Paris Fashion Week: Rick Owens, Lanvin, Talbot Runhof und Barbara Bui

am 05.10.2015 um 12:17 Uhr

Tag drei der Paris Fashion Week hielt so einige Überraschungen für uns parat: Enfant Terrible Rick Owens schnallte seinen Models andere Models um den Leib und ließ sie die menschlichen Pakete mit sicherem Schritt über den Laufsteg tragen, Lanvin holte den Glamour vergangener Jahrzehnte auf den Catwalk zurück und setzte auf ein funkelndes Cabaret-Feeling. Barbara Bui ließ es gewohnt sexy und unkompliziert angehen und Talbot Runhof zeigten fließende, harmonische Silhouetten mit einer Hommage an Marella Angelli. Alle Infos, Fakten und Highlights dazu hier und in unserer Bildergalerie .

So langsam aber sicher nahm auch die Paris Fashion Week an Fahrt auf und begeisterte uns mit den maximalen, künstlerischen Gegensätzen: Rick Owens, Lanvin, Talbot Runhof und Barbara Bui an nur einem Tag? Mehr Antithese geht nicht.

Barbara Bui: Rock’n’Roll trifft Jet Set

Ihr Markenzeichen? Gedeckte Farbpaletten und traditionelle Materialien wie Leder und Wolle, die drapiert, geflochten oder auch gerne mal gewickelt werden. Die französische Designerin Barbara Bui liebt eben ihre Gegensätze: Puristisch und verspielt, feminin und maskulin, Leder und Seide. Auch ihre Sommerkollektion 2016 spiegelte all die klassischen Bui-Elemente wieder, ohne überholt zu wirken.

Die Kollektion: Wir entdeckten ein bisschen Rock’n’Roll, ein bisschen Jet-Set, eine kleine Prise Garçon-Stil und einen Hauch urbaner Powerfrauen-Eleganz. Laut Bui war die Kollektion eine kleine Liebeserklärung an Bianca Jagger: Gewickelte Crop-Tops aus glattem Leder zu sleeken Ensembles, Bikini-Oberteile zu heißen Ledershorts mit weiten, offenen Flatter-Kleidern aus Seide und schimmernde Anzüge in Schlangenhaut-Optik erinnerten an eine Big-City-Safari mit 80er-Jahre-Retro-Färbung. Später folgte dann noch eine Poncho-Note mit viel braunem und auberginefarbenem Nappaleder, kunstfertigen Korsett-Gürteln und geräumigen, dazu passenden Umhängetaschen.

Die Farben: Eine intensive und besonders markante Farbe stach immer wieder heraus: Pink! Als aufregender Komplettlook mit Shorts, Triangel-BH und Seidenkleid, oder als Ensemble aus knielanger Nappalederhose und scharf geschnittenem Blazer – die Farbe des Tages leuchtete zwischen gedeckten Aubergine- und Brauntönen wie eine kleine Kampfansage hervor.

Unser Lieblingslook: Eindeutig der harlekinesque Schlangenhaut-Anzug im absoluten 80s-Retro-Look mit feinen Karrees in Aubergine, Schwarz und Braun. Rock’n’Roll trifft It-Girl!

Rick Owens: „She ain’t heavy, she’s my sister“

Es ist jedes Mal ein Termin, der rot im Kalender angestrichen wird: Rick Owens zeigt und am nächsten Morgen explodiert das Internet mit den wildesten Reaktionen. Nach freigelegten Penissen und einer „Kill Angela Merkel“-Message, finden wir uns nun mit einer neuen Geste der Körperlichkeit konfrontiert. Allerdings sehr zu Gunsten des starken Geschlechts. Und wir meinen nicht Sie, liebe Herren.

In letzter Zeit war es mehr als üblich, dass viele Designer darüber sprachen, sie würden ihre Kollektion den „starken Frauen der heutigen Zeit widmen“. Auch wenn diese Botschaft die meiste Zeit durchaus positiv gemeint ist, versteckt sich dahinter doch ein großer Widerspruch. Indem man Stärke als eine Charaktereigenschaft definiert, die nur in bestimmten Frauen zu finden ist, die nicht angeboren, sondern ‚angelernt‘ ist, fokussiert man einmal wieder das gesamte Geschlecht auf eine Zweiteilung: In starke und in schwache Frauen. Rick Owens bildet sich einmal wieder seine eigene Meinung dazu und macht mit seiner neuen Kollektion nicht den gleichen, oben genannten Fehler: Er unterscheidet zwischen starken Frauen und weiblicher Stärke – und zollt somit letzterem seinen bisher größten Tribut.

