Märchenzeit: The Creators Project mit Rodarte, Beach House und Todd Cole

am 11.09.2013 um 17:59 Uhr

Wenn verschiedene Künste aufeinandertreffen, entstehen die schönsten Konzepte: The Creators Project, eine Zusammenarbeit von Intel und dem Vice-Magazine, sorgte schon wieder für interdisziplinäre Großartigkeit. Der neueste Coup: Die Schwestern Laura und Kate Mulleavy, die unter dem Labelnamen Rodarte agieren, sorgen in dem Kurzfilm „This must be the only fantasy“ für wallende Roben, während das Pop-Duo Beach House für die atmosphärische Untermalung zuständig ist. Regie führte der bekannte Mode-Fotograf Todd Cole, der u.a. auch schon für die fotografische Umsetzung der letzten Rodarte-Kollektion verantwortlich war. Das Ergebnis ist mehr als sehenswert: ein visuelles, sowie akustisches Highlight.

Die Rodarte-Schwestern sind bekannt für ihren modernen Clash von Romantik und Avantgarde, bohemischer Ramponiertheit und wildem Materialmix: Märchenhafte, kostümähnliche Kleider aus Seide treffen auf eine die 70er Jahre reminiszierende Mustervielfalt, Leder vereint sich gerne mit grobem Strick und die Koketterie mit dem verstaubten Großmutter-Chic wird von einer trotzigen College-Attitüde gebrochen. Nichtsdestotrotz sind die Schwester aus Kalifornien vor allem eines: hip. Sie treffen den aktuellen Zeitgeist, ohne zu sehr danach zu suchen, ihre Designs sind intuitiv, aber nicht naiv, sperrig, aber nicht formlos und konsequent, aber nicht berechnend. Beach House sind dasselbe; nur für Popmusik. Die elegischen Pop-Perlen des Duos aus Baltimore haben eine Vorliebe für das Verwaschen-Skizzenhafte, die schimmernden, narkotischen Melodien verlieren dadurch jedoch nichts an ihrer Eingängigkeit. Und was gäbe es Schöneres, als diese beiden Duos zu vereinen?

Von Einhörnern und heldenhaften Prinzessinnen

Der Regisseur und Fotograf Todd Cole führte mit  Unterstützung des Creators Project genau diese zwei Einheiten – Mode und Musik – in einem artifiziellen und doch unglaublich ästhetischen Video unter einem filmischen Dach zusammen. Hier gibt es alles, was das Fantasy-Genre-Herz verlangt: Einhörner, Feen, böse Gestalten, eine junge, entschlossene Heldin, magische Schwerter und den Kampf gegen das Böse, verpackt in ein stilistisches 80er-Jahre-Gewand mit Computerspiel-Effekten. Fast scheint es so, als habe sich die damals aufbegehrende Ära des Gaming in die reale Welt ergossen: Grimms Märchen meets Gameboy.

Schillernde Facetten

Für den Großteil des märchenhaften Flairs sorgen die Rodarte-Schwestern: Sie haben den gesamten Kunstfilm ausgestattet und lassen die Heldin in allen Facetten ihres Charakters schillern. Erfahrung darin haben sie: Schließlich statteten sie bereits Natalie Portman und Co. für Darren Aronofskys Welterfolg „Black Swan“ mit atemberaubenden Ballett-Outfits aus. Auf die Frage, warum sie sich zu einer Kollaboration mit dem Creators Project entschieden haben, antworteten sie: „Du lebst in der alltäglichen Welt, tagein, tagaus. Aber dann gibt es da noch diese andere Welt, in deinem Geist, deiner Vorstellung, dort kannst du dich in eine Heldin verwandeln! Und diese Dualität wollten wir mit unseren Kleidern einfangen.“

Die moderne Rüstung: Leder und Seide

Und das haben sie geschafft: In den ersten Szenen kleideten sie die Protagonistin des Kurzfilms, Sidney Williams (aufstrebendes Model und übrigens Muse von Hedi Slimane), in ein schlichtes Seidenhemdchen mit großflächigem, schwarzem Triangle-Print und den bekannten „Grommeted Lace Up“-Lederhosen – ein starkes Statement und die wohl modernste Rüstung einer jungen Heldin. Für den anschließenden Einhorn-Ritt durch die nebelige Dunkelheit steckten sie Williams wiederum in einen Traum aus fließender, grauer Seide, zusammengehalten von einem breiten Taillengürtel aus schwarzem Leder und silbernen Ketten – die wehende, blonde Mähne und das Zusammenspiel von Leder und Seide erwecken nicht umsonst eine lebendige Assoziation an eine ganz bestimmte weibliche Ikone: Jeanne d‘Arc.

Für die letzte Schlüsselszene, bei der übrigens auch Hollywoodstar Elijah Wood mitwirkte, trägt unsere Fantasy-Heldin ein weiteres Schlüssel-Piece der Rodarte-Spring/Sommer-Collection 2013: die schwarz-rote Fringe-MotifWeste aus grobem Leder. Diese verleiht ihr einen harten, unnahbaren Touch, fast sieht sie aus wie ein Samurai, als sie den Bösewicht im roten Cape in die Flucht schlägt.

Game Over

Über der ganzen Szenerie liegen die hypnotisierenden Klänge von Victoria Legrand und Alex Scally und übertragen die sowieso schon vorherrschende Traum-Atmosphäre auf ein höheres Level: Das Pop-Duo Beach House sorgt für die Verschmelzung von Mode und Akustik und transferiert das, was das Auge sieht, in einen stimmungsgeladenen Soundtrack.

Fotos sowie Making-of-Material zu „This must be the only fantasy“ finden Sie hier in unserer Bildershow.

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