Im Interview mit WEEKDAY Designerin Nhu Duong

am 17.04.2013 um 15:09 Uhr

Unsere Redakteurin und Blogger-Expertin Jenny Halonen aus Schweden berichtet für Sie regelmäßig von internationalen Fashion Shows und aktuellen Trends. Auf ihren Reisen trifft Sie sowohl die alten Hasen der Mode, als auch junge Designtalente, die mit Experimentierfreude begeistern. Dieses Mal sprach sie mit der schwedischen Designerin Nhu Duong, die ihr von ihren vietnamesischen Wurzeln und der Zusammenarbeit mit WEEKDAY erzählte.

Die in Vietnam geborene, schwedische Designerin Nhu Duong verbringt ihre Zeit zwischen Stockholm und ihrer jetzigen Heimat Berlin. In Zusammenarbeit mit der schwedischen Modemarke WEEKDAY hat sie nun eine Kollektion lanciert. Diese gibt es in 19 WEEKDAY-Stores weltweit zu kaufen und ist seit dem 7. März im Berliner Store erhältlich. Neben ihrer Kooperation mit WEEKDAY wurde Nhu zur Head of Design von Nowhere ernannt, einem weiteren Label aus Schweden, welches von Bloggerin Elin Kling gegründet wurde. Zudem betreibt sie ihre eigene Modelinie unter eigenem Namen.

Ich war gespannt, mehr über Nhu zu erfahren, insbesondere wollte ich wissen, wie sie all diese Projekte unter einen Hut bekommt. Dazu besuchte ich Nhu in ihrem Schöneberger Atelier in Berlin.

Geboren wurde Nhu in Vietnam und wanderte im Alter von sieben Jahren mit ihren Eltern nach Schweden aus. Ihr Vater ist Kung-Fu-Meister und ihre Mutter Schneiderin. Aufgewachsen zwischen Kung Fu und Schneiderei, interessierte sie sich sowohl für Mode als auch für Sport. Im Alter von 16 Jahren studierte sie ein Jahr lang in Italien, bevor sie ihr Studium an der renommierten Beckmans Hochschule für Design in Stockholm weiterführte. Dort machte sie 2008 ihren Abschluss und weckte mit ihrer Abschlusskollektion das Interesse von WEEKDAY. Ihre erste Kollektion für WEEKDAY entwarf sie 2009. Nhu Duong gewann 2012 den Young Fashion Industry Award auf der Stockholm Fashion Week und präsentierte im August desselben Jahres ihre eigene Kollektion für Spring/Summer 2013.

1.440 – die exakte Anzahl an Minuten, die ein Tag hat, wurde der Name der neuen Linie und steht somit in unmittelbarer Verbindung zum Namen WEEKDAY. Das Konzept hinter dieser Linie ist, Mode anzubieten, die man von morgens bis abends tragen kann. Vom Büro direkt auf die Tanzfläche. Angelehnt ist die Kollektion an die Ästhetik der Sportswear und wird als „gelassenen, aber gut gekleidet“ beschrieben.

Gemeinsam bei einer Tasse Tee stellte ich Nhu ein paar Fragen.

Woher kommt Ihr großes Interesse für Mode und wann haben Sie sich dazu entschlossen, Designerin zu werden?

„Meine Mutter war Schneiderin in Ho-Chi-Minh-Stadt, dort habe ich ihr immer bei der Arbeit zugeschaut und dabei schon immer mit Kleidern gespielt. Richtig angetan war ich aber erst, als ich mit 15 einen City Trip nach London machte und mich mit der Freundin von dem Bruder eines Freundes getroffen habe, die zu dem Zeitpunkt Modedesign studierte. Ich fühlte mich vom gesamten Umfeld inspiriert und kaufte mir gleich ein paar Modemagazine, wie The Face, I-d and Purple und dann war es um mich geschehen.“

Wie ist es für Sie, drei Kollektionen zeitgleich auf die Beine zu stellen?

