Fashion Week

PFW: Die Key-Looks von Valentino, Stella McCartney, Louis Vuitton und Co.

am 01.10.2014 um 18:14 Uhr

Dass sich diese Paris Fashion Week SS 2015 hauptsächlich um die Renaissance der wilden, bunten 70er Jahre in all ihren verschiedenen Facetten dreht, sollte mittlerweile wirklich jeder mitbekommen haben. Es ist nämlich wirklich erstaunlich, wie stark sich der rote Faden zwischen luxuriösem Hippietum, düsterer Romantik und wildem Disco Fever durch sämtliche Kollektionen zieht. Auch Valentino, Saint Laurent, Paul & Joe, Louis Vuitton und Stella McCartney ließen sich mehr oder weniger von den wilden 70s inspirieren – jede Kollektion trug den Geist des Jahrzehnts auf seine eigene Weise über den Catwalk. Erfahren Sie hier und in unserer Bildergalerie alles zu den fünf Shows!

Nach den ersten Tagen der Paris Fashion Week war klar, wohin die Reise geht: Back to the 70s! Nach Elie Saab, Chloé, Balmain, Dries van Noten, Givenchy, Giambattista Valli und Céline war man sich sicher, man habe bereits jede Facette des ereignisreichen Jahrzehnts in Szene gesetzt gesehen, aber weit gefehlt: Auch die langersehnten Shows von Valentino, Saint Laurent und Louis Vuitton kannten vor allem eine zeitliche Referenz.

Valentino

Zwar knüpfte das Designer-Duo Maria Grazia Chiuri und Pierpaolo Piccioli an den Stil der vergangenen Valentino-Kollektionen an und lieferte eine verträumte Reise durch das Italien des 18. Jahrhunderts, dennoch übten Flower-Power, Spitze und eklektische Elemente einen großen Einfluss auf die aktuelle Kollektion aus. Die Silhouette war Valentino-typisch: Hochgeschlossen, reich und romantisch bestickt und oft mit verführerischem Rückenausschnitt versehen, zudem wurde jedes Outfit mit filigranen Römersandalen mit schmalen Lederschnüren kombiniert.

Im ersten Teil der Kollektion traf dunkles, königliches Blau auf edles braunes Leder, die Kleider mit filigranen Cut-Outs in Schürzen-Form wirkten gestärkt, fast steif, und erweckten Assoziationen mit historischen Gouvernanten-Kleidern. Weiter ging es mit einer romantischen Interpretation des 70s-Trend bis ins letzte Detail: Vom Patchwork, der weißen Spitze, den Schlaghosen bis hin zum geflochtenen, locker gezwirbelten Haar ließ das Duo Chiuri & Piccioli seine Kollektion kurz im bunten Hippie-Trend aufgehen. Doch schnell wurde die 70s-Intepretation wieder in eigene Bahnen gelenkt: Pastellige Bonbonfarben ersetzten das kräftige Grün, Weinrot und Braun und ließen den Patchwork-Trend in einem völlig neuen Licht erstrahlen. Den letzten Teil der Kollektion dominierten extrem filigrane Cut-Outs, kunstvolle Scherenschnitt-Optik und die für Valentino typischen Traumkleider aus pastelligem Tüll, viel Transparenz und luftigen Schnitten.

Highlights: Muster in Form von filigranen Verästelungen in imposantem Metallic – fast so, als wäre ein Tintenfass voller goldener Farbe auf den gestärkten Seidenstoffen ausgelaufen, orientalische Perlenstickereien und zauberhafte Prints mit Seesternen und Korallen, die an antike Meerjungfrauen erinnerten.

