Der neue Louvre Lens – Von der Metropole in die Kleinstadt

am 12.12.2012 um 11:30 Uhr

Kohleabbau, Fußball und ein wenig Tristesse prägten bisher das Leben im nordfranzösischen Städtchen Lens. Die berühmten Kohlehalden, Relikte der Vergangenheit, die in Form schwarzer Pyramiden am Rande des Städtchens emporragen, wurden im letzten Jahr von der Unesco zum Weltkulturerbe ernannt. Aus dem 200 Kilometer entfernten Paris kommt nun das nächste kulturelle Highlight für eine Region, die Touristen sonst eher nicht auf ihrem Reiseplan haben. Die ab heute für die Öffentlichkeit zugängliche Dependance des weltbekannten Louvre in Paris könnte dies jedoch ändern.

Bewusst wurde gerade diese Region gewählt und bewusst wurde bei der Planung des japanischen Architekturbüros SANAA die Beschaffenheit der Bergbauregion berücksichtigt. Nicht zufällig befindet sich der Louvre in Lens auf dem Gelände einer im Jahre 1960 stillgelegten Kohleabbaustätte. Die Erinnerung trotz des Wandels bewahren – schlichte, flache Bauten aus Glas und Aluminium. Die Wände nur so weit poliert, dass sich die Umgebung ganz sachte, nahezu schemenhaft, auf ihnen abbildet. Was in Paris die Glaspyramide ist, ist in Lens ein quadratisches Glasgebäude, das auch hier als imposantes Entree dient und von allen Seiten betreten werden kann.

Offene Räume sorgen für schwindende Epochengrenzen

Offenheit spielt im neuen Louvre Lens eine sehr große Rolle. Was sich im Empfangsbereich bereits andeutet, setzt sich in den Ausstellungsflächen fort. Herzstück bildet hier die “Galerie du temps“, in der über 200 Werke aus dem Zeitraum 3500 v. Chr. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts ohne die übliche, räumliche Trennung ausgestellt werden. Somit ergibt sich ein vollkommen freier Blick, der nicht nur die Grenzen der Epochen überwindet. Auch hier spiegeln sich die Exponate auf den Aluminiumwänden wieder. In den tiefer gelegenen Ebenen befinden sich außerdem die Werkstätten – hinter Glaswänden, einsehbar für den Besucher, der somit an der Entstehung der Kunst teilhaben kann. Der Eintritt ist im ersten Jahr für die Besucher frei.

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