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Aufgeschoben ist nicht aufgehoben: 10 Tipps gegen Prokrastination

am 01.09.2015 um 17:49 Uhr

Jeden Tag dieselbe Leier: Eigentlich wollte man heute besonders effektiv sein, seine To-Do-Liste endlich einmal abarbeiten. Man hat sich extra den Wecker auf 6 Uhr morgens, anstatt 7 Uhr gestellt, damit man noch vor der Arbeit etwas erledigen kann. Doch komischerweise war dann die Wohnung unordentlich und das Putzen wichtiger. Auf Arbeit geht es dann weiter: Facebook ist heute ganz schön interessant, auf dem Tisch sind Kaffeeflecken, die Ordner im Schrank stehen nicht bündig. Prokrastination ist allgegenwärtig, bei fast jedem von uns. Wir verraten Ihnen hier und in der Fotoshow zehn Tipps gegen Aufschieberitis.

Oft haben wir tatsächlich den Willen dazu, schwere oder unangenehme Aufgaben zu erledigen, aber irgendwie passiert es uns dennoch immer wieder, dass wir in die Prokrastinationsfalle tappen und uns von den unterschiedlichsten Dingen ablenken lassen. Das kann manchmal gut sein, da sich einige unangenehme Aufgaben auch mit der Zeit aussitzen lassen oder von selbst erledigen. Schwierig wird es jedoch, wenn man sich Herausforderungen bewusst oder unbewusst gar nicht mehr stellen möchte.

Warum leidet man unter Aufschieberitis?

Tendenziell schiebt jeder Mensch auf. Allerdings kann es bei einigen tatsächlich zu einem Problem werden, welches den Alltag negativ beeinflusst, während das gelegentliche Aufschieben komplett unbedenklich ist.

Für Menschen mit einem geringen Selbstwertgefühl oder bei besonders pessimistischen Persönlichkeiten liegt es nahe, dass sie zu häufig den schnellen Erfolg suchen und sich damit vor komplexen Aufgaben scheuen. Belastend wird es auch für Menschen, die emotional nicht sonderlich stabil oder schlimmstenfalls nicht besonders organisiert sind. Sie laufen Gefahr, sich ständig in der Bummelei zu verlieren. Bei Perfektionisten und Vielarbeitenden ist es hingegen so, dass sie häufig in die Prokrastinationsfalle tappen, weil ihr zu hoher Anspruch sie einfach daran hindert, Aufgaben zu beenden.

Das Bewusstwerden

Man kann ganz klar zwischen der typischen Prokrastination und dem systematischen Aufschieben unterscheiden. Während hinter der Prokrastination meist die Unlust steckt und man sich deswegen in anderen, meist nichtigen Arbeiten oder Ablenkungen verliert, ist das systematische Aufschieben gar sinnvoll.

Wenn man eine Aufgabe verschiebt, kann es auch durchaus passieren, dass sich diese von allein erledigt oder in der Zwischenzeit zumindest hilfreiche Informationen erlangt werden können, die die Arbeit erleichtern oder gar perfektionieren. Machen Sie sich also klar, ob es tatsächlich sinnvoll ist, die Arbeit nach hinten zu verlegen oder ob Sie schlichtweg keine Lust haben.

10 Tipps gegen die Bummelei

Überlisten Sie sich selbst

Prokrastination ist eine reine Gewohnheitssache, die ganz automatisch abläuft. Seien Sie sich dessen bewusst und werden Sie sich darüber klar, welche Aufgaben es sind, die Sie in der Aufschieberitis enden lassen.

Notieren Sie sich allerdings auch jene Aufgaben, die Ihnen Spaß machen, die Stress abbauen und Ihre Motivation steigern. Dabei kann es hilfreich sein, wenn Sie sich schon am Abend einen Plan für den nächsten Tag überlegen und diesen notieren. Legen Sie strikt fest, welche Aufgaben Sie in welcher Reihenfolge und zu welcher Uhrzeit erledigen wollen. Seien Sie dabei sehr konkret, je detaillierter desto besser. Planen Sie jedoch auch zeitlich begrenzte Ruhephasen ein und das Wichtigste: Halten Sie sich an Ihren Tagesplan.

Kennzeichnen Sie Ihre Produktivität

Hat der Tag dann erst einmal begonnen und Sie können sich Ihrer detaillierten To-Do-Liste stellen, dann veranschaulichen Sie sich auch selbst, dass Sie Ihrem Tagesziel näher kommen. Es ist ein sehr zufriedenstellendes, motivierendes Gefühl, wenn die To-Do-Liste sichtbar kürzer wird.

Ebenso gehört allerdings auch die Bestrafung dazu, wenn Sie eine Aufgabe nicht erledigt haben. Am lehrreichsten ist da eine Geldstrafe. Investieren Sie also für jede nicht erledigte Aufgabe eine gewisse Summe in eine Spardose – und zwar so viel, dass es weh tut. Nur so lernen Sie aus Ihren Fehlern.

Nehmen Sie sich nicht zu viel vor

Seien Sie beim Planen Ihrer Aufgaben realistisch und setzen Sie ganz klare Prioritäten. Entscheiden Sie also, welche Aufgaben wirklich wichtig sind und welche noch warten oder delegiert werden können.

Stellen Sie sich ganz einfach die Frage nach der Konsequenz: „Was passiert, wenn ich diese Aufgabe heute nicht erledige?“ Eine zu lange To-Do-Liste ist nämlich sehr demotivierend und bringt Sie wahrscheinlich ziemlich schnell dazu, Ihre Pläne über Bord zu werfen.

