Matthew McConaughey

Matthew McConaughey: Mit “Dallas Buyers Club” vom Sunnyboy zum begehrten Oscar-Kandidaten

am 06.02.2014 um 19:22 Uhr

„Ich treffe Entscheidungen nicht nach dem Prinzip ‘wischi-waschi’.“, so Matthew McConaughey im Interview. desired.de traf den Schauspieler zusammen mit anderen Journalisten zum ausführlichen Gespräch bei seinem Berlin-Besuch anlässlich der Verleihung der Goldenen Kamera. Uns gegenüber saß ein braungebrannter, 44-jähriger Mann, dem man von den Augen ablesen konnte, dass er mit dem was er tut, zufriedener ist denn je. Vom smarten Sunnyboy, der Jennifer Lopez im „Wedding Planer“ aus der Bahn wirft oder der uns an der Seite von Kate Hudson im Film „Ein Schatz zum Verlieben“ mit seinem Traumkörper verrückt machte, ist Matthew McConaughey in den letzten zwei Jahren zum angesehenen Charakter-Darsteller avanciert. Für seine Rolle des an Aids erkrankten Ron Woodroof im Film „Dallas Buyers Club“ ist er nun für den Oscar nominiert. Ein Grund mehr, das Phänomen Matthew McConaughey mit ihm selbst hier und in der Fotoshow genauer unter die Lupe zu nehmen.

Die Preis-Bilanz der letzten zweieinhalb Jahre: Mehrere Auszeichnungen verschiedener Filmfestspiele für den besten Schauspieler in Filmen wie „Bernie“, „Mud“, „Magic Mike“ oder „The Paperboy“, den Golden Globe für „Dallas Buyers Club“, die Goldene Kamera und eben erwähnte Oscar-Nominierung. Award-Ausbeute in den Jahren zuvor: So gut wie gar keine. Was hat Matthew McConaughey also ab 2011 anders gemacht, dass eingefleischte Filmkenner inzwischen sogar schon von einer „McConaugheyssaince“ sprechen?

Von sexy zu (sexy und) seriös: „Ich wurde zu einer frischen, neuen Idee“

Verstehen Sie uns nicht falsch: Genauso wie Sie und wir Matthew McConaughey in romantischen Komödien und unterhaltsamen Romanzen kennen und schätzen gelernt haben, blickt auch er selbst nicht peinlich berührt oder mit Abscheu auf diese Filme zurück. Dem waschechten Texaner war es lediglich wichtig, neue Wege zu gehen, neue Facetten seines Berufes zu entdecken und zu testen, ob auch andere Projekte mit seinem Gesicht zum Leben erweckt werden könnten: „Ich erinnere mich, dass ich irgendwann zu mir selbst sagte ‘Es ist an der Zeit, meine Schauspielkarriere neu einzustellen.’ Ich war glücklich mit meiner Karriere und habe all das genossen. Aber ich wollte andere Dinge genauso wie ich gleichzeitig nicht wusste, in welche Richtung das gehen wird. Ich war mir nicht sicher, welche Angebote ich noch bekommen würde, also entschied ich mich für eine Pause. Ich entschied mich, bewusst ‘Nein’ zu den Rollen zu sagen, die ich sonst angenommen hätte.“, so Matthew McConaughey im Gespräch.
Was daraufhin folgte? Knapp zwei Jahre erst einmal gar nichts. Bis auf einmal Regisseure wie Steven Soderbergh oder Lee Daniels auf ihn zukamen. Mit Rollen, die ganz anders waren, als die, die in der Vergangenheit als Drehbuch auf seinem Schreibtisch lagen: „Ich bin mir nicht sicher, ob ich eben diese Rollen drei Jahre zuvor angeboten bekommen hätte. Ob ich glaube, dass ich sie hätte spielen können? Absolut! Aber ich weiß nicht, ob jemand auf mich gekommen wäre – also wurde ich jemands frische, gute und neue Idee. Ganz einfach, indem ich mich zurückzog. Es war also eher die Entscheidung, mich zurückzuziehen, die mich diese Rollen spielen ließ, als die Entscheidung, direkt nach diesen Rollen zu suchen. All diese Dinge haben mich einfach gefunden.

Der bewundernswerte Anti-Held: Matthew McConaughey in „Dallas Buyers Club“

Nachdem schon Rollen wie der Journalist Ward Jansen in „Paperboy“ oder der pensionierte Stripper und Clubbesitzer Dallas in „Magic Mike“ eher untypisch fürs Rollenprofil des Matthew McConaughey waren, überzeugte der Schauspieler nicht nur mit seinem glorreichen Kurzauftritt als skrupelloser Börsenhai in „The Wolf of Wall Street“, sondern vor allem auch mit einer Rolle in einem beeindruckenden Film, dessen Dreharbeiten vor mehr als zwei Jahren begannen: Dallas Buyers Club. Basierend auf einer wahren Geschichte, wird hier der Weg des an Aids erkrankten Ron Woodroof beschrieben, der Mitte der 1980er Jahre den Kampf gegen den HI-Virus auf seine ganz eigene Art aufnimmt. Mit dem unstillbaren Willen, sich und andere Erkrankte vor der Skrupellosigkeit großer Pharmakonzerne zu beschützen und der Welt Alternativen aufzuzeigen. Gespielt wird der als „Schwulenhasser“ bekannte Woodroof von Matthew McConaughey, der für diese Rolle mehr als 20 Kilogramm Körpergewicht abnahm. Nicht, weil er es für eine gute Idee hielt, sondern weil es die einzig richtige Notwendigkeit war, wie er im Interview verriet: „Das war kein Getue oder Heuchelei oder eine Idee, von der ich dachte ‘Hey, das wäre doch cool, wenn wir das so machen würden’. Es war meine Verantwortung diesem Mann gegenüber, sodass es eine klare Entscheidung für mich war.
Und auch hier sehen wir Matthew McConaughey in einer ungewohnten Rolle, die nun absolut gar nichts mehr gemeinsam hat mit dem smarten Sunnyboy-Image, sondern in die Tiefe, unter die Haut und direkt ins Herz geht. Eine Rolle, die ihn – wenn die Prognosen und Wett-Lokale Recht behalten – direkt zum ersten Academy Award seiner Karriere führen wird.

Bye, bye Romance?

Ich bin auf keine Art von Rollen festgelegt.“, fügt Matthew McConaughey dann aber noch hinzu. Die „ McConaugheyssaince“ bedeutet nicht, dass es fortan keine romantischen Komödien mehr mit ihm geben wird. Weiterentwicklung bedeutet für den Schauspieler nicht ein Festlegen auf den preisverdächtigen Anti-Helden: „Was ich will ist, mich zu finden. Ich will Rollen spielen, die mich anmachen und ich will in Geschichten von Filmen mitspielen, die ich mir auch selbst im Kino ansehen würde. Ich will Charaktere mit einer klaren Identität. Und ja, ich beschäftige mich auch gerade mit ein paar interessanten Liebesgeschichten, die ich umwerfend finde – auch wenn es keine Anti-Helden sind.

Vorher sollten Sie sich allerdings genau den Anti-Helden, sprich Ron Woodroof in „Dallas Buyers Club“ ansehen, denn der Film läuft gerade in den deutschen Lichtspielhäusern. Bevor Sie allerdings ins Kino stürmen, sollten Sie mit uns in der Fotoshow noch einmal Matthew McConaugheys Schauspiel-Evolution Revue passieren lassen.

Kommentare


Luxus: Mehr Artikel