PFW

Paris Fashion Week: Dior, Elie Saab, Céline und Co.

am 05.10.2015 um 17:48 Uhr

Am Wochenende erreichte die PWF ihren absoluten Höhepunkt: Vor lauter hochkarätigen Shows wusste man gar nicht, wohin man seinen modeliebenden Blick zuerst richten sollte. Raf Simons zeigte für Dior eine Vision von Reinheit und Purismus, Elie Saab fand zu neuen Daytime-Kreationen, Bill Gaytten holte für John Galliano den englischen Landadel auf den Laufsteg, Phoebe Philo tauchte für Céline in vielseitige Tartan-Spitze-Welten und Carol Lim und Humberto Leon gingen für Kenzo auf Weltreise. Alle Highlights dieser fünf Shows finden Sie nun hier und in unserer Bildergalerie.

Wie sollen wir uns nächstes Frühjahr nur auf einen Look festlegen? Unmöglich! Die Paris Fashion Week inspirierte uns dieses Wochenende einmal wieder mit mehr Modevielfalt, als es überhaupt Sommertage gibt. Deshalb setzen auch wir auf absolute Diversität.

Dior: Die Strahlkraft der Reinheit

Eine blumenbewachsene Kuppel mit pastellblauem Rittersporn direkt vor dem Louvre, aus den Lautsprechern tönt der ikonische Song „Elegia“ von New Order, die Modewelt hält für einen Moment den Atmen an und wird nicht enttäuscht: Raf Simons setzte einmal wieder die Messlatte erstaunlich hoch und rief mit seiner neuen Sommerkollektion 2016 einen romantischen Purismus aus.

Die Kollektion: Hauchfeine, transparente Stoffe, die wie zarte Überwürfe für ein irisierendes Gesamt-Strahlen sorgten, wurden von schweren Norweger-Pullovern in Crop-Top-Optik und edlen Egg-Shape-Silhouetten kontrastiert. Viktorianische Mädchenunterwäsche mit runden, verspielten Säumen traf auf elegante Anzüge mit leicht androgynem Touch – die Dior-Frau changierte zwischen Romantik, Purismus und Klassik, wie eine Zeitreisende, hin und her.

Folglich gab es lange Blazer und schwingenden Plissee, breite, horizontale Streifen auf Mänteln, verspielte Volant-Säume und hauchzarte, durchsichtige Ärmel, viel Organdy, seidene Parkas und zart gemusterte Bias-Cut-Kleider zu entdecken.

„Ich wollte, dass die Kollektion eine gewissen Reinheit ausstrahlt“, erklärte Raf Simons in der offiziellen Pressemitteilung des Traditionshauses seine Intention. „Es gibt viele Schichten aus der Vergangenheit zu sehen, von der viktorianischen Unterwäsche, die unter den transparenten Bias-Cut-Kleidern getragen wird und den „Bar Jackets“ sowie dem groben Strick, aber für mich persönlich fühlt sich alles trotzdem erstaunlich futuristisch und seltsam romantisch an. Als würde die Frau gerade dazu ansetzen, durch Raum und Zeit zu reisen.“

Unser Lieblingslook: Ein eleganter, perfekt geschneiderter Anzug aus schwarzem, schimmernden Stoff mit leichter Bügelfalte und breitem Revers.

Elie Saab: Glamour meets Streetwear

Der libanesische Designer gehört stets mit zu den elegantesten Highlights der PFW und addiert eine gehörige Portion an klassischem Glamour und opulenter Feminität zur den doch alltagstauglichen Ready-To-Wear-Looks. Dieses Jahr, eine kleine Überraschung: Saab sorgte für Dailywear vom Feinsten und ließ die modernen It-Models Gigi Hadid und Kendall Jenner über den Laufsteg schreiten.

Die Kollektion: Natürlich gab es sie immer noch – die umwerfenden Empire-Kleider mit wallenden Stoffschichten, den Red-Carpet-Glamour, das Prinzessinnen-Gefühl. Aber diesmal wurde die feminine Opulenz mit Tageswear aufgebrochen und mal mit modernen Bomberjacken, mal Nietengürteln kombiniert. Wallende, vor allem schwarze Spitze, und schwarze Schleifen fügten einen Hauch „Schwarze Witwe“ zur Kollektion hinzu, während die weißen Spitze-Kreationen mit einem Coachella-Boho-Feel versehen waren. Die alltagstauglichen Looks bestachen mit Hosenanzügen und bunten, schwarz umrandeten Blumenmustern, die für viel Bewegung sorgten. Ikonische Pieces, für die Saab weltberühmt ist, wie die transparente Spitzenhose, wurden zu Color-Blocking-Schluppenblusen und leuchtend, blauen Ledersandalen mit breiten Riemen kombiniert – ein Wow-Moment und sicherlich neues Kapitel in der Saab-Chronologie.

Unser Lieblingspiece: Ein wallendes, rotes Kleid mit moderner, asymmetrischer Schulterpartie und federleichten Seidenschichten.

Kenzo: Ein Reisetagebuch

Humberto Leon und Carol Lim sind ja bekanntlich überall in der Welt zu Hause: Es ist nicht das erste Mal, dass man von einer Kenzo-Kollektion auf eine exotische Expedition mitgenommen wird. Auch dieses Mal waren die Looks der Freiheit des Reisens gewidmet und standen unter dem Motto „Global Traveler“.