Saint Laurent

Iggy Pop und David Bowie lassen grüßen! Hedi Slimane inszenierte die Subkultur des Glamrock der 70er-Jahre und setzte damit seinen eigenen Standpunkt zur Neuinterpretation des Jahrzehnts. Flower Power und eine sanfte Hippie-Attitüde suchte man hier nämlich vergebens: Vielmehr schickte Slimane eine Horde an wilden, sexy Glamrock-Groupies über den Laufsteg, bereit durch die Nacht zu feiern und zu tanzen. Die Einflüsse seiner Wahlheimat Los Angeles sah man deutlich in dieser Kollektion, aber auch die Subkultur Londons sah man in den Entwürfen durchblitzen. Auch war der Glamrock der 70er-Jahre eine deutliche Referenz an den Rock’n’Roll der 50er-Jahre: So sah man ein goldfarbenes Träger-Kleid mit Wasserfall-Ausschnitt, Blumenprints zu Camouflage, animalisches Leo-Muster, Mini-Kleider, Jeans-Röcke, hautenge Lederhosen mit Blazern und Neckholder-Tops und natürlich jede Menge Pailletten, Glitzer und Stardust. Akzente setzten Federn, Pelzjäckchen, original geformte Porkpie- und Fedorahüte, schwarze Satin-Turbane, Nietengürtel und oft funkelnde, glitzernde Plateau-Sandalen, dazu halbtransparente, schwarze Strumpfhosen, von denen man fast erwartet hätte, dass sie stilecht mit Laufmasche getragen wurden.

Highlight: Ein giftgrüner Pelz, der eine Referenz auf den ebenso farbigen Mantel von Yves Saint Laurent aus dem Jahre 1971 war und herrlich samtige Jäckchen mit Glitzerprints in Form von Feuerwerken. Mag die Kollektion weder elegant, noch zeitlos sein, für alle It-Girls und Anhängerinnen des zügellosen Nachtlebens von West bis Ost, wird diese Slimane-Kollektion ein absolutes Muss sein.

Stella McCartney

Oh Stella! Die Königin der entspannten Feminität und reduzierten Eleganz zeigte sich einmal wieder von ihrer besten Seite: Oversize-Looks mit schwingenden Culottes, flatternden Röcken, zarten Kleidern: Alles wirkte locker-lässig, subtil und unangestrengt. Die Materialien versprachen wie immer die perfekte Fusion von Luxus und Komfort. Den 70s-Trend verarbeitete die Designerin so subtil, dass er nur ab und zu durch die Entwürfe hindurch schimmerte: Da waren zum Beispiel ausladende Allover-Ethno-Prints auf zarten Kleidchen mit Spaghettiträgern, mit Cut-Outs geschlitzte Schlaghosen, ein eindrucksvoller All-Jeans-Overall und ein sandfarbenes Kleid mit tief auf der Hüfte sitzenden Ausschnitten – hier spürte man sogar fast einen sehr modernen, dennoch indianischen Anklang. Ansonsten versprach die Kollektion ein hundertprozentiges McCartney-Gefühl: Zarte Nude-Töne, aufgeräumtes Eisgrau, flatternde Stufenkleider, Capes und seidiges Tartan.

Highlights: Ein locker-lässiger Seidenmantel in edlem Altrosa und eine pastellblaue Kleid-Mantel-Kombination mit hauchdünnem Allover-Tartanmuster. Der subtile, leise Sexappeal mancher Outfits ist tatsächlich kaum zu überbieten.

Paul & Joe

St. Tropez trifft auf Wilden Westen! Die Designerin Sophie Mechaly ließ für das Label Paul & Joe den 70s-Trend mit ein bisschen Indianer Joe verschmelzen. Auf der einen Seite sorgte ein gewisses Jetset-Flair für Eleganz, Luxus und einen Hauch Grandezza. Edle Damenanzüge waren mit den typischen 70s-Elementen versehen: Schlaghosen, lange Blazer mit breitem Revers, Brusttaschen, buntes Paisley und Blumenprints. Dazu gab es fließende Seidenhosen und Blusen mit rundem Bubikragen sowie weite, flatternde Seidenkleider in A-Linie – für den obligatorischen Spaziergang entlang der Riviera. Maritime Assoziationen riefen auch die breiten Streifenprints in Navyblau und Lachs auf den Plan. Auf den Köpfen trugen die Models lässige Hüte, im Stil verortet irgendwo zwischen Strandhut mit breiter Krempe und sexy Cowboy-Hut. Nach Wildem Westen riefen auch die cognacfarbenen Verloursleder-Elemente, Shorts, Latzhosen oder Capes mit Fransen sowie die braunen Allover-Eulenprints auf blauer Seide.

