Fashion Week

Die Highlights der Paris Fashion Week: Gaultier, Dior, Céline, Chloé und Co.

am 29.09.2014 um 18:41 Uhr

Paris, Paris, je t’aime: Für viele ist Paris stets Höhepunkt und Finale der internationalen Modewochen. Kein Wunder: Nirgends sonst sind die Inszenierungen aufwendiger oder glamouröser, nirgends sonst geben sich Traditionshäuser in einem solchen Maße die Ehre. Wir haben für Sie die schönsten Fashion Shows der französischen Modewoche unter die Lupe genommen: Erfahren Sie hier und in unserer Bildergalerie alle Highlights zu den Shows von Chloé, Jean Paul Gaultier, Christian Dior, Céline und Co.

Folkore-Elemente und romantische Hippie-Einflüsse konnte man im Zuge dieser Fashion Week sehr oft entdecken. Das tonangebende Inspirations-Jahrzehnt lautete in jedem Fall: Wild, wild 70s. Die Interpretationen waren jedoch fast gegensätzlich: Während Waight-Keller für Chloé dem Ruf nach Freiheit folgte und eine traumhafte Kollektion mit Esprit und Lagerfeuer-Romantik über den Laufsteg schickte, sorgten andere für düstere Hippie-Referenzen oder wildes Disco Fever. Auch die Eleganz im Schein der Moderne wurde diese Paris Fashion Week konträr gedeutet: Sowohl Céline als auch das Traditionshaus Dior erschufen ihre eigenen, modischen Zeitreisen abseits von vorherrschenden Trends. Ewiges Enfant Terrible und Meister der ikonischen Exzentrik Jean Paul Gaultier verabschiedetet sich unterdessen mit einem gebührenden Spektakel von seiner Prêt-à-porter-Linie.

Ambivalentes Jahrzehnt: Die 70s zwischen Chloé und Balmain

Gaby Aghion, die Gründerin des Traditionshauses Chloé, verstarb gestern im Alter von 93 Jahren. Clare Waight-Keller, seit 2011 Creative Director bei Chloé, widmete der großen Designerin ganz spürbar ihre Frühjahr/Sommer-Kollektion 2015. Ethnische Einflüsse und modische Attribute der 60er und 70er Jahre beschworen eine moderne Folkore, aufwendige Jacquard-Stoffe, Schnürelemente, Spitze, gewaschene Jeansstoffe, Häkelelemente und eine Farbpalette von Senfgelb, Beige, Camel bis hin zu Blau und zarter Minze riefen eine sanfte Vision von Freiheit, Liebe und Fernweh auf den Plan. Damals schon in den 50er Jahren empfand Aghion die französische Mode als zu steif, fast förmlich und verarbeitete in ihren Entwürfen viel lieber orientalische und ethnische Einflüsse. Nun gelang Waight-Keller rund 60 Jahre später eine gelungene Hommage an eine der größten Modedesignerinnen unserer Zeit – Chapeau.

Bei Balmain dagegen erlebten die 70er ein Disco-Revival und trafen auf die sie dominierenden 90er. „Express yourself, don‘t surpress yourself!“ sagte Olivier Rousteing sei seine Inspiration für die Kollektion gewesen und sein Wunsch daher, die Frau so sexy und stark wie möglich in Szene zu setzten. Die 90er Jahre fanden sich vor allem in den kräftigen Farb-Kombinationen wie Schwarz-Gelb, Rot-Schwarz oder Blau-Schwarz, starken Blockstreifen, Neckholder-Tops, bauchfreien Bandeaus, viel Transparenz, auffälligen Gürtelschnallen und ausladendem Halsschmuck. Interessant waren auch die direkten Laufsteg-Referenzen aus den 90er Jahren: Einen weißen Haute Couture-Anzug von Givenchy von 1997 zitierte Rousteing, der übrigens selbst erst 28 Jahre alt ist, fast Eins zu Eins. Die 70er fehlten, wie bereits angemerkt, auch nicht: Schlaghosen, glitzernde Stoffe und Jersey à la Studio 54, Oversize-Blazer in Kastenform und ein Highlight der Show – ein über und über mit Glitzersteinen veredelter Jumpsuit – setzten alle Zeichen auf wilde, heiße Disco-Nächte.

