Porträt

Close-up: “Die Mode ist tot”!? – Michael Michalsky im Interview

am 26.06.2015 um 09:16 Uhr

„In einer Welt, in der alles schneller, wertloser und austauschbarer wird, ist es an der Zeit, sich der Magie, den Emotionen und den Verführungen der Mode neu zu widmen.“, so Michael Michalsky im exklusiven desired.de-Interview. Und während andere noch von einer besseren Mode-Welt träumen, holt der Berliner Designer zum großen Paukenschlag aus. Unter dem Motto „Die Mode ist tot!“ erfindet sich das Label MICHALSKY pünktlich zur Fashion Week Berlin endgültig neu. Ein gebührender Anlass also, dem Vorzeigedesigner unser Close-up zu widmen. Erfahren Sie hier und in der Fotoshow alles zur modischen Wiedergeburt des Michael Michalsky.

Kosmopolitisch, urban, modern und ein bisschen sexy, das ist MICHALSKY. Ein Name, der zu Berlin gehört, wie Wowereit oder die Goldelse.

Michael Michalsky: Der Weg zum Lifestyle-Imperium

Geboren wurde Michael Michalsky am 23. Februar 1967 in Göttingen, wuchs in Rümpel (Schleswig-Holstein) auf und machte 1987 sein Abitur in Bad Oldesloe – also fernab jeglicher großer Mode-Metropolen. Im Gespräch mit welt.de sagte er dazu:

„Ich wusste eigentlich schon seit ich 14 bin, dass meine Zukunft dort nicht stattfinden kann. Ich habe mich für Mode und Musik interessiert und eigentlich die Stunden gezählt, bis ich mein Abi hatte. ‘Noch drei, noch zwei, noch ein Jahr, das schaffst du’, habe ich gedacht, und bin danach sofort nach London gegangen. Die Designer, die Musik, die ganze Jugendkultur, die es dort in den 80er-Jahren gab, haben mich sehr inspiriert.“

Also ging es für ihn direkt nach London, wo er am London College of Fashion studierte und nebenbei nicht nur als Kellner, sondern auch in einem Sterbehospiz für AIDS-Kranke arbeitete. Vom College führte ihn sein Weg dann fast nahtlos zu Levi’s Strauss & Co. Deutschland, als Designmanager. Nur wenig später, ab 1995, revolutionierte Michalsky die Geschicke beim Sportriesen Adidas und war dort bis 2006 als Global Creative Director für das Design aller Produkte zuständig. Dazu gehörten außerdem Kooperationen mit Stella McCartney oder Missy Elliott.

Im Jahr 2006 gründete Michael Michalsky dann sein eigenes Unternehmen MICHALSKY. Bis heute gehören dazu nicht nur Damen- und Herren-Kollektionen, sondern inzwischen auch Möbel, Tapeten, Geschirr und seit 2014 auch eine Design-Vinothek namens Par Terre an der Südlichen Weinstraße. MICHALSKY ist also mehr als ein Mode-Unternehmen, es ist ein Lifestyle. Von Beginn an gut durchdacht, und nun bereit für den nächsten Schritt?

Michael Michalsky im desired.de-Interview: Aus MICHALSKY wird ATELIER MICHALSKY

Schon im Winter 2014, im Rahmen der legendären, von Michael Michalsky veranstalteten StyleNite, zeichnete sich eine Kehrtwende hin zu „Weniger Masse, mehr Stil!“ ab. Während sich Michalsky schon über Jahre hinweg für Nachhaltigkeit, nicht nur in der Mode-Branche, einsetzte, wurde seine Herren-Kollektion nun deutlich exklusiver. Erstmalig tauchte hier der Name ATELIER MICHALSKY auf. Eine Männer-Linie, die sich gegen den Fast-Fashion-Trend stellte: Die eh schon nachhaltige Produktion wurde noch nachhaltiger, hergestellt größtenteils in deutschen Manufakturen, Beschränkung auf das Wesentliche; zeitlos, ohne dabei jedoch den „Haben wollen“-Faktor außer Acht zu lassen.

Gleiches gilt ab sofort auch für die Damen-Linie, weswegen die StyleNite im Rahmen der diesjährigen Fashion Week Berlin nicht wie bisher als große Party im Berliner Tempodrom abgehalten wird, sondern am 10. Juli 2015 im Berliner Nobel-Hotel Ritz Carlton stattfindet. desired.de sprach mit Designer Michael Michalsky über seine Entscheidung hin zu Couture und weg von Fast Fashion:

„Die Mode ist tot“ – Die Linie MICHALSKY war einmal. Jetzt heißt es ATELIER MICHALSKY. Was genau hat Sie dazu bewogen, Ihre beliebten Modelinien nach so langer Zeit einzustellen?

Meine Modelinie ist in dem Sinne nicht eingestellt. Ich habe sie neupositioniert und zu ATELIER MICHALSKY weiterentwickelt. MICHALSKY war ja auch schon immer auf Nachhaltigkeit und Qualität ausgerichtet, nur gehe ich nun den konsequenten Schritt hin zur Couture. Die Gründe dafür sind vielfältig. Massive Verschiebungen in der Modebranche, das Auftreten von neuen, starken Marktteilnehmern und auch das geänderte Informationsverhalten der Konsumenten.

