Feminismus

Powerfrauen statt nackte Tatsachen: Der neue Pirelli-Kalender 2016

am 25.09.2015 um 14:24 Uhr

Auf Wiedersehen aufwendig inszenierte Männerphantasien und willkommen echte Frauenpower: Erstmalig wird der weltberühmte Pirelli-Kalender – mittlerweile ein Inbegriff für erotische Fotografien – nicht etwa junge Supermodels oder berühmte Hollywood-Schönheiten ablichten, sondern bedeutende Frauen aus allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens porträtieren. Ist das jetzt ein Grund für Traurigkeit? Niemals! Gerade in der heutigen Zeit ist es unglaublich wichtig, nicht nur über die Schönheit, sondern auch über die außergewöhnlichen Leistungen von Frauen zu sprechen. Und wieso diesem vielseitigen Engagement nicht eine sinnliche Hommage widmen? Erfahren Sie alles zu den neuen Pirelli-Models 2016 hier und in unserer Bildergalerie .

Das nennt man dann wohl eine echte Überraschung: Letztes Jahr inszenierte Steven Meisel die 12 Kalender-Girls mit unter anderem Gigi Hadid, Candice Huffine, Anna Ewers und Adriana Lima noch über-sexy mit einer gehörigen Portion an Latex, Fetisch-Feel und nackter Haut. Daraufhin munkelte man schon, der Kalender werde wohl von Jahr zu Jahr immer freizügiger und pornografischer. Die neueste Ausgabe sorgt nun für ein großes Staunen und schlägt einen ganz neuen Kurs ein: Top oder Flop?

Pirelli für Alle

Der berühmte Pirelli-Kalender ist wohl jedem, und vor allem den Herren der Schöpfung, ein Begriff: Der erotische Kalender wird vom italienischen Reifenhersteller Pirelli in Auftrag gegeben und erscheint bereits regelmäßig seit 1964. Das begehrte Stück ist allerdings nicht käuflich und wird nur an ausgewählte Geschäftsfreunde verschenkt. Ikonische Fotografen wie Karl Lagerfeld, Mert Alas und Marcus Piggot, Mario Testino sowie Patrick Demarchelier gestalteten den Kalender bereits und inszenierten die gesamte Crème de la Crème an Models und Superstars von Cindy Crawford, Adriana Lima, Sophia Lauren, Penelope Cruz, Jennifer Lopez bis Naomi Campbell und Gisele Bündchen in leicht bekleideten, sexy Posen.

Dieses Jahr sorgt nun für eine Zäsur in dieser erotischen Tradition: Die berühmte Fotografin und Feministin Annie Leibovitz inszeniert für 2016 zwölf echte, internationale Powerfrauen aus allen Bereichen des Lebens und stellt eine ikonische Mannschaft auf: Yoko Ono, Patti Smith, Serena Williams, Fran Lebowitz, Amy Schumer, Natalia Vodianova, Ava DuVernay, Kathleen Kennedy, Mellody Hobson, Agnes Gund, Shirin Neshat und Yao Chen sind mit von der Partie und schreiben mit diesem Foto-Shooting wohl echte Pirelli-Geschichte.

„Ich habe angefangen über die Rollen nachzudenken, die Frauen spielen, Frauen, die etwas erreicht haben. Ich wollte eine klassische Porträtreihe machen. Ich möchte, dass die Frauen stark aber natürlich aussehen und ich habe mich dafür entschieden, dies ganz klassisch im Studio zu shooten. Dieser Kalender ist so komplett anders. Es ist ein Aufbruch. Die Idee ist, mit diesen Bildern nichts vorzutäuschen, sondern sehr aufrichtig zu sein,“ lautete Leibovitz‘ öffentliches Statement zu ihrem neuesten Herzblut-Projekt.

Wir applaudieren, aber wie erwartet, erntete dieser „Aufbruch“ nicht nur Beifall, sondern ließ die Mundwinkel vieler eingefleischter Pirelli-Fans gleichsam nach unten sinken und Fragen formulieren wie: Musste das sein? Feminismus hin oder her – warum kann man uns nicht das bisschen Spaß einfach mal lassen? Eine respektvolle Antwort an alle Traditionalisten und Miesepeter: Wieso schließen sich Spaß und Intellekt eigentlich aus? Wieso kann man sich zur Abwechslung nicht einmal an einer reichen Lebensgeschichte voller Kreativität und Erfolg als an sexy eingeölten Kurven erfreuen? Nächstes Jahr geht es doch bestimmt wieder weiter mit Adriana Lima, Miranda Kerr und Co.!

Wer sind die neuen Powerfrauen?

Bevor man sich weiter echauffiert und mit Ausrufen wie „Männerträume Adé“ um sich wirft, kann man auch erst einmal innehalten und sich fragen – wer sind diese neuen Pirelli-Frauen überhaupt und was haben sie geleistet? Warum werden Traummaße höher bewertet als vier olympische Goldmedaillen, 15-Stunden-Tage als CEO, der Titel „Godmother of Punk“ oder ein heißblütiges Engagement für wohltätige Zwecke?

Wir wollen die Möglichkeit nutzen und Ihnen die Ladys einmal genauer vorstellen:

Fran Lebowitz ist eine Schriftstellerin jüdischer Abstammung und startete ihre Karriere bereits früh als Teil des legendären Interview-Teams um Andy Warhol. 1978 veröffentliche Lebowitz „Metropolitan Life“, ihr mittlerweile als Bestseller geltendes Debüt-Werk und macht auch weiterhin mit sarkastischen, sozialkritischen Essays auf sich aufmerksam. Niemals um eine harsche Antwort verlegen und das Herz auf der Zunge, ist sie ein echtes, schrulliges New Yorker Original und Teil der reichen Kunstszene der Stadt.

Ava DuVarney schrieb 2014 Hollywood-Geschichte, aber nur wenige bekamen es mit: DuVarney begann ihre Karriere als Regisseurin erst relativ spät im Jahr 2008. Seitdem sorgte sie aber bereits für Furore in dieser von Männern dominierten Branche: Für ihren zweiten Film „Middle of Nowhere“ gewann sie 2012 schon den Regiepreis des Sundance-Festivals und für ihr Biopic-Drama „Selma“ wurde DuVernay 2014 als erste schwarze Regisseurin für einen Golden Globe sowie Oscar als bester Film nominiert.

Shirin Neshat ist eine der größten Künstlerinnen unserer Zeit: Geboren im Iran, zog sie mit 17 Jahren in die USA, um dort Kunst zu studieren und ist seitdem als Filmemacherin, Fotografin und Video-Artist aktiv. Im Jahre 1999 gewann sie mit ihren Installationen „Turbulent“ und „Rapture“ den Internationalen Preis der 48. Biennale von Venedig, 2006 erhielt sie den „The Dorothy and Lillian Gish Prize“, einen der größten, internationalen Kunstpreise, der für einen herausragenden Beitrag für die Menschheit verliehen wird. 2009 erhielt sie für ihren Spielfilm „Women Without Men“ eine Einladung in den Wettbewerb der 66. Filmfestspiele von Venedig und wurde mit dem Regiepreis geehrt. 2013 wurde sie sogar in die Wettbewerbsjury der 63. Internationalen Filmfestspiele von Berlin berufen.

Erfahren Sie nun hier in unserer Bildergalerie alles weitere über die verbliebenen Pirelli-Models 2016 .

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