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Mockingjay 2: Das fulminante Ende einer Bildschirm-Revolution

am 09.11.2015 um 16:35 Uhr

Ein globales Phänomen geht zu Ende: Für den zweiten Teil des Abschlusskapitels der „Tribute von Panem“-Trilogie kämpfen Jennifer Lawrence als Katniss Everdeen, Josh Hutcherson als Peeta Mellark und Liam Hemsworth als Gale Hawthorne ein letztes Mal Seite an Seite gegen die unerbittliche Diktatur des Capitals. Die Revolutionäre marschieren in die Hauptstadt und stellen sich einer neuen Topographie der Grausamkeiten, unmenschlichen Monster und morbiden Fallen. Zu großen Teilen in Berlin und Paris gedreht, wird „Mockingjay Teil 2“ sehr von seiner dystopisch-klassizistischen Kulisse getragen und endet in einem nicht minder fulminanten Showdown. Erfahren Sie hier und in unserer Bildergalerie alles, was sie über den Film wissen müssen.

Vor dem internationalen Kinostart am 19. November hatten wir von desired.de nicht nur die Möglichkeit, uns den Hollywood-Film schon einmal vorab anzusehen, sondern trafen auch u.a. Jennifer Lawrence, Josh Hutcherson, Liam Hemsworth, Julianne Moore, Natalie Dormer, Elizabeth Banks sowie den Regisseur Francis Lawrence und Produzentin Nina Jacobson im Rahmen der internationalen Premieren-Pressekonferenz im Berliner Hotel De Rome.

Das Ende der Revolution

„Es ist ein bittersüßes Gefühl, die Filme nun zu Ende gebracht zu haben. Ich fühle mich im kreativen Sinne sehr erfüllt. Es war befriedigend, diesen letzten Teil so gedreht zu haben, wie er ist, den Abschluss zu haben, den er brachte. Auch die Historie und Beziehungen der Charaktere zu einem zufriedenstellenden Ende geführt zu haben, ist schön“, statierte Regisseur Francis Lawrence und brachte es gleich zu Beginn der Pressekonferenz auf den Punkt: Der letzte Teil der Panem-Trilogie ist ein allumfassendes Schlusskapitel, das den Zuschauern und Fans ein rundes Ende bietet.

Bevor die Charaktere aber ihren wohlverdienten Frieden finden dürfen, stehen ihnen in „Mockingjay 2“ nochmals knapp 140 Minuten Adrenalin und Überlebenskampf bevor: Die Hauptcharaktere Katniss, Gale, Peeta und Finnick brechen zu Beginn mit einer Einsatzgruppe aus Distrikt 13 auf, um den perfiden Präsident Snow endlich zu entmachten und Panem von seiner Diktatur zu befreien. Selbstverständlich gestaltet sich dies mehr als schwierig: Moralische Grauzonen, morbide Fallen und schwere Entscheidungen trennen das Team vom Chateau des Despoten. Die Reise zum Zentrum des Capitals wird sinnbildlich für eine Topografie des Grauens: Je mehr Opfer das Team bringen muss, desto klarer wird es, dass es sich hier nicht mehr nur um das Überleben des einzelnen in einer Arena handelt, sondern die Zukunft des ganzen Landes auf dem Spiel steht.

Besonders Oscar-Preisträgerin Julianne Moore brilliert einmal wieder mit ihrer Darstellung der Revolutionsanführerin Alma Coin und spielt den starken Frauencharakter mit einer facettenreichen Undurchdringlichkeit: „Das faszinierende für mich daran, Alma Coin zu spielen, war, dass sie als eine Revolutionärin startete und dann zu jemandem wurde, der graduell von dem eigenen Machthunger und ihrem Wunsch nach Rache korrumpiert wird und sich zu einem Tyrannen, einem Despoten wandelt. Es ist eine sehr familiäre Narrative, wenn man darüber nachdenkt. Sowas hat unsere Geschichte oft gesehen und ich fand es sehr interessant, es einmal in einen dystopischen Kontext zu übertragen.“

