Nora Tschirner

Interview: Nora Tschirner alias Kiki über Weihnachten und „Alles ist Liebe”

am 04.12.2014 um 11:52 Uhr

Kurz vor Weihnachten ist die Geduldsader bei vielen von uns bereits mächtig angeschwollen – kurz vorm Platzen, um genau zu sein. So auch bei Kiki und Jan, Klaus und Viktor, Kerem und Simone, Hannes und Clara sowie Martin und Alice – den Protagonisten von „Alles ist Liebe“. Die romantische Komödie mit deutscher Bestbesetzung kommt am 4. Dezember 2014 in die Kinos und möchte allen Weihnachts-Stressern vorab die miese Laune nehmen, sie auf ein besinnliches Fest stimmen und zeigen, worauf es an Weihnachten doch eigentlich ankommt. Bei „Alles ist Liebe“ handelt es sich um eine romantische Episoden-Komödie, in der fünf Geschichten parallel laufen und am 24. Dezember, dem Fest der Liebe, enden. Bis zum heiligen Abend erleben die Figuren, die vom deutschen Who-is-Who verkörpert wurden, ein Auf und Ab der Gefühle, haben mit Geld- und Beziehungsproblemen, Schicksalsschlägen und Gewissensbissen zu kämpfen. Wir haben uns den Film schon vor dem Kinostart angesehen und Nora Tschirner, den deutschen Film-Liebling und Hauptdarstellerin in „Alles ist Liebe“, zum Interview getroffen. Warum genau wir auf Barbie, Buffy, Anglizismen und weiße Pferde zu sprechen gekommen sind, das erfahren Sie hier und in unserer Fotoshow.

Kikis (Nora Tschirner) einstiger Traummann Jan (Tom Beck) hat sich zu einem arroganten Schnösel entwickelt, Clara (Heike Makatsch) steht vor den Trümmern ihrer Ehe und kann ihrem Mann Hannes (Wotan Wilke Möhring) den Seitensprung mit der Grundschullehrerin ihres gemeinsamen Sohnes nicht verzeihen, Kerem (Fahri Yardim) belügt seine Simone (Katharina Schüttler), Klaus (Friedrich Mücke) weiß nicht, wie haltbar Liebe ist und bekommt kalte Füße, als er mit Viktor (Christian Ulmen) vorm Traualtar steht und Alice (Inez Bjorg David) und Martin (Elmar Wepper) müssen sich fragen, ob sie bisher alles richtig gemacht haben im Leben. Der Wahnsinn ist in „Alles ist Liebe“ also vorprogrammiert und das auch noch kurz vor Heiligabend. Bedenkt man nicht nur die Hauptrollen des Films, sondern auch die Nebenbesetzungen um Cordula Stratmann, Bernd Herzsprung und Nina Eichinger, könnte „Alles ist Liebe“ zum echten Festtags-Kracher werden.

Die Entscheidung für „Alles ist Liebe“

Wir trafen eine gut gelaunte Nora Tschirner im Soho House, dem Berliner Edelclub in Mitte, und stürzten uns direkt in unsere Vielfalt an Fragen, die sich bei einem solch Ereignis-geladenen Film durchaus ergeben. Auf unsere Frage hin, wie Nora Tschirner auf die Anfrage der Rolle als Kiki neben all den anderen großen, deutschen Schauspielern reagierte, brachte Nora Tschirner nicht nur Weihnachten viel Begeisterung entgegen: „Der Cast ist schon ziemlich köstlich, allerdings bin ich kein Mensch, der sich sagt ‘Wenn der mitmacht, mache ich auch mit’. Erstmal interessiert es mich nicht, wer da so mitspielt auch, wenn ich die Leute alle sehr mag, ihnen gern zuschaue und mich jetzt freue, Teil dieser Gruppe zu sein. Vor allem hatte ich einfach sehr große Lust mit Markus Goller, dem Film-Regisseur, zusammenzuarbeiten. Ich hatte ihn nämlich schon als tollen Regisseur kennengelernt, aus Zuschauersicht allerdings. Ich mochte auch die Idee eines Episoden-Weihnachtsfilms, ich liebe Weihnachten und Weihnachtsfilme. Ein Episoden-Film ist allerdings so etwas wie eine große Überraschungstüte, da werden die Puzzleteile erst am Schluss zusammengesetzt. Zudem hat die Tatsache, dass ich in ein riesengroßes, pinkfarbenes Geschenkkostüm schlüpfen durfte, die Entscheidung nicht unbedingt schwerer gemacht.“

