“Lone Ranger”: Armie Hammer & Johnny Depp spielen Cowboy und Indianer

am 20.07.2013 um 13:28 Uhr

Falls Sie jetzt die Melodie eines fragwürdigen Party-Krachers im Ohr haben, bitten wir Sie, diese schnell wieder zu vergessen, denn hier geht es um das ganz große Hollywood-Kino und um Johnny Depp in seiner Paraderolle als humorvoller und alle um den Finger wickelnder Held. „Lone Ranger“ heißt der neueste Geniestreich, mit dem sich der Frauenschwarm in unsere Herzen spielen will. Vor Kurzem feierte der Film in Berlin große Deutschlandpremiere. Vorab plauschten Darsteller Johnny Depp, Armie Hammer und Ruth Wilson, sowie die Produzenten Gore Verbinski und Jerry Bruckheimer in einer standesgemäßen Pressekonferenz ein wenig aus dem Dreharbeiten-Nähkästchen und desired.de war für Sie dabei.

Die Legende vom „Lone Ranger“ und dem Indianer Tonto erfreut sich in den USA seit Mitte der 1930er Jahre größter Beliebtheit und Faszination. Nach Hörspielen und zwei Filmen ist nun jedoch der Tag gekommen, an dem Lone Ranger und Tonto dank Armie Hammer, den viele von Ihnen sicher aus „The Social Network“ kennen, und Johnny Depp ihren Siegeszug durch die großen Kinosäle dieser Welt antreten.

Die Spannung im Palaissaal des Berliner Hotels Adlon stieg ins Unermessliche und nach einer kleinen Wartezeit betraten Gore Verbinski, Ruth Wilson, Armie Hammer, Johnny Depp und Jerry Bruckheimer endlich den mit Journalisten vollgepackten Raum. Gut gelaunt und mit einer Menge Humor beantworteten Sie geduldig Frage um Frage.

„Es ist Leidenschaft! Etwas, das mir sehr am Herzen liegt!“

Ohne den Inhalt dieses modernen Westerns zu intensiv zu beleuchten und somit zu viel zu verraten, ist das zentrale Motiv klar: Neben dem ganzen Spaß und der Action widmet sich „Lone Ranger“ der noch immer vorherrschenden Problematik der Vertreibung und Zurückdrängung der „Native Americans“, der Indianer. Ein Thema, das besonders Johnny Depp sehr wichtig ist, fließt durch ihn immerhin auch indianisches Blut: „Der Grund, warum ich unbedingt Tonto spielen wollte, war der, dass ich darin eine große Chance sah, wenigstens in kleinem Rahmen ein paar Fehler wieder gut zu machen, die gegen die Indianer in Nordamerika begangen wurden. Fehler, die auf eine andere Art und Weise heute immer noch begangen werden. Auf mein indianisches Blut war ich schon immer stolz, doch leider tendiert Geschichte dazu, vergessen zu werden, vor allem, weil Geschichte immer nur von den Gewinnern geschrieben wird.“

„Wir holen euch wieder ab, wenn ihr richtige Cowboys seid!“

Es ist nun mal so, wie es ist: Zu einem richtigen Western gehören nicht nur Cowboys und Indianer, sondern auch Cowboys, die reiten, schießen und das Lasso schwingen können. Während Johnny Depp damit beschäftigt war, seine Beziehung zu einem toten Vogel aufzubauen – Sie werden schon noch herausfinden, was hiermit gemeint ist – hieß es für den Rest der Crew: Ab ins Cowboy-Boot-Camp.

So erzählte uns Armie Hammer, der den „Lone Ranger“ spielt: „Also ich saß zum Glück schon einmal auf einem Pferd und hatte wenigstens ein bisschen Reiterfahrung, bevor es mit diesem Projekt losging. Super war allerdings, dass dazu bisher nicht gehörte, auf dem Dach eines fahrenden Zuges oder auf einem Gebäude zu reiten, aber nun gut. Das Cowboy-Camp war aber super. Obwohl sich die richtigen Cowboys natürlich am Anfang ein wenig über uns lustig machten. Doch dann machten sie auch uns zu Cowboys, brachten uns bei, richtig zu reiten, das Lasso zu werfen und zu schwingen, zu schießen und viele andere Fertigkeiten – ich kann allerdings noch immer kein Pferd im öffentlichen Verkehr reiten.“

Natürlich war aber auch Johnny Depp nicht von wilden Ritten befreit. Das Video, das zeigt, wie es ihn bei Dreharbeiten vom Pferd reißt, ging vorab schon um die Welt: „Es gibt ein großes Problem beim Reiten“, so Johnny Deopp. „Runterfallen! Im Sattel bleiben ist toll – langsam, schnell – alles super, aber Pferde sind sehr ungestüm und schlaue Biester. Wenn die beschließen, zu springen, man draufsitzt und es geht an die Landung und dabei der Sattel nach links rutscht, tendiert dieser dazu, dich mitzureißen und schon befindest du dich an der Seite des Pferdes. Bei einer hohen Geschwindigkeit. Und dann überlegst du dir: ‚Bevor es mich umbringt, weil mein Kopf gegen einen Felsen knallt, lass ich lieber los.‘ Das war schon eine interessante Erfahrung. In meinem Kopf fehlt nun ein Stück vom Gehirn, aber die sagen, es wächst wieder nach.“