Mockingjay II: Drehorte und die „Berlin Experience“

Vor allem die imposante Architektur und ausladende Kulisse ist es, die „Mockingjay II“ eine ganz neue Dimension verleiht: Nachdem die vorangehenden Teile zum Größten Teil in Atlanta gedreht wurden, suchten Regisseur Francis Lawrence und Produzentin Nina Jacobson nach neuen Drehorten mit einer gewissen, europäischen Atmosphäre. „Wir wussten ja schon zu Beginn der „Mockingjay“-Teile, dass wir nun das Capital und neue Distrikte betreten würden. Wir wussten auch, nachdem wir die meiste Zeit in Atlanta gedreht hatten, dass wir dort die gewünschten Umgebungen nicht vorfinden würden. Daher ging der Produktionsdesigner auf eine weltweite Suche nach einer bestimmten brutalistisch-klassizistischen Ästhetik. Und wir fanden die sehr passende Architektur in Paris und Berlin. Daher haben wir unsere Aufmerksamkeit auf diese Städte fokussiert. In Berlin waren das vor allem Krampnitz, Tempelhof, das ICC, die Baracken in Rüdersdorf und natürlich das alte Kraftwerk“, erklärte Regisseur Lawrence seine Wahl, die die deutsche Hauptstadt erstmals zu einer wesentlichen Komponente in der Panem-Blockbuster-Trilogie werden ließ.

Gerade dieser ambivalente Hauch zwischen Futurismus und Historie ist es auch, der für eine ganz neue Art der Ästhetik, die in den ersten, zwei Teilen noch fehlte, sorgt und Mockingjay 2 einen eindringlichen Look verleiht.

Das Ende ist erst der Anfang

Auch, wenn es sich bei Mockingjay 2 selbstverständlich um einen fulminant inszenierten Hollywood-Blockbuster mit enormer Cash-In-Qualität handelt, der sich sicherlich auch von starken Kitsch-Momenten nährt, lässt sich eine politische Botschaft und Bedeutungsebene doch nicht von der Hand weißen. Vielleicht ist die „Hunger Games“-Trilogie auch deshalb die wichtigste Teeny-Produktion der letzten Jahre:„Ich habe Hoffnung und Sehnsucht,“ resümiert Donald Sutherland, auf die Frage, wie er die Reichweite des Films empfinde. „Weil dieser Film erst der Anfang ist. Das Ziel ist es, ein Katalysator zu sein für junge Menschen auf der ganzen Welt. Dass sie in diesem Film ihr drohendes Schicksal erkennen, aber auch eine Möglichkeit auf eine bessere Zukunft sehen. Dass Sie aktiv werden und erkennen, dass wir unsere Geschichte schon viel zu oft wiederholt haben, dass wir zurückschauen und es verändern, es stoppen müssen. Wenn sich Menschen auf der ganzen Welt gegen diesen Krieg organisieren, der heute vor allem ein Krieg des Profits ist, ein Profit, von dem man selbst niemals profitiert, sondern nur daran zugrunde geht, dann haben wir mit diesem Film ein gutes Ende erreicht.“

Abschließend bleibt einem vor allem die letzte Szene des Filmes in Erinnerung: Katniss sitzt, in sanftes Licht getaucht, auf einer Wiese und scheint angekommen zu sein, vielleicht nicht ganz so, wie der Zuschauer es erwarten würde. Nina Jacobson, die Produzentin des Film, möchte das Ende jedoch in keiner Weise als Zugeständnis an ein veraltetes Frauenbild sehen: „Susanne Collins hat Katniss als eine echte Kämpferin konzipiert, die bereit ist, große Opfer zu bringen, die letztendlich zur Revolution führen. Aber der ultimative Akt in ‚Mockingjay‘ trägt sie aus dem Wettstreit um die Führung heraus. Sie findet ihren Frieden. Sie ist eher eine Veteranin, die nach Hause kommt, als eine Frau, die sich dafür entschieden hat, die Macht aufzugeben und einfach Ehefrau und Mutter zu sein.“

Entdecken Sie Bildmaterial von „Die Tribute von Panem Mockingjay Teil 2“ nun hier in unserer Bildergalerie.

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