„Ich finde es großartig, dass jungen Designern heutzutage die Möglichkeit geboten wird, in solch einem Umfang zu arbeiten und zu lernen. Wenn man viele verschiedene Dinge tut, lernt man, was wirklich in einem steckt und was man tatsächlich kann. Außerdem hilft es sehr, meine persönliche Arbeit von meinen etwas kommerzielleren Projekten zu trennen, so habe ich wesentlich größeren kreativen Freiraum, um bei meinen eigenen Kollektionen das zu tun, wonach mir ist.“

Wie bewältigen Sie das alles?

„Sowohl mit viel Planung und Struktur als auch in guter Zusammenarbeit mit dem besten Team. Es ist nicht immer einfach, aber anders würde es nicht klappen. Dies ist eine kreative Arbeit und du kannst nicht immer den kreativen Prozess planen, aber ich denke, es ist wichtig, sich einfach die Zeit dafür zu nehmen.“

Wie ist die Zusammenarbeit mit einer großen Marke wie WEEKDAY im Vergleich zu Ihrer eigenen Arbeit? Was sind die Vorteile und welche Schwierigkeiten äußern sich?

„Es war bisher ein grandioser Lernprozess, vor allem das Entwerfen einer Kollektion für eine breitere Masse. Zudem habe ich durch den internationalen Erfolg von WEEKDAY die Möglichkeit Kleidungsstücke zu entwerfen, die ich sonst nicht hätte produzieren können.“

Wen würden Sie gerne in der „1440“-Kollektion sehen?

„Ich bin vielmehr darauf gespannt, zu sehen, wie verschiedene Menschen auf die Kollektion reagieren und diese wahrnehmen. Es wird sehr spannend sein, zu sehen, welche Teile in welcher Stadt besonders gut laufen und vor allem, wie diese dann kombiniert werden.“

Welche sind Ihre Lieblingsstücke der „1440“-Kollektion?

„Da wären die körperbetonten Kleider, Trainingshosen und Anoraks, andererseits gibt es perfekte Styling-Pieces, wie die Sportleggins, Shorts und Laufhandschuhe. Die meisten Kleidungsstücke sehen auf den ersten Blick klassisch und minimalistisch aus, dennoch sind alle Teile multifunktional oder haben technische Applikationen, die sie interaktiv machen.“

Woher nehmen Sie die Inspiration?

„Allgemein nehme ich sie von überall her. Es ist ein konstanter Fluss von Ideen und Weiterentwicklung. Viele meiner Ideen kommen direkt aus meinem eigenen Kleidungsstil, mit dem ich viel experimentiere.“

Haben Sie eine bestimmte Stil-Ikone?

„Ich denke, dass viele meiner Freunde einen großartigen Style haben. Sie haben nicht viel mit Mode zu tun, aber sie wissen sich gut zu kleiden und überraschen mich mit Looks, von denen ich nicht mal wusste, dass sie mir gefallen würden.“

Wie würden Sie Ihren eigenen Stil beschreiben?

„Ich trage Sportleggins zu allem. Meistens kaufe ich Vintage-Kleidung von Designern, die ich mag, wie Issey Miyake, Azzedine Alaïa oder Helmut Lang.“

Sie teilen Ihre Zeit zwischen Stockholm und Berlin auf, können Sie uns ein paar Ihrer Lieblingslokale nennen?

„In Berlin wäre das Café Restaurant Manzini in der Ludwigkirchstraße 11, das ist mein Lieblings-Bistro. Der Markt am Winterfeldtplatz ist ein toller Lebensmittelmarkt und Andreas Murkudis ist der beste Fashion-Store. In Stockholm ist das Erste, was ich tue, ist bei Operakällaren zu essen. Snickarbacken 7 ist ein wunderschöner Store genau an der gleichnamigen Straße und Rosendals Trädgård ist ein traumhafter Garten in der Nähe der Stadt.

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