Highlight: Der Eröffnungslook, getragen von Lindsey Wixson, war gleich auch eines der Highlights: Ein klassischer 70s-Hosenanzug mit feinem Paisleyprint in Rot, Grün und Weiß und dazu cognacfarbene Sandalen.

Louis Vuitton

Nicolas Ghesquière ist bekannt für seine außerordentliche, interdisziplinäre Kreativität. Nicht wenig verwunderlich erschien es daher, dass die Louis Vuitton Show SS 2015 erst einmal mit einer Art eigens inszeniertem Kurzfilm startete: Auf weiße Projektionsflächen inmitten des Catwalks wurden die ebenmäßigen Gesichter der Laufsteg-Models in Großformat abgebildet. Im Gleichklang lieferten die androgynen Stimmen im Sprechchor vereint eine Einführung zur Show und setzten alle Zeichen erst einmal in Richtung Futurismus: „The audience is asked to sit in a place that doesn’t exist for now, a ship surrounded by gigantic woodland, a ship made up of 3600 glass panels, 15.000 tons of steel. A ship, that serves as an incubator and ignites our fellow creative minds. (…) Oh yes I forgot to tell you, today, October 1., the house wants to explore the ability to travel to any part of the universe without moving. The journey starts here, in this place soon named ‘The Fondation Louis Vuitton’.”

Mit ‚Fondation Louis Vuitton‘ ist eine Kunstsammlung aus dem Hause LVMH gemeint, die ganz offiziell am 27. Oktober 2014 eröffnet werden soll, im selben Gebäude, in dem auch die Show stattfand: Im „Raumschiff“, einem neuen architektonischen Pariser Meisterwerk, entworfen von Frank Gehry. Der einführende Clip mit seiner Wortwahl und die futuristischen Assoziationen schufen im Handumdrehen eine besondere Erwartungshaltung an die Kollektion. Was dann folgte, kann man folgerichtig als einen 70s-meet-Kubricks-Space-Odyssey-2001-Look deuten. Falls nämlich jemand den aktuellen 70s-Look in die Zukunft transportieren hat können, dann wohl Ghesquière.

Seine eigene persönliche Reise mit Louis Vuitton dauert nun bereits schon ein Jahr, glücklicherweise holte der Creative Designer das Publikum mit einer vertrauten Kontinuität ab. Die modische Destination Ghesquière-Vuitton wurde sozusagen fortgesetzt, nicht neu begonnen: Der hochgeschätzte, handwerkliche Aspekt des Traditionshauses stand auch diesmal im Fokus. Kurze Miniröcke und Blusen, ausgestellte Hosen und Blazer im 70s-Stil, alle versehen mit unglaublicher Detailverliebtheit, geschnürten Elementen, Spitzen- und Häkeleinsätzen. Extrem 70s waren dann die Highwaisted-Schlaghosen aus Pannesamt, teilweise sogar wild und psychedelisch gemustert, mit passendem Blazer oder sexy Lederjacke.

Highlights: Man bemerkte einmal mehr, dass Vuittons starke Seite bei der Taschen- und Schuhproduktion liegt. Hier konnte man wahre Schmuckstücke entdecken: Knöchel- oder kniehohe Stiefel aus dunklem Krokoleder, sowie gesteppte, auffällige Handtaschen mit Streifenprints in Schwarz-Braun-Blau, selbstverständlich versehen mit einem großen, funkelnden LV.

Entdecken Sie alle Highlights der fünf Shows von Valentino, Saint Laurent und Co. hier in unserer Bildergalerie.

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