„Cyclops“ – so nannte Owens seine neue Damen-Sommerkollektion 2016, wie übrigens auch schon seine Herrenkollektion, und statierte in seinem öffentlichen, höchst interessanten Statement: „Der Zyklop ist eine mythische Kreatur, gesegnet mit der großartigen Eigenschaft des fokussierten Blicks. In meiner Herrenkollektion war dieser Fokus treibend und aggressiv. Auf Frauen übertragen, sehe ich den fokussierten Blick viel mehr als Ausdruck von Nahrhaftigkeit, Schwesternschaft, Mutterschaft und Regeneration. Frauen heben Frauen, Frauen werden Frauen, Frauen unterstützen Frauen – eine Welt der Frauen, über die ich wenig weiß und nur in meinem eigenen, kleinen Rahmen meine Vermutungen anstellen kann. Die Gurte können natürlich auch Beschränkung bedeuten, aber hier stehen sie für Support und Geborgenheit. Fesselgurte werden zu Liebesbändern.“

Die Kollektion: Natürlich waren die drapierten, verdrehten und zusammengekrümmten Körper, die die Models wie menschliche Rucksäcke, entweder an Bauch oder Rücken geschnallt, über den Laufsteg trugen, das absolute Highlight der Fashion Show – trotzdem sollte man aber auch die Kleidung nicht ganz aus den Augen verlieren. Diese hatte nämlich auch einiges an Neuerungen zu bieten: Neben den gewohnt dystopischen Fusionen mit viel Schwarz, Leder und aufregenden Wickelungen, gab es einen neuen, organischen Touch zu entdecken. Glänzende Seide, hauchfeines Organza und rohe Segelstoffe fanden zu nahezu floralen Elementen mit bronzefarbenen Bahnen. Helle, feste Leinenstoffe waren zu fast eleganten Faltungen gelegt und wirkten wie expressionistische Cocktailkleider. Stets präsent natürlich: Die Fesselgurte – ob nun mit oder ohne menschlichem Gewicht.

Unser Lieblingslook: Ein helles, knielanges Kleid mit drapierten Bahnen in Bronze und Silber sowie puderfarbenen Schulterelementen. Rick Owens neue Weiblichkeit?

Lanvin: Willkommen im Cabaret

Und nun zum absoluten Kontrastprogramm: Alber Elbaz brachte für das Traditionshaus Lanvin wieder einen Schwung ordentlicher Party-Fashion-Attitüde in die französische Hauptstadt und holte den funkelnden Glamour zurück. Neben herzförmigen, pinken Cookies und sprudelndem Himbeer-Champagner, leuchtete ein übergroßes Lanvin-Schild im Cabaret-Stil über dem Laufsteg.

Die Kollektion:„Es ist eine Zelebration von Weiblichkeit, von Farben, von Glanz und Volumen, von Schleifen und von Kristall“, sagte Elbaz in seinem offiziellen Statement und fuhr die gesamte Palette an Feminität voll auf. Von Pailletten-besetzten Flapper-Kleidern, funkelnden Cardigans, der klassischen A-Linie, reichen Juwelen-Stickereien, ausladenden Halsschleifen, edler Spitze und spitzen Pumps war alles dabei. Die gesamte Show war sogar in farbliche Akte geteilt – wie bei einer echten Varieté-Performance: Auf die schwarz-weiße Daywear mit einem Hauch von Garçon-Stil, folgten feine, simple Seidenkleider und dann aufregende abendliche Cocktailkleid-Kreationen. Auch die Accessoires waren reich und funkelten soweit das Auge reichte: Chandelier-Ohrringe, die ikonische Lanvin-Clutch mit besagtem Schriftzug, schweren Broschen und Schichten an Halsketten schmückten die Models.

Unser Lieblingslook: Ein funkelndes Ensemble bestehend aus einem goldenen Kurzmantel und einem Rock mit großflächigem Handtaschen-Print – ikonisch!

Talbot Runhof: Mühelose Eleganz und eine Muse aus der Vergangenheit

Kennen Sie Marella Magnelli? Die einstige First Lady der legendären Fiat-Familie und gebürtige Adelige lebte ein luxuriöses Leben, voller Eleganz und Grandezza und wurde von Truman Capote zur Schönsten des legendären „Schwanen-Zirkels“ gezählt: Einer exklusiven Liga von unglaublich wohlhabenden, stylischen und interessanten Frauen der 60er-Jahre. Für die Designer Johnny Talbot und Adrian Runhof war sie die absolute Inspiration für die neue Sommerkollektion und sorgte für eine Linie wie aus dem Bilderbuch.

Die Kollektion: Fließende, Kaftan-ähnliche Silhouetten, seidige, federleichte Stoffe, starke Schwarz-Weiß-Kontraste mit leuchtend blauen Highlights und grafische Elemente zwischen Fresko und mechanischen Formen – immerhin war die Automobil-Industrie das Schaffensfeld ihres Mannes – sorgten für einen sehr harmonischen, mühelosen Gesamt-Look. „Die Idee war es, eine Frau zu zeigen, den ‚letzten Schwan‘, wie sie einfach eine Tunika überzieht und in ihre Slipper schlüpft, bevor sie zum Markt läuft und ‚Porcini‘ für den Familientisch kauft!“ erklärte Runhof vor der Show seine Intention in einem öffentlichen Statement der US-amerikanischen Vogue. Tatsächlich war die Kollektion trotz ausufernder Laisser-faire-Eleganz keine Spur überspannt oder versnobt, sondern einfach nur stilvoll.

Unser Lieblingslook: Ein langes, wallendes, schwarzes Kleid mit Plissee und einem tiefen V-Dekolleté, kombiniert zu legeren, azurblauen Slippern.

Sehen Sie sich alle Highlights zu den Schauen von Barbara Bui, Rick Owens, Lanvin und Talbot Runhof hier in unserer Bildergalerie an.

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