Ein riesengroßes, pinkes Geschenkkostüm? Sie lesen richtig, da wären wir nämlich schon bei der ersten, witzigen Szene im Film, in der Kiki als eben solches verkleidet ziemlich peinliche Sachen durchmacht und sich beispielsweise in einer Weihnachtskutsche in die Hose, Pardon, ins Geschenk macht. „Dieses Kostüm war phänomenal, sehr schmeichelhaft und ein herrlicher Windschutz. Eigentlich sind solche Kostüme doch praktisch, auch für Promotionjobs im wahren Leben, sie erhalten einem in peinlichen Angelegenheiten die Anonymität.“ Einen kurzen Vorgeschmack auf das Geschenkkostüm gibt es hier für Sie:

Wie aber würde eine Nora Tschirner im wahren Leben auf eine so peinliche Situation reagieren? „Wenn ich mir jemals vor versammelter Mannschaft einpinkeln würde, könnte es schon sein, dass ich kurz mit der Wimper zucke. Aber wenn ich in einem Riesen-Geschenk sitze und nur so tue, ist das doch herrlich. Wenn ich schon beim Drehen lachen muss, weil das einfach so absurd ist, kann ich mir sicher sein, dass die Leute im Kino auch darüber lachen werden.“

Weihnachten im Hause Tschirner

Es sind die besinnlichsten Tage des Jahres, die Tage der Liebe, des Zusammenseins. Mit den Menschen, die einem am liebsten sind, genießt man großzügige Speisen, lauscht besinnlicher Musik und genießt die Ruhe der Festtage, so auch Nora Tschirner: „Mein perfektes Weihnachten sieht ganz klassisch aus: Riesen-Essen, geschmückter Baum, Süßigkeiten, Zeit, Musik und Gesang. Ich finde es schön mit der Familie zu singen. Leider macht man das viel zu selten. Und Plätzchen, ich liebe Plätzchen. Auch hier mag ich es klassisch. Lebkuchen hab ich zum Beispiel schon mal sehr gern. Ich mag Spekulatius, bei anderem Gebäck wird mir das Durcheinander der typischen Weihnachtsgewürze allerdings schnell zu viel. Es ist so wie bei ‘Buffy’, fünfte Staffel, man weiß nicht mehr so richtig, wo das Ganze angefangen hat und was man damit machen soll. Dann bleibe ich doch lieber bei Butterplätzchen, Schokolade und Zimt – Zimt ist an Weihnachten sehr wichtig. Im Fernsehen läuft natürlich ‘Drei Haselnüsse für Aschenbrödel’.“

Allerdings geht selbstverständlich auch an Nora Tschirner der vorweihnachtliche Stress nicht so ganz vorbei, sie versucht jedoch, sich selbst möglichst gut zu organisieren, um so wenig Hektik wie möglich an und vor dem heiligen Abend zu haben: „Ich versuche relativ früh im Jahr Platz zu schaffen, sodass ich Weihnachten mit möglichst viel Zeit und Muse angehen kann, im Dezember ganz gemütlich in Stimmung kommen und Geschenke vorbereiten kann.“

„Geschenke“ sind ein schönes Stichwort, dachten wir und fragten nach, wie üppig die Aufmerksamkeiten im Hause Tschirner ausfallen. „Eigentlich geht ja die Liebe an Weihnachten vor, allerdings finde ich es schön, wenn beides klappt, die Liebe und die Geschenke. In dem Moment, an dem man mit zur Faust geballtem Gesicht durch die mit weihnachtlichen Lichtern geschmückten Straßen hetzt und verzweifelt irgendein Geschenk sucht, ist jedoch schon irgendetwas schief gelaufen. Dann sollte man doch lieber auf Geschenke verzichten. Meine Traumvorstellung sieht daher so aus, dass ich Anfang Dezember jede Woche drei bis fünf Geschenke basteln kann, Basteln ist nämlich der Lieblingsteil beim ganzen Schenken, ich liebe das Verpacken. Leider kriege ich diesen Plan immer nur in Bruchstücken verwirklicht, aber allein der Gedanke daran, macht mir in der Vorweihnachtszeit schon Freude.“

Eine entspannte Sicht, die Nora Tschirner auf das Fest der Liebe hat. Doch sicherlich gab es auch bei ihr zu Kindheitstagen Weihnachtsfeste, an denen sie sich etwas sehnlichst wünschte und nie bekam. „Oh ja, ich wollte immer ein Pferd und einen Hund. Tiere, die viel Dreck machen und die man niemals einfach so einem anderen Menschen schenken sollte. Und eine Barbie habe ich mir mal gewünscht, die habe ich aber auch niemals bekommen, stattdessen die Ansage meiner Eltern, dass sie nicht wollen, dass sich mein Frauenbild verschiebt. Was ich im Nachhinein ganz gut fand. Michael Jackson fand ich auch faszinierend, meine Eltern fanden den allerdings daneben – von ihm hab ich auch nie was bekommen. Kulturbanausen!“