Lenken Sie Ihre Gedanken

Ihre unbewussten Gedankengänge beeinflussen Ihren Arbeitsflow ungemein. Sie loben, sie kritisieren, sie ärgern. Dieser innere Dialog prägt Ihr Handeln. Hören Sie also in sich hinein und versuchen Sie stets positiv zu denken. Sollte sich beim Erledigen einer Aufgabe ein negativer Gedanken breit machen, suchen Sie nach den positiven Effekten, die diese Aufgabe mit sich bringt – notfalls auch bei einer kurzen Kaffeepause.

Splitten Sie große Aufgaben

Eigentlich ist es ganz logisch, dass man die schneller erledigten Aufgaben den aufwendigen Projekten vorzieht. Schließlich bringen sie rasche Ergebnisse. Überlisten Sie also auch dieses Empfinden und zerlegen Sie sich große Aufgaben in kleinere Etappen. So können Sie beim Erreichen jeder Etappe Erfolg verbuchen.

Fangen Sie sofort an

Kennen Sie die 72-Stunden-Regel? Diese besagt, dass die Chance auf das Vollenden eines Projekts gen Null sinkt, wenn dieses nicht innerhalb von 72 Stunden angegangen wird. Am besten ist es, wenn Sie die unangenehmsten Aufgaben direkt am Morgen hinter sich bringen, wenn Sie noch frisch und munter sind. Wir versichern Ihnen, dass Ihnen der Tag danach leichter von der Hand gehen wird, Sie sich hochmotiviert und stolz neuen, angenehmeren Aufgaben stellen.

Die richtige Frage beim Herangehen an eine Aufgabe ist nicht: „Wie soll ich das bloß schaffen?“, sondern „Wie fange ich damit am besten an?“

Bleiben Sie bei der Sache

Eine neue Mail im Postfach, ein eingehender Anruf oder ein Kollege, der Fragen stellt – all diese Unterbrechungen bringen Sie aus dem Rhythmus und das hat seine Folgen. So hat beispielsweise Gloria Mark, Professorin an der University of California, herausgefunden, dass man sich im Büro durchschnittlich nur 11 Minuten einer Aufgabe widmen kann, ohne dabei unterbrochen zu werden. Jedoch kann es bis zu 25 Minuten dauern, bis man sich wieder komplett in den Stoff gefunden hat.

Lassen Sie eine Mail also auch mal warten oder leiten Sie Anrufe weiter. Es reicht, wenn Sie sich zweimal täglich Ihrem Postfach oder Ihrer Mailbox widmen. Selbstverständlich planen Sie auch diese beiden Male der Erreichbarkeit mit in Ihren Tagesplan ein.

Allerdings sind es nicht nur die anderen, die Sie bei der Arbeit ablenken, sondern auch Sie selbst. Konzentrieren Sie sich also auf die Sache, mit der Sie gerade beschäftigt sind und denken Sie nicht direkt an die nächste. Wer eine kleine gedankliche Pause braucht, der kann sich einen schönen Gedanken erlauben, an seinen Liebsten denken, um danach wieder den Fokus zu finden.

Lernen Sie, Nein zu sagen

Eine Grundvoraussetzung dafür, dass Sie bei der Sache bleiben und Ihren Kollegen auch einmal die kalte Schulter zeigen, ist, dass Sie Ihr Helfer-Syndrom bekämpfen. Oft neigen Menschen dazu, ständig helfen zu wollen, weil es Ihnen Angst macht, ersetzbar zu sein. Fakt ist: Jeder Mensch ist ersetzbar. Machen Sie sich also keinen zusätzlichen Druck, Ihre persönliche Arbeit wird sich nicht verschlechtern, wenn Sie einem Kollegen auch einmal ein Nein entgegen schmettern, wenn sein Anliegen einfach nicht so wichtig ist. Unendliches Ja-Sagen endet meist in einem unproduktiven Teufelskreis.

Tun Sie Körper und Geist etwas Gutes

Das fängt schon bei der richtigen Beschallung an. Haben Sie ein Tief erreicht, dann holen Sie sich den Spaß an der Sache mit Ihren Lieblingsliedern zurück. In sich hinein grinsen und weiter geht’s. Doch nicht nur Musik tut Ihrer Motivation gut, sondern auch das richtige Essen und ein gesundes Maß an sportlicher Aktivität. Sport baut Stress ab und löst geistige Blockaden. Schon eine halbe Stunde am Tag kann wahre Wunder bewirken. Gleiches gilt für das richtige Essen. Die Ernährung kann die Leistungsfähigkeit erhöhen oder uns total ermüden. Wem nach einer großen Portion Pasta mit Sahnesoße die Energie für die Arbeit fehlt, der braucht sich nicht wundern, warum die Kollegin zum Vollkornbrot, dem Salat und dem Naturjoghurt griff.

Arbeiten Sie zu Ihren Hochphasen

Wir verraten Ihnen nichts Neues, wenn wir erklären, dass es Frühaufsteher und Langschläfer gibt. Die einen sind schon früh am Morgen topfit, die anderen können ohne Probleme bis in die Nacht hinein arbeiten. Der Organismus funktioniert bei diesen beiden Typen unterschiedlich, der Stoffwechsel und die Konzentrationsfähigkeit schwanken sehr stark. Machen Sie sich also bewusst, wann Sie am produktivsten sind und geben Sie genau dann Vollgas und nicht dann, wenn Ihr Körper schon abgeschaltet oder eben noch gar nicht ausgeschlafen hat.

Lesen Sie in unserer Fotoshow weitere, interessante Fakten zur Prokrastination und in welche unterschiedlichen Typen man sie unterteilt.

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