Zweifache Moderne: Céline vs. Christian Dior

Im Jahr 2008 setzte Phoebe Philo an, die weibliche Eleganz zu revolutionieren: Durch fließende Stoffe, klare Linien, sanfte Farben und ein unglaubliches Laissez-faire. Seitdem gilt Céline als Inbegriff für schlichte, moderne Eleganz. Für die neue Saison griff Philo so einige, frische Attribute auf: Vor allem waren es die Blumenmuster sowie andere dekorative Elemente, die den für Céline so typischen Minimalismus weiterentwickelten, erweiterten: Wogende Fransen am Rocksaum, ausladende Knopfleisten, die sich über die gesamte Silhouette erstreckten, wildes Layering und eben genannte, nahezu romantische Blumenmuster auf geraden Business Wear-Schnitten. Romantisch war dabei aber NUR der Print, die Schnitte blieben gewohnt modern und fließend. Auch die Céline -Grundtöne Schwarz und Weiß bildeten die Basis für die gesamte Farbpalette der Kollektion. Im Großen und Ganzen war die Kollektion eine Absage an den sonst so vorherrschenden 70s-Trend: Referenziert wurden eher die 40er Jahre ohne jegliche Nostalgie: Moderne Overalls mit Bügelfalte und grafischem V-Ausschnitt, Cut-Outs an Hüfte und Taille, elegante, fließende Hosen und als Hingucker ein Taillengürtel mit goldenem Glöckchen.

Modern – das waren auch die Entwürfe des Traditionshauses Christian Dior. Die Frage „Was ist überhaupt modern?“ soll sogar nach Aussage von Dior-Chef Designer Raf Simons die Ausgangsüberlegung für die gesamte Kollektion gewesen sein. Simons Antwort war eklektisch, changierte durch sämtliche Stile, Jahrzehnte, sogar Epochen, und vereinte mühelos die stärksten Gegensätze: Da fanden Elemente aus dem 18. Jahrhundert zu moderner Streetwear, Stücke klassischer Herrenmode – wie der Frack – zu asiatischen Entwürfen, elegante Seidenmäntel zu frechen Skatershorts, sportliche Crop-Tops zu ballonförmigen Midi-Röcken im Barock-Stil und High Heels zu gemusterten Strick-Stulpen. Überspitzt formuliert: Normcore traf auf Sportswear traf auf Antik-Look. Mit dieser Kollektion ist es Simons tatsächlich gelungen, etwas wahrhaft Modernes zu erschaffen: Indem er eine ganze Jahrhundert-Palette an modischen Referenzen mit dem Heute und dem Morgen verschmolz, komponierte er eine neue Auffassung von Modern, nicht in dem Sinne von „Noch nie dagewesen“, sondern eher im Sinne von „Noch niemals so kombiniert.“ Grandios!

Jean Paul Gaultier: Au Revoir mit Knall, Konfetti und Glitzerregen

Eine historische Reise durch Jahrzehnte an Signature-Looks, ikonischen Trends und geschichtsträchtigen Referenzen gab es auch bei der letzten Show von Jean Paul Gaultier für Gaultier zu entdecken. Der Meister verabschiedete sich nach 28 Jahren, wie erwartet mit einem exzentrischen Knall und einer bunt inszenierten Miss-Wahl, die eher an einen kapriziösen Cabaret-Abend als an eine Fashion-Show erinnerte. Moderiert wurde das Spektakel von Gaultier-Muse Rossy de Palma, die spontan auch einmal die Hüllen fallen ließ und im Gaultier-Icon-Korsett über den Laufsteg stolzierte. Unterteilt wurde die Show in unterschiedliche, thematische Kategorien, die jeweils eine Schaffensepisode des Meisters widerspiegelte: Miss Marniere, Miss Hommage à Madame de Palmay, Miss Tour de France, Miss Meteo, Miss Redactrice de Mode, Miss Femme de Footballeur, Miss Vintage, Miss Smoking und Miss Lucha Libre – so hießen die Linien und, wie der Name es schon verrät, sorgten sie für Exzentrik, Spaß, Glamour und den einen oder anderen spontanen Lacher.

Die „Miss Smoking“-Linie verkörperte Gaultier-typische Nadelstreifen, Anleihen der Herrenmode mit Blazern, verführerischen Details wie Schlitzen und Asymmetrien und viel Schwarz-Weiß-Kontrasten. Die Linie „Miss Rédactrice de Mode“ war neben „Miss Femme de Footballeur“ sicherlich die humorvollste: Hier schickte Gaultier die Models im Stil bekannter Moderedakteurinnen über den Catwalk: Da sah man dann eine Lindsey Wixson im Suzy Menkes-Look oder eine Chantal Monaghan im Carine Roitfeld-Style – pures Amüsement und ein Augenzwinkern auf die langjährige Beziehung Gaultiers mit der Presse. Miss Jean Paul Gaultier 2015 wurde am Ende übrigens Coco Rocha, natürlich im ewigen Gaultier-Klassiker: Dem seidigen, nudefarbenen Korsett mit zugespitzten BH-Cups. Ein Stück, das wirkliche Modegeschichte geschrieben hat.

Entdecken Sie die Highlights und Key-Looks der SS 2015-Kollektionen von Jean Paul Gaultier, Christian Dior, Céline und Co . in unserer Bildergalerie.

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