Der festliche Wahnsinn

Im Film „Alles ist Liebe“ geht grob gesagt alles schief, was in der vorweihnachtlichen Hektik so schief gehen kann. Es gibt Tränen, Stress, Geldnot, Schicksalsschläge und Zweifel, mit denen die armen Pärchen im Film zu kämpfen haben. Wie aber sieht das im wahren Leben aus. Gibt es das wirklich? Sitzen wirklich viele Menschen an Heiligabend allein Zuhause und trockenen die Tränen des Liebeskummers oder suchen Trost bei ihren besten Freunden? „Ich glaube, dass Konflikte an Weihnachten auch im wahren Leben oft vorkommen. Es richtet sich alles auf einen Punkt aus, alle Emotionen und Gedanken sind verdichtet. Allein, dass die Geschäfte drei Tage lang geschlossen sind, lässt manche ja schon zu Nervenbündeln werden. Dann verbinden die Menschen auch noch die unterschiedlichsten Dinge mit diesem Tag, das muss ja förmlich dazu führen, dass die Emotionen überkochen. Ich bin kein gebranntes Kind, das sich denkt ‘Boar, Familie, hab ich überhaupt keinen Bock drauf, am liebsten würde ich Alternativ-Weihnachten erfinden’, aber dass es mal Probleme gibt und jemand heulend am Tisch sitzt, das passiert schon. Alle paar Jahre wieder.“

Wenn es ähnlich wie bei ihrer Figur Kiki laufen würde, die sich an Heiligabend vorerst mit Snacks vor den Fernseher verkriecht und kläglich im Liebeskummer versinkt, wäre Nora Tschirner im wahren Leben eine gute Freundin, sagt sie: „Ich würde sie sofort zu mir holen. Was soll dieses ganze Festtags-Zeug denn für einen Sinn haben, wenn nicht gerade den, dass man die Zeit mit seinen Liebsten verbringt? Wenn also irgendjemand Einlass begehrt und zu meinen Liebsten gehört – klar! Hereinspaziert. Meine Freunde und meine Familie sind auch miteinander bekannt, die Grenzen verlaufen da eher fließend.“

Kiki und Nora im Vergleich

Kiki, eine der Hauptfiguren in ‘Alles ist Liebe’, gehört eindeutig zur Menschensparte „Kopf in den Sand“. Sie ist hoffnungslos in einen Schnösel verliebt, der sich selbst nur mit seinem Manager an der Seite ernst nimmt und mit lächerlichen Anglizismen um sich schmeißt. Soweit zu Kiki. Nun zu Nora Tschirner, gibt es denn Parallelen zwischen Kiki und Nora? „Kiki ist auf jeden Fall nicht komplett wesensfremd. Ich konnte mich durchaus mit einigen Sachen identifizieren, die Kiki so durchzieht. Und zu der Sache mit den Anglizismen und den arroganten Typen … also, … da fühle ich mich angesprochen. Das sind Personen, die man in der Branche durchaus häufiger antrifft.“ Nach einem kurzen Lachanfall, konnte die Schauspielerin ihre Intension dann auch weiter zum Ausdruck bringen: „Die Sache mit den Anglizismen kann aber echt eine Falle sein. Wenn man viel reist und amerikanische Freunde hat, kann das schneller passieren, als man denkt. Trotzdem: Poser nerven mich.“

Doch irgendwann kriegt sich Jan dann doch noch ein, schraubt seine Selbstverliebtheit ein wenig zurück und macht Kiki auf, sagen wir mal, besondere Art und Weise den Hof. Wie könnte man(n) einer Nora Tschirner denn so richtig imponieren? Raus mit der Sprache. „Das Bezaubernde daran ist ja, dass Jan augenscheinlich zugehört hat und das in einer Situation, die Kiki gar nicht so wichtig war, er Humor und einen gewissen Aufwand betrieben hat. Diese Kombination – ich weiß jetzt nicht, was es in meinem Fall speziell sein könnte – würde mich anziehen. Ich stehe beispielsweise nicht auf Flugzeuge mit 100-Meter-langen „Ich liebe dich“-Bannern oder Heiratsanträge auf dem Eiffelturm. Was aber auf jeden Fall dabei sein muss, ist ein Pferd. Ein weißes Pferd, das ist ja wohl klar. Oder, nein – UND ein Hund.“

Nora Tschirners Wort zum Schluss, warum sollte man sich „Alles ist Liebe“ ansehen? „Weil ich heute Bestimmer bin und mir das zu Weihnachten wünsche, für mich und Markus Goller.“

Nachdem wir nun wissen, wie sich Nora Tschirner ein perfektes Weihnachtsfest vorstellt, dass sie sich sehnlichst ein weißes Pferd wünschte, nie eine Barbie hatte und die Serie „Buffy“ irgendwie verwirrend fand, zeigen wir Ihnen in unserer Fotoshow erste Einblicke in den Film „Alles ist Liebe“ , der am 4. Dezember 2014 in den Kinos anläuft und wünschen der sympathischen Schauspielerin ein besinnliches Fest.

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