Kurzfilm

Star-Kritik: Kirsten Dunst gegen die schöne neue Selfie-Welt

am 10.10.2014 um 17:46 Uhr

Gehören Sie auch noch zu der Generation, die für eine mehr oder weniger lesbare Unterschrift des geliebten Stars ihr Leben gegeben hätte? Nur ein paar schwarze Linien auf einem weißen Blatt Papier – ach ja. Doch das ist Schnee von gestern. Die Stars werden nicht mehr um Autogramme gebeten, sondern um Selfies. Was hinter diesem Trend steckt und warum Schauspielerin Kirsten Dunst sich jetzt explizit dagegen wehrt, das erfahren Sie hier und in unserer Fotoshow.

Selfie – „mit der Digitalkamera (des Smartphones oder Tablets) meist spontan aufgenommenes Selbstporträt einer oder mehrerer Personen“, so die Worterklärung aus dem Duden. Mehr müssen Sie auch gar nicht wissen über das Selbstporträt 2.0. Außer, dass die besten Selfies die sind, auf denen sich neben Ihnen auch noch ein prominentes Gesicht befindet.

FAQ Selfie

Angefangen hat alles mit mehr oder weniger unschuldigen Selbstporträts, die sich via Facebook, Instagram oder Twitter in Sekundenschnelle verbreiten. Angeblich tauchte der Begriff in Zusammenhang mit einem Selbstporträt erstmalig im Jahr 2002 auf – damals noch im beliebten Internet-Medium „Forum“. Doch mit dem Boom von Social-Media-Plattformen sprangen vor allem immer mehr Stars auf den Selfie-Zug auf, um ihren Fans persönliche Kussbotschaften zu übermitteln, das neue Make-up oder die aktuelle Sonnenbrille zu zeigen oder, wie Supermodel Cara Delevingne es gerne tut, Grimassen zu verbreiten.
Auch wir haben uns diesen Trend natürlich schnell abgeschaut und posten nur zu gerne Bilder von unseren Köpfen vor Landschaften, Gebäuden, dem Meer oder dem heimischen Balkon, wenn es denn sein muss. Inzwischen gibt es sogar mehrere Abwandlungen des beliebten Selfies, wie zum Beispiel das „Bifie“ (das beliebte Bikini-Selfie von oben), das „Relfie“ (für alle frisch Verliebten, vom Englischen „relationship“ – Beziehung) oder aber das „Bedstagram“, die ganz besondere Form des Selfies, direkt aus dem Bett und sozusagen die nackte Wahrheit.
Die absolute Krönung des Selfies ist und bleibt allerdings ein Bild mit einem oder am besten gleich mehreren prominenten Gesichtern. Ein Trend, der nun erstmalig kritisch betrachtet wird.

Ein Selfie mit Kirsten Dunst

Auslöser der aktuellen Promi-Selfie-Kritik ist der Kurzfilm Aspirational (zu deutsch: richtungsweisend) von Matthew Frost. In der Hauptrolle Kirsten Dunst, die sich selbst spielt und sozusagen ein Selfie-Schlüsselerlebnis durchläuft. Nur um das voranzustellen: Es geht in diesem Film nicht darum, sich über Fans zu beschweren, die ein Bild mit ihrem Star machen oder sich mit ihm fotografieren lassen wollen. Vielmehr geht es um die Art und Weise WIE das geschieht:

Kirsten Dunst läuft telefonierend die Straße hinunter. Eine Frau geht mit ihrem Hund spazieren, starrt dabei auf ihr Smartphone und nimmt keinerlei Notiz. Ein Auto fährt vorbei und hupt. Noch ein Auto passiert den Weg, ist schon fast aus dem Bild, da schreien zwei Mädchen. Der Rückwärtsgang wird eingelegt, die Scheiben heruntergelassen und ohne ein „Hallo“ oder ähnliche Höflichkeitsfloskeln ertönt die Frage „Bist du Kirsten Dunst?“. Nachdem dies bestätigt werden konnte, springen die Mädchen mit dem Smartphone im Anschlag aus dem Auto, stellen sich neben den Star, formen ihren schönsten Schmollmund und drücken auf den Auslöser. Auf die Frage der Schauspielerin, wie es ihnen denn gehen würde, wird nicht reagiert. Schon wird in die Tasten gehämmert und auch die nächste Frage, ob sie denn nicht irgend etwas wissen wollten, wird ignoriert. Nein, nicht ganz. Denn die Mädchen haben eine Bitte: Kirsten Dunst solle sie doch bitte „taggen“ (Erklärung: jemanden auf einem Bild markieren). Entgeistert, mit einem fassungslosen Gesichtsausdruck, bleibt die verdutzte Kirsten Dunst zurück, während die zwei Mädchen davon fahren, vor Begeisterung schreien und ihre ersten Likes unter ihren geposteten Bildern zählen. Aber sehen Sie selbst:

Das Bild wird zum Star

Das Leben spielt sich für viele heutzutage nicht mehr nur noch im realen Leben ab, sondern auch auf Plattformen wie Facebook, Instagram oder Twitter. Hier geht es oftmals nicht mehr einzig und allein darum, schöne Erlebnisse oder Bilder zu teilen, sondern seinen Mitmenschen mitzuteilen: „Schaut her! Mein Leben ist unfassbar cool!“ Es wird sozusagen immer wichtiger, seinen Followern zu zeigen, dass die persönlichen Erlebnisse etwas ganz besonderes, ja, einzigartig sind. Und womit könnte das besser gelingen, als mit einem Bild, welches mich mit einem berühmten Menschen zeigt?
Die Kritik des Films daran ist unmissverständlich: Das reine Erlebnis, dem Star für wenige Augenblicke so nah zu sein, steht auf der Jagd nach dem Selfie überhaupt nicht mehr im Vordergrund. Vielmehr werden innerlich schon die Likes geschätzt, die mit diesem Bild erreicht werden können. Ein paar Worte wechseln? Sich in die Augen schauen? Für solch Sentimentalitäten bleibt keine Zeit. Schließlich muss das Bild doch ganz schnell hochgeladen werden. Versehen mit den richtigen Hashtags natürlich! Schöne neue Selfie-Welt.

Mehr zur Selfie-Kritik von Kirsten Dunst und anderen Facts zum Trend erfahren Sie in unserer Fotoshow.

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