Mailand

Mailand Fashion Week: Pradas Prinzessinnen gegen Moschinos Streetgang

am 27.02.2015 um 17:59 Uhr

Zwei Kollektionen, die auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sein könnten: Während bei Prada die aristokratische Prinzessin in Smokey-Pastell-Tönen auf zierlichen Mary Janes durch eine pistaziengrüne Szenerie stöckelte, versammelte sich bei Moschino eine freche, knallbunte Streetgang mit jeder Menge 80er-Swag, einem dröhnenden Ghetto Blaster und funkelndem Statement-Bling. Sowohl Miuccia Prada als auch Jeremy Scott sorgen jede Saison aufs Neue für zwei absolute Highlights der Mailänder Modewochen und bewiesen dieses Mal, dass sie ihre modischen Visionen kompromisslos umzusetzen wissen, gerne auch gewürzt mit einer ordentlichen Portion an Ironie und auf Kosten des gängigen Schönheitsverständnisses. Erfahren Sie hier und in unserer Bildergalerie alles zu den farbenprächtigen Defilees von Prada und Moschino.

Beide Kollektionen verabschiedeten sich in jedem Fall von den 70er-Jahren: Jeremy Scott zog seine neuen Referenzen ganz klar aus dem darauffolgenden Jahrzehnt, während Miuccia Prada die feminine Seite des vorangehenden Jahrzehnts auf den Plan rief.

Die Kollektionen

Pradas Prinzessinnen:

Die Sixties-Referenzen bei Prada zogen sich wie ein roter Faden durch die neue Kollektion: Dabei waren es nicht nur die Saumlängen, Materialien, toupierten Haare und Farbspiele, die unübersehbar in Richtung 60er-Jahre zeigten, sondern vor allem das süße, niedliche Frauenbild, das adaptiert, aber im selben Atemzug auch wieder dekonstruiert wurde. Denn die ästhetischen Merkmale der Dekade, zum Beispiel das Babydoll-Kleid, das Blazer-Hosen-Ensemble, oder der einreihige Mantel, wurden in ihrer Eigenart übertrieben und somit ironisiert.

Die Komposition wirkte süß und mädchenhaft, zumindest auf den ersten Blick, aber sah man genauer hin, bemerkte man schnell den absichtlich gesetzten Störfaktor der Überspitzung: Das Babydoll fiel zu steif und war zusätzlich noch mit ausladenden, nahezu fehlplatziert wirkenden Perlen und Stickereien versehen. Straußenleder fand sich auf schlichten Blazern wieder, die ein wenig aufgeplustert und dadurch dreidimensional wirkten. Auch die Taschen der Kollektion spielten mit der visuellen Wahrnehmung und suggerierten einen Trompe l’oeil-Effekt (eine Tasche in der Tasche), genauso wie die übergroßen Broschen aus Plastik.

Die Farbenwelt der Kollektion nahm sich diesem Clash aus futuristischem 3-D-Design und niedlichen 60er-Referenzen ebenfalls an: Zartes Rosé, ein unschuldiges Hellblau und naives Pistaziengrün wurden ergänzt durch ein sattes Tannengrün, Senfgelb und Aubergine. Aufgeplusterte Stoffe in Scuba-Optik trafen auf metallisches Tweed, butterweiches Leder und in 60er-Manier wild gemustertes Jacquard. Die Shirts waren aus luftigem Lurex aber versehen mit femininen Seidensatin-Krägen. Raffinierte, bunte Pelzstreifen fand man hier und da ganz unerwartet als Dekor auf den Schultern der Models.

Moschinos Streetgang:

Was hat dies aber nun mit Jeremy Scotts absurd bunter Truppe mit Teddybären-Fellen, übergroßen Statementketten, Patchwork-Denim und Logo-Bags zu tun?

Sollten Sie sich diese Frage stellen, dann haben wir die Antwort für Sie: Den gemeinsamen Nenner der beiden Kollektionen bildet die Übertreibung als modisches Stilmittel. Bei Prada wird die feminine Niedlichkeit so überspitzt dargestellt, dass sie die ironische Frage nach einem aktuellen Schönheitsideal stellt. Bei Moschino geschieht ein ähnlicher Vorgang, der jedoch in einer ganz gegensätzlichen Modesprache ausgedrückt wird: Seine Ausdrucksweise ist bunt, schrill, sexy und überladen. Nach dem der letzten Saison, heißt das neue Moschino-Mädchen wohl Miss Ghetto Girl und schwört auf Sport-Trikots, Denim, Cropped-Tops, Graffiti-Prints und Comic-Inspirationen.

Auch Scott übertreibt den Ghetto-Look ins Inszenierte ,um seinen Standpunkt von Ästhetik und Schönheitsidealen deutlich zu machen: Hier ist eben schön, was Spaß macht. Also alles? Ja alles, denn das Moschino-Defilee war wieder einmal gespickt mit Kuriositäten: Eine Teddybären-Jacke aus Wuschelfell, übergroße, knallbunte Mäntel im Bomberjacken-Stil, glänzende, kunterbunte Lackhüte und Dagobert-Duck-Drucke, goldene Bustiers überladen mit Goldketten und aufgeplustert wirkende Overknee-Stiefel – hier herrschte eine knallig exzentrische Ausgelassenheit!

Die prominentesten Farben in dem poppigen Szenario waren ein leuchtendes Orange, Grün, Blau und Lila, sowie ein wenig Schwarz und Gold. Die Stoffe blieben hingegen allesamt straßentauglich: Coole Jeanswaschungen, aber auch viel Polyester, mit Lack beschichtete Baumwolle und ein bisschen Leder.

Die Highlights

Bei Prada bezauberte uns besonders ein Blazer-Hosen-Ensemble in zartem Smokey Pastell Rosé, kombiniert mit Mary Janes aus schwarzem Lack und einer türkisblauen Seidenbluse, die unter dem 3-D-Blazer hervorblitzte. Das Outfit wirkte wie die erwachsene Schuluniform einer Disney-Prinzessin und brachte eine ungewohnte Strenge in die vorherrschende Niedlichkeit.

Bei Moschino verliebten wir uns in das golden funkelnde Bustier, das kombiniert zu Jeans in passender Patchwork-Optik, fast elegant aussah. Auch die typische Moschino-Bag in einem knalligen Gelb mit goldenem Schriftzug hat es uns angetan.

Die Beauty-Looks

Beide Beauty-Looks schienen dem Undone-Nude-Look treu zu bleiben: Bei Prada war der Teint rosig, die Wangen und Lippen der Models frisch, gesund und in einem zarten Apricot gehalten. Bei Moschino sahen wir offene Haare mit lässigem Mittelscheitel. Teint, Augen und Lippen der Mädchen waren lediglich mit einem sanften Glow veredelt.

Entdecken Sie die schönsten Laufsteg-Looks der Mailand Fashion Shows Herbst/Winter 2015/16 von Prada und Moschino jetzt hier in unserer Bildergalerie.

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