„Es kommt alles aus meinem unglückseligen Kopf!“

Johnny Depp als Tonto mit langer, schwarzer Mähne, angemalt und mit freiem Oberkörper – da kommt bei vielen sofort der Vergleich zu Jack Sparrow auf. Doch Parallelen sollte man hier bitte nicht suchen, so Regisseur Gore Verbinski, der auch schon bei „Fluch der Karibik“ Regie führte: „Ich persönlich denke, sie [Jack Sparrow und Tonto, Anm.d.Red.] könnten nicht unterschiedlicher sein. Psychologisch gesprochen, ist Jack das Ego und Tonto das Es. Bei Jack geht es immer nur um Eigenwerbung. Tonto hingegen ist ein Mann der wenigen Worte, der eine tiefe Verbindung zur Erde hat.“

Johnny Depp erklärt diese Verbindung so: „Beide Figuren entspringen nun mal meinem unglückseligen Kopf. Wenn also jemand in Tonto etwas von Jack Sparrow sieht, sieht er mich. Alle Charaktere entspringen aus mir und ihre Wahrheit kommt von mir. Auch ich denke also nicht, dass es eine Verbindung zwischen Jack und Tonto gibt. Tonto ist mehr eine One-Man-Band und Jack braucht andere um sich rum, die er manipulieren kann. Er ist eigentlich kein guter Kerl. Tonto hingegen ist ganz okay.“

„Es gibt nur eine Kritik, die mich interessiert!“

In den USA wurde „Lone Ranger“ bisher nicht wirklich gut angenommen. Es hagelte nahezu schlechte Kritiken, was mitunter auch an der noch immer nicht ganz verarbeiteten Vergangenheit liegen mag. Doch Johnny Depp ist diese Kritik egal: „Ganz ehrlich? Es geht mir am Hintern vorbei, was amerikanische Journalisten zu kritisieren haben. Die einzige Meinung, die mich interessiert, ist die meiner Kinder und die haben den Film geliebt. Sie haben die Geschichte genossen und nach kürzester Zeit bereits vergessen, dass das ihr Dad ist, weil sie dem Lauf der Geschichte einfach gefolgt sind. Fazit: Ich ziehe die Meinung meiner Kinder die der amerikanischen Journalisten vor.“

„Ich brauche einen Affen!“

Natürlich darf bei der Gelegenheit der Spaß nicht zu kurz kommen. Schließlich hatte man während der monatelangen Dreharbeiten einiges erlebt. Doch bevor es darum geht, wollte man natürlich erst einmal Johnny Depps Deutschkenntnisse testen, was zu einem erstaunlichen Ergebnis führte: „’Mein Vater ist ein Stierkämpfer’. ‘Ich bin eine Wassermelone’. ‘Ich bin voll mit Wanzenbissen’. ‘Ich brauche einen Affen’ – Ja, da müssen Sie erst einmal drüber wegkommen, richtig? Wenn jemand sagt, dass er einen Affen braucht, dann braucht er ihn wirklich. Ich mag es einfach, verschiedene Sachen zu lernen und ‚Hallo‘ gehört nicht gerade zu meinen Favoriten.“

Etwas, was nicht zu den Favoriten der Wüstenskorpione gehörte, war scheinbar Johnny Depps Mund – na da würden aber einige Damen widersprechen: „Ich habe mal versucht, mir einen Skorpion in den Mund zu stecken, aber er wollte da einfach nicht rein. Vielleicht mochte er den Zigarettengeruch nicht. Aber ich bin mir nicht sicher. Er hat nichts gesagt.“

„Sand an Stellen, an denen man keinen Sand haben möchte!“

So zumindest die Erinnerungen von Regisseur Gore Verbinski. Das Problem, wenn man einen Western dreht, ist nämlich, dass diese meistens mitten in der Wüste spielen und die Witterungsverhältnisse bekanntermaßen nicht gerade die vorhersehbarsten sind. So war die Crew einen ganzen Tag gefangen, weil ein Sturm Sand, Heu und Steine zu matschigen Wurfgeschossen formte und auch Armie Hammer erinnerte sich noch zu gut an die harte Zeit: „Am Anfang Kälte, Sandstürme in der Mitte, gefolgt von der verrücktesten Hitze und gegen Ende wurde es wieder kalt. Außerdem: Staub. Staub in der Nase, noch drei Wochen nach Abschluss der Dreharbeiten.“

Was es dann noch mit dem allen die Show stehlenden Silverhorse und den für Gore Verbinski vollkommen normalen kannibalistischen Hasen auf sich hat, müssen Sie ab dem 8. August 2013 bei einem Besuch im Kino schon selbst herausfinden. Erste visuelle Eindrücke vom „Lone Ranger“ gibt es natürlich in unserer Bildergalerie und auch Produzent Jerry Bruckheimer möchte Sie zum Schluss noch einmal überzeugen: „Wir wollen doch eigentlich alle ein weißes Pferd reiten und dabei einen weißen Hut tragen und uns vor Dingen retten, mit denen wir nicht umgehen wollen.“ In diesem Sinne…

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