Model-SOS: „Models brauchen Zeit zum Essen“

am 18.04.2013 um 17:29 Uhr

Nachdem die Modewelt unter ständiger Beobachtung steht und immer häufiger sich dem Vorwurf stellen muss, zu dünne oder zu junge Models für ihre Kampagnen und Runway-Shows zu nehmen, hat nun die britische Vogue den ersten Schritt in die richtige Richtung gewagt. Das Modemagazin hat den Equity Model Code eingeführt, um für bessere Arbeitsverhältnisse zu sorgen. Die Initiative verdankt das Modelbusiness der britischen Gewerkschaft Equity, die sich für alle, die im kreativen Bereich tätig sind, einsetzt.

Wer Erfolg haben möchte, zahlt dafür einen Preis

So scheint es zumindest in der Modebranche zu sein. Der Betrachter sieht nur die topgestylten Schönheiten, wie sie mühelos auf hohen Schuhen traumhafte Kleider auf dem Laufsteg präsentieren. Die Fotostrecken in Modemagazinen werden bestaunt und die Frauen darin um ihre Figur und Ausstrahlung beneidet. Doch hinter den Kulissen sieht es oftmals ganz anders aus. Hohe Gagen für ein paar Mal hin- und herlaufen – von wegen! Models sitzen stundenlang in der Maske, stehen weitere Stunden bei Fittings und müssen oftmals von einer Show zur nächsten hetzen. Bei Shootings müssen sie bei Minusgraden leicht bekleidet posieren, und dürfen sich nichts anmerken lassen, denn sonst werden die Fotos unbrauchbar. Diese Frauen leisten viel, vor allem körperlich.

Besonders dann sind Pausen und kleine Mahlzeiten wichtig, aber dafür wird ihnen selten Zeit gegeben, denn Zeit ist Geld. Kritisch wird es, wenn bei einem Auftrag plötzlich Nackt-Aufnahmen gemacht werden sollen, die mit dem Model vorab nicht abgesprochen wurden. Es ist nicht für jede von ihnen selbstverständlich, den Nacktaufnahmen einzuwilligen und sich dabei wohlzufühlen.

Das größte Problem jedoch ist das junge Alter vieler Models. Sehr viele sind unter sechzehn, sehen aber durch ihre Körpergröße wesentlich älter aus. Junge Mädchen sind bei Designern sehr begehrt, denn sie haben meist ein sehr feenhaftes Puppengesicht, sind zudem auch noch sehr zierlich und passen in jedes Kleidungsstück problemlos rein. Aber minderjährige Mädchen als erwachsene Frauen darzustellen, stellt sowohl für ältere Models als auch für junge Mädchen allgemein eine Gefahr da. Für die, die in diesem Business tätig sind, entsteht der Druck genauso dünn und zierlich aussehen zu müssen. Für junge Frauen allgemein entsteht der Wunsch erstens, diese zierliche Figur anzustreben, und zweitens, wesentlich älter wirken zu wollen, als sie tatsächlich sind. Der Körperkult und Magerwahn erreicht extreme Ausmaße.

Die britische Vogue macht den ersten Schritt

Der Equity Model Code soll anhand von zehn Stichpunkten für Besserung sorgen. Gerechte Arbeitsverhältnisse heißt unter anderem, dass Models vor Überstunden bewahrt werden sollen und alle fünf Stunden eine Pause einlegen dürfen. Bei Jobs müssen ihnen Umkleiden und Mahlzeiten zur Verfügung gestellt werden. Außerdem muss bei Shootings, bei denen sie leicht bekleidet fotografiert werden, für eine angenehme Temperatur gesorgt werden und für Nackt-Aufnahmen muss im Vorfeld die Einverständniserklärung des Models eingeholt werden. Der wichtigste Punkt jedoch ist, dass Mädchen unter 16 Jahren nicht mehr als erwachsene Frauen dargestellt werden dürfen. Leider gelten diese Regeln vorerst nur für Aufträge der britischen Vogue. Jedes Magazin und jedes Modehaus muss von sich aus dem Kodex zustimmen. Nach der gescheiterten Health Initiative der Vogue bleibt abzuwarten, ob diese Regeln auch tatsächlich eingehalten werden und weitere Magazine und Designer mitziehen.

Die, die gegen den Strom schwimmen

Viele berühmte Power-Ladies tragen ganz ohne Kodex dazu bei, dass das Idealbild der Frauen etwas flexibler und abwechslungsreicher wird. Stars wie die Sängerinnen Adele und Jennifer Hudson haben weibliche Rundungen und fühlen sich pudelwohl. Sie sind Vollblut-Frauen und zeigen es auch. Sängerin Kelly Clarkson äußerte sich einst so: „Ich liebe meinen Körper und fühle mich wohl. Es scheint so, als ob die meisten Künstler gar kein Problem mit ihren Körpern haben, sondern alle anderen.“ Genau das scheint die Problematik zu sein.

Viele kümmert es mehr, was andere von ihrem Erscheinungsbild denken, als das, was sie von sich selbst denken. Es ist völlig legitim, dass Models sehr auf ihre Linie achten müssen und solange es im gesunden Rahmen bleibt, ist es auch lobenswert, denn ihr Körper ist ihr Kapital. Aber sterbliche Frauen wie wir müssen sich nicht monatelang an Diäten halten und uns Tag ein Tag aus darum Sorgen machen, ob die eine Jeans heute passt oder nicht. Eine gesunde Lebensweise ist wichtig, gesunde Ernährung und Sport gehören dazu. Jedoch haben wir das große Los gezogen, wir als „Nicht-Models“ dürfen ab und zu einen leckeren Kuchen vernaschen, ganz ohne schlechtes Gewissen. Promi-Damen wie Schauspielerin Christina Hendricks von „Mad Men“ und „Girls“-Darstellerin Lena Dunham verdanken wir, dass Größe 40 sich super sexy und unglaublich weiblich anfühlen kann – und dafür lieben wir sie!

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