All das hat dazu geführt, dass für mich und meine Designerkollegen neue Rahmenbedingungen herrschen. Wenn die Entwürfe, die wir auf unseren Shows zeigen, schon wenige Wochen später bei den großen Ketten im Laden hängen, haben unabhängige Labels, deren Produkte ein halbes Jahr bis in die Geschäfte brauchen, weniger Chancen.”

Es ärgert mich einfach, dass ich als unabhängiger Modedesigner wie ein Markt-Follower aussehe. Deshalb will ich umdenken und handeln.”

Welche Auswirkungen wird denn die so genannte „Fast Fashion“ in Zukunft auf andere Designer haben?

Sicher macht sich jeder meiner Design-Kollegen und -Kolleginnen über diese Entwicklungen Gedanken. Die Verschiebungen in der Modebranche sind ja bereits seit geraumer Zeit zu beobachten. Nur welchen Weg man wählt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Es bleibt also spannend, wohin die Reise für uns Modemacher geht. Für mich fühlt sich der Schritt hin zur couture Mode einfach richtig an. ATELIER MICHALSKY ist mein persönlicher und radikaler Gegenentwurf zur gängigen Alltagsmode.

Macht die Schnelllebigkeit von Trends, Eindrücken und Neuem die Mode zu beliebig und wenn ja, wie wollen Sie dem in Zukunft als Designer aus dem Weg gehen?

Deshalb sage ich, ‘die Mode ist tot.’ Das ist absichtlich provokativ. Ich möchte die Konsumenten aufwecken. Wenn monatlich von den großen Ketten sogenannte ‘Trends’ verkündet werden, ist das lächerlich. Die Konsumenten und modebegeisterten Menschen machen Trends, nicht die Billighändler. Und ein Trend, der vier Wochen gilt, ist keiner. Deshalb möchte ich als Designer wieder weiter in die Zukunft schauen. Ich möchte die Substanz der Mode wieder auferwecken. Stilempfinden, Qualität, Mut und Individualität sind Stichworte. Nicht Mainstream.

Was ist MICHALSKY couture – in drei prägnanten Stichworten zusammengefasst?

Qualität, Schönheit und mutiges Design.

Und welche Kunden/ Käufer sollen hier angesprochen werden?

Meine Kollektion ist sehr fokussiert und greift wieder mehr den ursprünglichen Kerngedanken der Mode auf. ATELIER MICHALSKY ist für all die Menschen, die Wert auf Qualität und schönes, mutiges Design legen.”

Ich möchte Lieblingsstücke kreieren, die den Käufern über Jahre Freude bereiten. Das ist Nachhaltigkeit. Meine Kunden folgen nicht mehr dem Massentrend. Sie haben einen eigenen Geschmack. Individuelle, starke Persönlichkeiten.”

Gibt es eine bestimmte MICHALSKY-Ethik – wenn man das an dieser Stelle mal so nennen will – die mit der Ausrichtung auf Ihre couture-Linie verbunden ist?

Sie steht für eine schärfer positionierte, hochwertige Couture-Mode. Ausdrucksstarke Styles, die Luxus und den Gedanken der Nachhaltigkeit vereinen. Dabei kombiniere ich hochwertige Stoffe mit lokaler Handwerkskunst. ‘Weniger Masse, mehr Stil!’ ist da das Credo für meine neue Kollektion und man könnte auch sagen, dass es eine Art MICHALSKY-Ethik ist. In all meinen Designs – egal ob im Living-, Interieur-, Produkt- oder Modebereich – ist mir Qualität, Langlebigkeit und Innovation sehr wichtig und hat höchste Priorität.

Warum ist couture (noch) nicht tot?

In einer Welt, in der alles schneller, wertloser und austauschbarer wird, ist es an der Zeit, sich der Magie, den Emotionen und den Verführungen der Mode neu zu widmen. Viele Menschen suchen Beständigkeit und Qualität. Lebensqualität, die sich im Stil ausdrückt. Wir Designer sind also angehalten, uns immer wieder neu zu erfinden und positionieren. Das liegt in der Natur der Dinge.”

Man muss Veränderungen positiv sehen und ein neues Kapitel aufschlagen.”

Der Schritt hin zur nachhaltigen couture Mode als starke Positionierung und Statement gegen den ‘fast-fashion’-Trend, ist der richtige Weg im schnelllebigen, übersättigten Modebusiness dieser Zeit.

Welche Zukunft wünschen Sie sich für ATELIER MICHALSKY? Wie möchten Sie gerne gesehen werden?

Ich bin sicher, ATELIER MICHALSKY wird ein Erfolg. Ich wünsche mir, dass noch mehr Designer meinem Weg folgen.”

Denn die Mode ist gar nicht tot, sie ist nur beleidigt von dem, was wir Menschen im Moment damit machen.

Wir danken Michael Michalsky für dieses Interview und sind gespannt auf diese neue Ära. In unserer Fotoshow können Sie sich noch einmal einen Eindruck von den vielen Projekten des Designers machen.

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