweg ein Familiengeheimnis enthüllte: dass sein Vater, der renommierte Historiker und Journalist Sérgio Buarque de Hollanda (1902-1982), während seines Deutschlandaufenthalts nicht nur Thomas Mann interviewte, sondern auch eine junge Berlinerin schwängerte.

Erst 2013 gelingt es Buarque, die Identität des Erstgeborenen posthum zu klären. In einer Mischung aus Realität und Fiktion führt der Roman zugleich in die Jugendjahre Buarques in São Paulo, in die Welt der 15 000 Bücher der väterlichen Bibliothek und der sexuellen Abenteuer und Fantasien des Autors – letzteres leider oft in einer aus seinen schönen Liedtexten nicht gekannten Vulgarität.

– Chico Buarque: Mein deutscher Bruder, S. Fischer Verlage, Frankfurt am Main, 256 Seiten, 19,99 Euro, ISBN 978-3-10-002460-2.

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