Print mal anders: Fashion aus dem 3D-Drucker

am 27.06.2013 um 15:48 Uhr

Hatten Sie beim neuen „Great Gatsby“ in 3D auch das Gefühl, Sie könnten Leonardo DiCaprio an den Allerwertesten greifen? Oder flogen Sie letzten Sommer mit Spiderman auch gemeinsam durch New Yorks Straßen? Oder wurden auch Sie von einem Wirbelsturm nach Oz gefegt? 3D hat uns fest im Griff und während auf der einen Seite die Kinolandschaft nach dem Avatar-Hype schon wieder zum zwar digitalen, aber eben zweidimensionalen Vergnügen zurückdriftet, sind die 3D-Drucker derzeit auf dem Vormarsch.

Die Technologie gibt es zwar schon seit 1984, wurde aber bisher nur in der Industrie für Modelle im Automobilbau etc. eingesetzt. Nun wird das dreidimensionale Drucken auch für die kommerziellere Welt ermöglicht, zum Beispiel Objekte in Produktionsqualität, avantgardistische Mode, Nachbildungen des Gehirns – vorausgesetzt man hat ein MRT-Bild zur Hand – und Wissenschaftler in Schottland forschen gerade sogar an einer Nachbildung – sozusagen einem Nachdrucken – von Organen mithilfe von Stammzellen. Was nicht alles geht.

Reeller als die Realität

Während die futuristischen Möglichkeiten auf der einen Seite noch nicht vollständig aufgebraucht sind und der Masse auch noch nicht allzu stark zugänglich gemacht werden können, hat die 3D-Drucktechnik in die Fashion-Welt schon beeindruckend schnell und innovativ Einzug gehalten. Die 1984 geborene Designerin Iris van Herpen experimentiert gern mit Materialien, kreiert einzigartige Silhouetten und scheut sich nicht davor, etwas Außergewöhnliches zu schaffen, auch wenn dies dadurch nicht immer tragbar ist. Ihre Mode ist eher ein Kunstwerk, sorgt für visuelle Wow-Effekte und ist nicht dazu gedacht, von Otto-Normal-Verbrauchern ins Büro angezogen zu werden. Ihr Praktikum bei Alexander McQueen sieht man ihren Modellen recht deutlich an. Grafische und sehr symmetrische Formen, avantgardistische Ideen verpackt in kunstvolle Modelle, die mal mehr, mal weniger vom Körper des Models verhüllen. Streetstyle? Definitiv noch nicht!

Die dritte Dimension

Das Rapid Prototyping oder inzwischen sogar Rapid Manufacturing tut der Mode aber auch Gutes, denn nahtlose Kleidungsstücke und ausgefallene Formen werden möglich, ohne langes Hantieren an einer Schneiderpuppe und Angst wegen zu schwerer Stoffe und Instabilität. Das digitale Modell wird haargenau gebildet mithilfe von Plastiksubtraten, die wie aus einer Spritzpistole heraus auf eine Anti-Haftschicht aufgetragen und kurz erhärtet werden und dann Stück für Stück in die Höhe, Tiefe und Breite wachsen können. Ein passgenaues Maßschneidern wird so einfacher als je zuvor – aber natürlich geht ein Stück weit liebevolles Detailhandwerk verloren.

Dita in 3D

Doch die Modelle von Iris van Herpen, die sie bereits auf der Pariser Fashion Week im Januar 2013 zeigte, können sich wirklich sehen lassen und erregen Aufmerksamkeit. Deswegen ist sie auch schon längst nicht mehr die Einzige, die sich an den 3D-Drucken ausprobiert. Designer Michael Schmidt kreierte nun eine Variante, die tatsächlich aus Nylon besteht. Das ist das erste Mal, dass eine Nylonstruktur mit einem Drucker erstellt werden kann und die sich ganz ähnlich wie das echte Textilgewebe verhält. Präzise auf Dita von Teeses Wunderkörper geschneidert hat er ein Kleid, das nicht ganz den typischen Abendkleid-Standards entspricht.

„Femme fatale 2.0“ beschreibt er so: „Francis [Projektpartner und Architekt Francis Bitonti] war in der Lage, meine Skizzen, die ich extra für Dita gezeichnet hatte, in die digitale Sprache der Software zu übersetzen. Die fließenden Verbindungen sind alle 3D-gedruckt, Schicht für Schicht wurde das gepuderte Nylon in einer vorgeheizten Kammer aufgetragen, alles basierend auf den 3D-Koordinaten im Computer. Die sechzehn Einzelteile haben keine Nähte – so etwas hat es noch nie gegeben.“

3D = 3$

Andere Produkte, die aus dem Drucker kamen und bereits käuflich erworben werden können, sind zum Beispiel nahtlose Badeanzüge des New Yorker Labels Continuum Fashion oder eine ganze Hutkollektion von MGX. Billig kann man die Teile aus dem 3D-Drucker nun wirklich nicht nennen und auch die Drucker per se kosten noch eine ganze Stange Geld, obwohl auch da das gehäufte Angebot bereits den Preis drückt. Der „Makerbot Replicator“ ist für knapp weniger als 2.000 Euro zu haben. Eine Idee, die in der Zukunft wahrscheinlich die Modeindustrie noch einmal ganz neu aufrollen könnte – aber in der Zukunft eben.

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