Die Kollektion: Was braucht die moderne Kenzo-Frau zum Reisen und wie sieht die Globetrotterin dabei aus? Sie ist in jedem Fall mondän und sportlich zugleich, elegant und leger und verliert dabei auch die praktische Seite ihrer Garderobe nicht aus den Augen. Umgesetzt wurden diese Befindlichkeiten mit Overknee-Sandalen mit Noppenstiften im Fußbett, Taschen mit Karabinerhaken und Schlaufen, 90er-Jahre inspirierten Gürteltaschen und luftigen, bequemen Silhouetten.

Maritime oder sandige Muster wie Meereswellen oder Sanddünen auf komfortablen Ensembles, bunte Tribal-Prints auf kurzen Kimono-Jäckchen, Lochstrick-Bodies zu legeren A-Linien-Röcken – ob nun Safari, mediterrane Exploration oder Wüstenspaziergang, die Kenzo-Frau scheint auf alles vorbereitet zu sein.

Unser Lieblingslook: Eine kurze Eggshape-Jacke in erdigem Safran, einem strahlend weißen Kragen und hervorragend dazu passenden, grau-melierten Ärmeln. Als würde Marmor auf Sand und Lehm treffen, auf der Reise zum Mittelpunkt der Erde.

Céline: Im Schmelztiegel der Feminität

Sie ist eine Meisterin der perfekt ausbalancierten Sinnlichkeit, der zurückgelehnten Eleganz, der kompromisslosen, femininen Freiheit. Phoebe Philo begeistert uns immer wieder aufs Neue mit ihren Kollektionen der weiblichen Selbstbestimmtheit: Auch dieses Jahr sahen wir im „Tennis Club de Paris“ eine bewusste Zusammenführung von Stärke und Sanftheit.

Die Kollektion: Es begann mit Lingerie-inspirierter Leichtigkeit aus Seide und schwarzer Spitze an Revers und Saum und endete mit geradlinigem Leder unter weiten Pumphosen. Auch Phoebe Philo schien für Céline auf Reisen gehen zu wollen. „Ich bin jemand, der sehr interessiert ist an der Frage, welche Gefühle Kleidung in uns erweckt und wie wir uns an verschiedenen Orten verhalten. Wenn Sie für ein Jahr auf Reisen gehen würden, was wäre es, was Sie mitnehmen würden?“, fragte Philo vor der Show im Gespräch mit der US-amerikanischen Vogue.

Exzentrik und ausladende Konzeptualität wurden für die Umsetzung über Bord geworfen und schufen Raum für elegante, funktionale Gedanken: So wirken Spitze und seidige Transparenz, schwingende Rocksäume, Plissee, Empire-Taillen, Puffärmel und U-Boot-Dekolletés bei Céline nicht etwa verspielt oder romantisch, sondern stark und irgendwie puristisch. Ein Gegensatz in sich selbst? Maskuline Elemente wie schwere Chelsea-Boots im Doc Martens-Stil, graue Tartan-Welten auf Oversized-Schnitten, Parka-ähnliche Jacken und khakifarbene Overalls mit Silber glänzenden Reißverschlüssen erinnerten hingegen an englische Menswear.

Unser Lieblingslook: Ein kompromissloses Ensemble bestehend aus einem schwarzen, kastenförmigen Satinkleid, einem grauen Karomantel mit Oversized-Silhouette und schwarzen Lederboots.

John Galliano: 50 Shades of British Chic

Mit dieser Sommerkollektion 2016 setzte Kreativdirektor Bill Gayton wieder auf die Wurzeln des britischen Modehauses und untersuchte die typischen anglophilen Modemerkmale durch ein Kaleidoskop der Geschichte. So fanden wohl die konträrsten britischen Einflüsse wie Landadel und Punk, Uniformen und Unterkleider zusammen.

Die Kollektion: Die Gegensätze des 20. Jahrhunderts in einer anmutigen Fusion – ist das überhaupt möglich? Ja, diese Sommerkollektion wirkte tatsächlich nicht etwa wie ein Stil-Clash, sondern viel eher wie eine hochfunktionale Symbiose. Die blaublütige Lady fügte sich zum Punk wie eine transparente, hauchzarte Culottes zur nietenbestickten Lederjacke, der glänzende Frack zum dünnen Überkleid und die imposanten Pickelhauben zu Polka-Dots und schimmernden Strumpfhosen. Den Mittelpunkt der Kollektion bildeten in jedem Fall aber die atemberaubenden Abendkleider aus durchsichtiger Seide, schwingenden Volants, funkelnden Pailletten, edler Spitze und aufwendigen Stickereien: Ein luxuriöser Fundus, der an die Abendgarderobe unserer Lieblingsfigur der Erfolgsserie „Downton Abbey“ erinnert: Eine junge Lady Mary, die jedoch, bevor sie ihre Gemächer verlässt, eben schnell die Lederjacke und Lederschnürer des Chauffeurs schlüpft.

Unser Lieblingslook: Ein weißer Herrenanzug mit legerer Silhouette unter einem Frack-ähnlichen Jackett – herrlich nonchalant.

Entdecken Sie nun alle Keylooks der Sommerkollektionen 2016 von Dior, Elie Saab, Céline, Kenzo und John Galliano nochmals in unserer Bildergalerie.

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