Original Unverpackt

Original Unverpackt: Einkaufen ohne Verpackungen

am 15.05.2014 um 17:10 Uhr

Gurken werden in Folien geschweißt, Kekse in Kartons zusätzlich separat verpackt, Teebeutel in Papiertüten gehüllt und Süßigkeiten in Silberfolie gewickelt – ganz normal, denken Sie? Das sehen drei junge Berlinerinnen anders und sagen dem Verpackungs-Wahn den Kampf an. Würde man nur einmal am Ausgang eines Supermarkts alle eingekauften Produkte von der Verpackung befreien, würden die bereitstehenden Mülleimer höchstwahrscheinlich gar nicht ausreichen, um all das Papier, die Folien und Pappe zu fassen. Was die drei Berlinerinnen dagegen tun möchten und wie ihre Idee funktionieren soll, erklären wir Ihnen hier und in unserer Bildergalerie.

Mehr als 16 Millionen Tonnen Verpackungsmüll fallen pro Jahr in Deutschland an – eine Zahl, die man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen sollte. Ist das denn wirklich nötig?

Einkaufen ohne Verpackungen

Drei junge Damen aus Berlin haben genug von den Fältchen, die sie durch das ständige Runzeln der Stirn beim Einkaufen davontragen. Runzeln, wieso? Weil sie den Sinn hinter den unnützen und teilweise albernen Verpackungen der Lebensmittel, Kosmetikartikel und Co. nicht verstehen. Ihnen kam die Idee, den ersten Supermarkt Deutschlands zu etablieren, in welchem man komplett ohne Verpackungen auskommen soll. Eine Idee, die nun in die Tat umgesetzt wird. Lola Mora, Sara Wolf und Milena Glimbovski wollen in diesem Jahr ihren Laden „Original Unverpackt“ in Berlin, vorzugsweise in den Bezirken Kreuzberg oder Neukölln, eröffnen. Für ihre Idee räumten die drei Jungunternehmerinnen bereits zahlreiche Preise ab (unter anderem „Bester Businessplan Berlin-Brandenburg“), nun ist der Traum der Nachhaltigkeit zum Greifen nah.

So wird es funktionieren

Die Grundidee hinter dem innovativen Supermarkt – wie man ihn eigentlich aus vergangener Zeit kennt, dieser allerdings in den wenigsten Köpfen noch in der Erinnerung weilt – ist ganz einfach und lässt sich mit dem Begriff „Precycling“ zusammenfassen. Dabei sorgt man eben dafür, dass es gar nicht erst zum Recycling von Müll kommen muss, da der Verpackungsmüll im Supermarkt so gut wie möglich vermieden wird. Alle Produkte werden in ihrer ursprünglichen Form ohne Folien, Papier und Co. angeboten. Ebenso wichtig ist, dass man, wenn man seine Einkäufe selbst proportioniert, auch nur so viel kauft, wie man wirklich braucht. Somit sollen auch weniger verschimmelte Lebensmittel im Müll landen. Ganz nebenbei würde auch der Werbe-Wahn, leere Versprechungen auf Verpackungen und das Marken-Denken einem Ende näher sein. So weit, so gut!

Ihre Idee verfolgen die drei jungen Berlinerinnen seit nunmehr einem Jahr und wollen es in diesem Sommer schaffen, tatsächlich ihren ersten Supermarkt in Berlin mit über 600 Produkten zu eröffnen. Das Einkaufen würde sich dort dann wie folgt gestalten: Kein eingeschweißtes Gemüse, keine Plastiktütchen, Kartons und Tetrapacks. Die Lebensmittel werden in Bulk Bins (große Holz- oder Platik-Gefäße zum Verkauf von losen Konsumgütern) aufbewahrt und vom Einkäufer in selbst mitgebrachte Behälter wie Plastikdosen oder Glasbecher gefüllt. Auch bei Duschgelen und Hygieneartikeln wird es ähnlich laufen, schließlich gibt es leere Behälter für Seifen und Co. en masse überall zu kaufen. Für die spontanen Einkäufer, denen auf dem Weg von der Arbeit nach Hause einfällt, dass sie noch Mehl oder Eier benötigen, hält der Supermarkt wiederverwendbare Behälter bereit.

Ganz allein sind Lola Mora, Sara Wolf und Milena Glimbovski mit ihrem nachhaltigen Denken allerdings nicht. In Bonn gibt es bereits einen Bio-Laden der gleichen Art und auch Kiel hält einen Einkaufsladen ohne Verpackungen bereit. Das Angebot der beiden Beispiele ist allerdings deutlich geringer als das, was die drei Berlinerinnen planen. Auch in London eröffnete 2007 ein „Unpacked“-Shop, dieser musste allerdings bereits wieder schließen. Bleibt zu hoffen, dass es in Berlin mit der Supermarktrevolution besser läuft.

Die Welt der Nachhaltigkeit

Wer das gesamte Konzept für altmodisch hält, braucht eigentlich nur zwei Zahlen, um vom Gegenteil überzeugt zu werden: Acht Millionen Müllteile pro Tag in den Weltmeeren und 1,3 Milliarden Tonnen verdorbene Lebensmittel jährlich – das schätzt die Naturschutzorganisation WWF.

Wie bei vielen nachhaltigen Projekten und Start-ups so üblich, finanziert sich die Idee von Spenden. Für die Realisierung ihres Ladens planten die Gründerinnen 20000 Euro ein. Während sie mit 45000 Euro dazu in der Lage wären, den Supermarkt mit allen Extras, wie einer Käsetheke, einer elektrischen Abfüllstation für Flüssigkeiten und flexiblem Mobiliar für Veranstaltungen auszustatten. Diese Grenze haben die drei Damen schon jetzt überschritten und konnten auf ihrer Crowdfunding-Seite großzügige Spenden durch engagierte Unterstützer sammeln. Nun dürfte der Eröffnung eines Marktes also nichts mehr im Wege stehen.

Sehen Sie sich Bilder der „Original Unverpackt“-Gründerinnen und ihrer Erfolgsgeschichte in unserer Galerie an.

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