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Louis Vuitton SS 2016: Ghesquières intergalaktische Kriegerprinzessinnen

am 07.10.2015 um 16:20 Uhr

Es ist ein ewiges Katz-und-Maus-Spiel: Nach Dior und Chanel blickt man stets gebannt auf das letzte Traditionshaus in der Liga der Großen Drei. Und es ist ein Kampf der Titanen, wenn man das so formulieren möchte: Nach dem Minimal-Ästheten Raf Simons und Hyper-Konzeptionisten Karl Lagerfeld steigt nun der Visionär Nicolas Ghesquière für Louis Vuitton in den Ring und inszeniert in der futuristischen Glaskuppel der „Fondation Louis Vuitton“ am Rande von Paris eine abgefahrene Space Odyssee mit organischem Ursprung. Alle Fakten, Highlights und Looks der Show finden Sie hier und in unserer Bildergalerie.

Es war ein umtriebiger Sommer für Louis Vuitton: Im Sommer wurde die neue Exhibition „Louis Vuitton Series 3: Past, Present, Future“ eröffnet, die einen einzigartigen Blick auf die kreative Schaffenskraft von Ghesquière warf und mit multimedialen Installationen auf drei Etagen und in dreizehn Räumen die Vuitton-Winterkollektion 2015 erkundete. Pünktlich zur Paris Fashion Week übernahm Ghesquière dann selbst den offiziellen Instagram-Account, hielt die neueste Kollektion aber unter luftdichtem Verschluss. Keine kleinen Sneak-Peak-Momente, Monsieur Ghesquière? Umso gespannter erwarteten wir die neue Kollektion.

Louis Vuittons Blick in die Zukunft

Jeder Designer hat bestimmte Motive, um die sein Schaffen immer wieder kreist: Bei Ghesquière ist es mit Sicherheit die Verschmelzung von Natürlichem und Technisierten, Natur und Mechanik. Es ist eine Mobilisierung von Gegensätzen, die wie ganz natürlich zueinander streben: Hart und fließend, experimentell und klassisch, traditionell und futuristisch. Die Sommerkollektion 2016 lässt sich problemlos in diese Schaffenskurve einspannen und zeigte eine konsequente Fortführung der Gesamtentwicklung von Louis Vuitton: Die Dreieinigkeit von Vergangenheit, Präsenz und Zukunft dehnt sich aus und verschiebt sich stetig immer mehr in Richtung Zukunft.

Der Eröffnungslook, vorgeführt von Vuitton-Regular Fernanda Ly, bestimmte den Endpunkt der Reise, bevor sie überhaupt begonnen hatte: Eine Space-Lolita mit glattem, pinkfarbenem Haar, gekleidet in eine roséfarbene, derbe Lederjacke mit aufgenähten Brusttaschen, einem Kilt-ähnlichen Lederrock und chunky Lack-Platforms. Nicht nur eine Kampfansage, sondern auch eine Aufforderung: „Let’s go to wherever you wanna go. Let’s build anything you want, day or night. No one can tell you what you can and cannot do”, tönte der zunächst gesprochene Soundtrack aus den Musikboxen, bis ein schwerer Industrial-Beat übernahm. Dazu sich bewegende Leinwände, leuchtende Kuben und flirrende Video-Installationen: Wenn Ghesquière sich auf eines versteht, dann sicherlich darauf, niemals das große Ganze – die intermediale Vernetzung – aus dem Blick zu verlieren. Die Exhibitionen, die Kollektionen und Kunstprojekte sind alle Teil des neuen, multimedialen Vuitton-Vermächtnisses.

Die Kollektion: Eine düstere Space Odyssee

Um die Brücke zum Anfang zu schlagen: Noch niemals spannte Ghesquière die Widersprüche von Technisiertem und Organischem so kompromisslos in eine Kollektion. Derbe, untaillierte Lederjacken wurden zu ledernen Wickelröcken kombiniert und muteten kriegerisch amazonenhaft an. Verwaschene Seidenoveralls wirkten wie eine moderne Mechanikerinnen-Kluft, All-In-Black-Outfits erinnerten an einen industriellen Gothic-Biker-Look mit Mesh, Cut-Outs, Asymmetrie, wilden Schnürungen, verschnörkelten Runen-ähnlichen Stickereien und glänzenden Lack-Elementen. Die Outfits referenzierten zum Teil lederne Uniformen und riefen moderne Amazonen und intergalaktische Kriegerprinzessinnen auf den Plan. Scharfe, spitz zulaufende Lederwesten in Überlänge zu weichen Baumwoll-Crop-Tops, gerade geschnittene Kleider mit feinen Nadelstreifen und Herrenhosen mit silbernen Zippern fügten eine weitere androgyne Note hinzu. Soweit zum technisierten Teil der Kollektion.

Feminin organisch muteten die weich fallenden Maxikleider mit floralen Elementen und funkelnden Stickereien auf ausgewaschener Seide sowie die kurzen, schwingenden Bolero-Capes an. Keines dieser Elemente war jedoch romantisch oder verspielt konnotiert: Selbst Armbänder aus Leder dienten nicht nur als Schmuck, sondern wurden wie Schlagringe über den Handrücken getragen.

Highlights: Patchwork und Anime-Flair

Neben den industriellen Space-Einflüssen mit Amazonen-Flair entdeckten wir auch einen asiatischen Anklang von Anime: Ballon-artige Röcke im Lolita-Stil wurden zu Rüschen-Blusen und Puffärmeln getragen. Die Plateau-Sandalen mit breiten Lackriemen erinnerten sogar ganz explizit an die Lolita-Szene Asiens, so wie die zahlreichen Diademe und futuristischen Choker. Der Sailor-Moon-Flair fand auch Eingang in den Beauty-Look: Große Doll-Eyes mit übertrieben aufgemalten Wimpern auf den Wangenknochen evozierten die berühmten Manga-Eyes.

Auch Patchwork spielte eine große Rolle und stellte einige der Eyecatcher der Kollektion dar: Hosen aus Leder-Seide-Zusammensetzungen und kontrastreichen Color-Blocking-Elementen wirkten futuristisch und kamen in Mini-, Midi- und Maxi-Länge daher. Auch die Lederjacken wurden nicht selten einem Pattern-Clash unterzogen und mit Karos sowie Streifen versehen.

Vom handwerklichen Standpunkt her war die Kollektion wieder einmal meisterlich: Perfekt verarbeitete Lederoberteile mit runden Säumen und androgyn betonten Schulterpartien, Ledermäntel in geradliniger Symmetrie und, selbstverständlich, die Taschen! Eklektische Clutches im wilden Patchwork-Stil mit schweren Metallketten, kleine Werkzeugkoffer im futuristischen Box-Style, Speedy-Bags, die in matten Regenbogenfarben Graffiti-like besprüht waren sowie geräumige Totes, die an Sportbeutel erinnerten, waren nur ein Teil der immensen Taschenvielfalt.

Entdecken Sie nun alle Keylooks und Impressionen zur Louis Vuitton Kollektion SS 2016 hier in unserer Bildergalerie.

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