Paris Fashion Week

Paris Fashion Week: Dries van Noten und Rochas zwischen Patternrausch und Mustergültigkeit

am 05.03.2015 um 17:17 Uhr

Zwei Kollektionen, zwei Schauplätze, doppelte Mustervielfalt und fulminante Pattern-Präsenz: Während bei Dries van Noten im Pariser Rathaus Hôtel de Ville in einer prunkvollen Neorennaissance-Kulisse zwischen poliertem Parkett und opulenten Kronleuchtern eine Art Glamour-Resistance in Szene gesetzt wurde, feierte das italienische Label Rochas im Palais de Tokyo sein 90-jähriges Jubiläum mit einer modernen Hommage an die ikonischen Haus-Kollektionen der 30er-Jahre. Erfahren Sie alles zu den zwei mustergewaltigen Kollektionen hier und in unserer Bildergalerie.

Gegensätze ziehen sich an: Der Stilbruch als nicht mehr fortzudenkendes Element unseres Modeverständnisses dominiert im großen Sinne auch die Pariser Herbst/Winter-Kollektionen 2015/16. Opulenz und Minimalismus, Boho-Glamour und Arbeiter-Chic, Eleganz und Laissez-faire kontrastieren sich nicht länger im klassischen Stilbruch, der eine klare Linie zieht, sondern ergänzen sich vielmehr in einem ganzheitlichen, eklektischen Verständnis von modischen Referenzen und Inspirationen.

Zwischen filigraner Blumen-Orientalik und historischen Schwalben-Motiven

„Grounded Glamour“ benannte der belgische Designer Dries van Noten seine eigene Kollektion und verortete sie damit gleich im Spannungsfeld des Gegensatzes: Der erste Laufsteg-Look war dementsprechend symbolisch für das nachfolgende Defilee. Imperiales, goldenes Brokat fand auf einen schlichten, langen Stepp-Mantel in Pflasterbeige, darunter leuchtete ein roter, filigran bestickter Pullover zu völlig schmucklosen, ebenfalls beigen, Baumwoll-Culottes.

Was passiert, wenn man kunstfertigen Prunk und reduzierte Funktionalität nicht gegeneinander ausspielt, sondern fusioniert? Referenzen einer schlichten Arbeiterkleidung trafen auf einen hartnäckigen 30er-Jahre-Einschlag, das Beige und Grün kommunistischer Overalls fand zu edelstem Rot, sanftem Pastell und royalem Gold. Regenabweisende Gabardine-Stoffe, die an Armee-Trenchcoats erinnern, wurden zu Kleidern geformt, mit Brokat, Pailletten und Juwelen geschmückt. Im Zentrum dieses Defilees der militanten Grand Dames zwischen Deluxe-Bohemia und Resistance-Auftrag, standen großflächige Musterspiele mit orientalischem Einschlag: Rosen und goldene Fresken, Blätter, Blüten und florale Tribals setzten auf eine imposante Motiv-Vielfalt.

Nicht Orientalik, sondern die eignen Archive, dienten hingegen Rochas-Kreativdirektor Alessandro Dell’Acqua als einschlägige Muster-Inspiration. Das die Kollektion beherrschende Schwalben-Motiv ist eine moderne Hommage an die Kollektionen der 30er-Jahre und zelebrierte das 90-jährige Jubiläum des Modehauses: 1934 lancierte der visionäre Label-Vater Marcel Rochas eine Kollektion, die Geschichte schreiben und ihn seitdem als modischen Surrealisten bezeichnen sollte. Dieser hatte nicht etwa seine Kollektion mit einem Vogel-Motiv versehen, sondern gleich echte, ausgestopfte Rotkehlchen und Möwen an die Dekolletés der Couture-Kleider genäht.

Neben dem historischen Vogel-Motiv, dominierten auch die gesamten 30er-Jahre als wichtige Inspirationsquelle: Röcke auf Wadenlänge, schmale Taillen und enge, breite High-Waist-Gürtel sorgten für eine sinnliche, feminine Silhouette. Herzförmige Dekolletés, Schleifen und hochgeschlossene Chiffonkleider verbreiteten einen sehr minimalistischen Sex-Appeal und waren ein klassischer Tease. Die gedeckte Farbpalette aus dezentem Karamell, einem schlammigen Beige und reduziertem Grau lehnte sich, ähnlich wie die Kollektion von Dries van Noten, auf eine uniforme Schlichtheit, die mit opulenten Details aufgebrochen wurde. Exquisiter Pelz, schwarze Spitze, Federn und vor allem das funkelnde Schuhwerk sorgten für einen raffinierten, hochluxuriösen Twist.

Unsere Lieblingslooks

Rochas brillierte einmal wieder in der Meisterklasse „Wintermantel“ und lieferte einen Manteltraum in eisigem Blaugrau, über und über bestickt mit schwarzen Schwalben. Dries van Noten begeisterte uns mit seinen Schleppen-ähnlichen Überröcken und Schößchen, die dem Arbeiterlook einen majestätischen Hauch verliehen.

Entdecken Sie hier in unserer Bildergalerie nun alle Key-Looks der zwei mustergewaltigen Herbst/Winter-Kollektionen 2015/16 von Dries van Noten und Rochas.

Kommentare


Luxus: Mehr Artikel