Weniger ist mehr

Mode-Macht Plus-Size: Ist das der neue Größenwahn?

am 21.01.2014 um 17:29 Uhr

Sie zieren Magazin-Cover, bestreiten Laufstege und streichen einen Werbe-Deal nach dem nächsten ein. Plus-Size ist das neue Erfolgsrezept und zahlt sich nicht nur für die Models aus. Zwar beginnt dieses in der harten Modebranche bereits ab Konfektionsgröße 38, jedoch boomen Modelinien mit Namen wie „Big is Beautiful“ oder „Curve“ nicht ohne Grund, denn kurvig ist das neue sexy und lässt ordentlich die Kassen klingeln. Wir definieren hier und in unserer Fotoshow den neuen Größenwahn und beleuchten den Medien-Hype von einer anderen Seite.

In der Model-Castingshow „America’s next Topmodel“ setzte sich die bildschöne Whitney Thompson mit der Konfektionsgröße 42 in der zehnten Staffel gegen etliche Konkurrentinnen durch. Doch ab wann spricht man in dieser Branche von Plus-Size und wie wirken sich die neuen Modelinien auf die Wahrnehmung aus?

Optische Täuschung: Zwischen Ready-to-Wear und Plus-Size-Stars

Jedes Jahr aufs Neue begutachten etliche Besucher und Anhänger der internationalen Modewochen die neuen Design-Kreationen unzähliger namhafter Designer. Der Trend kann sich gerade so noch auf spitzen Knien, hervorstechenden Schlüsselbeinen und erschreckend dünnen Fesseln fortbewegen. Modemacher und Medien tragen immer wieder ein falsches Bild nach draußen, das stets für Diskussionen und Rummel in der fettarmen Mode-Suppe sorgt. Doch was findet sich eigentlich beim Blick über den Tellerrand? Schöne Frauen wie Robyn Lawley oder Laura Catterall werden von Magazinen als die neuen Plus-Size-Stars gehandelt und das trotz flachem Bauch und trainierten Oberarmen. Eine erschreckende Grenze, die immer mehr zu verschwimmen droht. Kein Wunder, schließlich springen auch namhafte Modehäuser auf diesen Zug mit auf und verwandeln Otto-Normalverbraucherinnen mit weiblichen Rundungen in Plus-Size-Einkäuferinnen ihrer separaten Modelinien. Alles nur halb so wild oder doch ein pfundiger Fehler?

Große Größen: Die Macht der Wahrnehmung

86-70-96, das entspricht ungefähr dem Zentimeterumfang im Bereich Brust, Taille und Hüfte einer Frau mit der Konfektionsgröße 38. Obwohl die Größen 36/38 laut Größentabelle noch in den Bereich „S“ (englisch für „small“, zu dt.: Klein) fallen, gelten in der Modedynastie unter der Herrschaft von Königen wie Karl Lagerfeld andere Richtlinien, denn hier beginnt die „Plus-Size“ ab Größe 38. „Da sitzen dicke Muttis mit der Chipstüte vorm Fernseher und sagen, dünne Models sind hässlich, sagte der Modemacher einst gegenüber dem Magazin „Focus“ und wetterte weiter: „Runde Frauen will da niemand sehen.“

Das spanische Modehaus Mango nahm sich das neue Bewusstsein ebenfalls zur Brust und launchte jüngst seinen Plus-Size-Ableger „Violeta“. Die Größe „S“ mit den Maßangaben 100-82-106 entspricht circa der Konfektion 44 und kann bis Größe 52 erworben werden. Verwunderlich ist hier jedoch, dass das attraktive Model der Kampagne so ganz und gar nicht in diesem Größenbereich zu liegen scheint. Denn ein stattlicher Vorbau und weibliche Hüften machen noch lange keine Plus-Size.

Lediglich Designer Jean Paul Gaultier scheint in diesem Metier einen Überblick zu haben und schickte bereits 2006 waschechte Plus-Size-Models über seinen Laufsteg – denn trotz modischer Diktatoren liegt Schönheit noch immer im Auge des Betrachters und wer in dieser Branche die Augen nicht offen hält, der verliert im knochigen Wald schnell den Blick für das Wesentliche.

Entdecken Sie die echten Plus-Size Models in der Mode-Welt in unserer Bildershow.

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