Kolumne

Pyjama-Party: Warum wir wieder öfter bei unseren Freundinnen schlafen sollten

am 06.11.2015 um 12:29 Uhr

Das Flüstern unter der Bettdecke, das wohlige Gefühl in guten Händen zu sein, die beste Freundin Nase an Nase: Die Erinnerungen an die Pyjama-Partys unserer Kindheit gehören auch heute noch zu unseren schönsten dieser Zeit. Wie aufregend es damals doch war, die kleine Reisetasche zu packen, Zahnbürste und Schlafanzug sicher zu verstauen und von Mama mit dem Auto abgesetzt zu werden. Es fühlte sich an wie ein Mini-Urlaub, eine willkommene Abwechslung vom Alltag, eben etwas ganz besonderes. Seitdem hat sich viel verändert, Teenager sind wir lange nicht mehr. Aber warum übernachten wir eigentlich heute nicht mehr bei unseren Freunden und Freundinnen? Mehr zu diesem Gedankenspiel hier und in unserer Bildergalerie .

Das schöne Gefühl von Früher, ein Mix aus Geborgenheit, Vertrauen und sich einfach mal fallen lassen – können wir das nicht wieder zurückholen? Oder sind wir der Pyjama-Party genauso entwachsen wie unserem alten Kinderschlafanzug?

Ja zur Pyjama-Party: Willst du bei mir übernachten?

Das wundervolle Plädoyer fürs auswärts Übernachten von Nadja Schlueter für Jetzt.de hat auch uns mitten ins Herz getroffen und zu einem kleinen Gedankenspiel angeregt: Früher war es das allerschönste, wenn wir bei unseren Freunden übernachten durften. Es war eine geplante Expedition, ein aufregendes Abenteuer und später im Teenager-Alter ohnehin das Über-Coolste: Zusammen Filme schauen, Süßigkeiten naschen, heimlich einen Rotwein von den Eltern mopsen und natürlich – quatschen und tratschen bis die Kehle trocken wurde. Heute schlafen wir im besten Fall nur noch bei unseren festen Lebenspartnern, Sleep-Over mit der BFF gehören schon lange der Vergangenheit an.

Die Realität sieht heute nun einmal anders aus: Die meiste Zeit sind wir von Alltag und Arbeit so müde, gestresst und kaputt, dass wir uns freuen, wenn wir einfach mal alleine sein können – Tür zu und Ruhe. Mal ist das auch absolut okay und nötig: Zeit für uns selbst, das hält uns im Gleichgewicht und tut uns gut. Aber nicht selten verselbstständigt sich dieses „Ich-will-allein-sein“-Gefühl und führt dazu, dass wir uns über die Zeit hinweg ungewollt abkapseln. Zeit für Freunde? Zu gestresst, unter der Woche leider nicht drin. Aber ist das wirklich so? Oder wollen wir uns diese Zeit nur nicht mehr nehmen, weil sich der Gedanke irgendwie anstrengend anfühlt?

Angst vor falscher Höflichkeit

Meistens ist doch das einzig ‚anstrengende‘ der Weg nach Hause: Man hat keine Lust, sich so spät noch einmal durch die kalte Nacht auf den Rückweg zu machen, deshalb bleibt man am liebsten gleich daheim. Wieso aber schläft man stattdessen nicht einfach bei der Freundin? Oder anders gefragt: Wie oft hat man einen schönen, geselligen Abend viel zu früh beendet, weil man irgendwie Angst hatte, der Andere würde sich wünschen, dass man endlich gehe?

Es ist diese Angst vor einer falschen Höflichkeit, die im Umgang mit unseren wirklich guten Freunden nichts verloren hat. Wenn man müde ist, kann man das einfach kommunizieren und schlafen gehen – aber wenn es sich gerade so schön anbietet: Wieso die Bestie nicht zum Übernachten einladen? Dann kann man den schon schönen Abend ganz natürlich ausklingen lassen, mit dem Gefühl, in guten Händen zu sein. Noch ein bisschen murmeln bis man einschläft – und da ist es wieder, das alte Gefühl aus der Kindheit. Es bedeutet: Dem Anderen vertrauen, dass man ihm im Moment nicht etwa doch ‚zu viel‘ ist, darauf vertrauen, dass man gewünscht und willkommen ist.

In schweren Stunden: Ein Silberstreifen am Horizont

Wenn man dann tatsächlich einmal eine schwere Phase durchmacht, sei es aus einer persönlichen Notlage, einer schmerzhaften Trennung oder einer anderen zwischenmenschlichen Tragödie – denn wie wir alle wissen, ist das Leben mit Sicherheit kein Zuckerschlecken und schlimme Dinge passieren einfach – dann ist man für düstere Gedanken am anfälligsten, wenn man alleine mit sich selbst einschlafen muss.

Anstatt aber alleine an seinem eigenen Leid zu zergehen, könnte man da nicht einfach… bei der besten Freundin übernachten? Nichts stoppt wilde Gedankenkarusselle und verzweifelte Tränenausbrüche effektiver als eine Pyjama-Party mit Freunden. Nichts lässt deprimierende Stimmungen schneller verpuffen als eine heiße Schokolade und Session lustiger You-Tube-Videos mit der BFF. Am nächsten Morgen mag die Welt auch nicht gleich wieder in Ordnung sein, aber es schafft Linderung, setzt das Schwere in Perspektive, macht es ein klein bisschen leichter, ein klein bisschen weniger schlimm.

Auch wir stimmen also in das Plädoyer fürs auswärts Schlafen mit ein: Rufen Sie Ihre Freundin an und fragen Sie sie, ob sie nicht mal wieder Lust hätte, bei Ihnen zu übernachten.

Impressionen zum Thema „Ja zur Pyjama-Party“ finden Sie nun in unserer Bildergalerie. 

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