Silvester-Inspiration à la Dior: Glitzer-Make-up//

am 31.12.2012 um 19:19 Uhr

Ein Silvester-Make-up, ohne die Wimpern, Brauen oder Lippen zu betonen? Klingt im ersten Moment höchstens sofatauglich. Doch wenn Glitzer ins Spiel kommt, werden Beauty-Regeln außer Kraft gesetzt und Highlights kreiert, die alle Blicke auf sich ziehen. Wir schauen Dior-Make-up-Mastermind Pat McGrath auf die Finger und lassen uns vom Berliner Künstlerinnenkollektiv Glitzerklub erklären, wie die Schimmerpartikel richtig zur Geltung kommen.

Simons oder Slimane? war stiltechnisch wohl eine der spannendesten Fragen des Spätsommers. Die Shows auf der Pariser Fashion Week standen im Zeichen des Debüt-Duells: Die Traditionshäuser Dior und Yves Saint Laurent verpflichteten beinahe zeitgleich zwei der aufstrebendsten Designer für die kreative Leitung ihrer Linien. Während Hedi Slimane — Fotograf, Rockstarfreund, Querkopf — seinen Einstand mit der Umbenennung von YSL in SLP (Saint Laurent Paris) feierte, interpretierte Raf Simons den charakteristischen New Look von Christian Dior mit viel Zeitgeist und einem Hauch Innovation.

Glänzendes Colorblocking

Dass der Runway während der Show des belgischen Designers buchstäblich glänzte, ist aber nicht nur den Spring/Summer 2013-Entwürfen geschuldet. Feine Glitzerpartikel und Swarovski-Steinchen verschmolzen mit knallbunten Eyeshadows und zogen sich in scharfen Linien von den Augenlidern über die Schläfen bis hin zum Haaransatz der Models. Ein Look, der auf den ersten Blick so gar nicht zu den minimalistischen Grundprinzipien passen will, die Simons als Kreativchef bei Jil Sander verfolgt hat.

Sein Debüt für Dior ist geordnetes Chaos und die perfekte Gelegenheit, ein neues Stil-Kapitel aufzuschlagen. “Wir haben uns bewusst nur auf die Augen konzentriert — gerade weil wir in den letzten Jahren jede Menge stark betonter Lippen gesehen haben”, erklärt Simons in einem Backstagevideo kurz und knapp und betritt Hand in Hand mit Make-up-Artist-Ikone Pat McGrath neue Stilpfade.

“Professioneller Glitzerpartikel-Rock’n Roll”: Der Glitzerklub bringt Großstädte zum Schimmern

”Techno Butterflies” ist ihre Bezeichnung für den Spring/Summer 2013-Look. Dabei wird der Eyeshadow in geometrischen Kanten auf ein weitgehend ungeschminktes Gesicht aufgetragen. Wimperntusche und Augenbrauenstift? Fehlanzeige. Pat betupft die Linien in Knallfarben lieber mit glitzernden Steinchen und sorgt so für eines der spannendsten Runway-Beauty-Experimente des Jahres. Keine Angst vor Kreativität ist die Botschaft von Simons und McGrath, die wir mit ins neue Jahr nehmen dürfen — eine Mission, die der Glitzerklub nur unterstreichen kann. Das Künstlerinnenkollektiv lässt seit einem Engagement auf dem Berlin Festival im September die Szene schimmern und hat sich auf “professionellen Glitzerpartikel-Rock’n Roll” spezialisiert.

Lomography Deutschland, das Blogzine Journelles und die Partyreihe “Schöne Neue Welt” gehören unter anderem zu den Glitzerparty-Auftraggebern. Lia Haubner und Jules Harz sind dafür in Berlin unterwegs, Linda Gembus bringt Frankfurt am Main zum Glänzen. Als Stylistinnen, Bloggerinnen (sexdrugsblognroll.com) und Redakteurinnen sind sie in der Welt der Trends Zuhause. Trotzdem war es die Vergangenheit, die den Glitzerklub nachhaltig inspiriert hat. Die drei Mitte Zwanzigjährigen wandeln auf den Spuren von Glam Rock und “Velvet Goldmine”, wenn sie nachts ihre schimmernden Töpfchen, Goldsterne oder Silberprismen auspacken, um sie fachgerecht auf den Gesichtern der feierwütigen Großstädter zu verteilen. Wie man Glitzer effektvoll einsetzt und sich im Handumdrehen ein Silvester-Make-up zwischen “Techno Butterflies” und Ziggy Stardust zaubert, hat uns Glitzerklub-Mitbegründerin Jules bei einem Besuch in ihrer Kreuzberger Wohnung verraten.

Jules, “Glitzer macht glücklich” ist ein Satz, der auf eurer Website sofort ins Auge springt. Wie äußert sich das?

Das kann man ganz einfach ausprobieren: Einmal mit Glitzer-Make-up in die Straßenbahn setzen und schon bemerkt man, wie sich die Stimmung verändert. Man wird auf einmal von wildfremden Leuten angelächelt und das ist auf Parties nicht anders. Glitzer ist kommunikativ — und scheint die Leute auf irgendeine Art und Weise anzuziehen.

Das erklärt wahrscheinlich auch, warum sich Festivalbesucher schon mal über eine Stunde anstellen, um in den Genuss eures Glitzers zu kommen. Wie dürfen wir uns so einen Einsatz vorstellen?

Hauptsächlich shooten wir — und wenn wir für ein Event gebucht werden, bauen wir unseren Glitzerstand direkt vor Ort auf. Neben Gold und Silber gibt es bei uns alle Regenbogenfarben, von Frosted Pink über Fuchsia bis hin zu Türkis oder Juwelblau. Kleine Sternchen und Prismen dürfen natürlich auch nicht fehlen. Wenn wir die Töpfchen aufgestellt haben, sind die Ersten meistens schon dabei, sich eine Farbe auszusuchen. Geglitzert wird, was zum Typ passt – das kann man man so pauschal gar nicht sagen. Silber zu Goldschmuck kann genauso gut aussehen wie ein paar vereinzelte Schimmerpigmente an den Schläfen. Wir arbeiten ohne Schablonen oder Pinsel und tupfen den Glitzer mit den Fingern auf. Daraus werden Goldstaub-Rouge-Linien, geometrische Muster oder auch mal schimmernde Augenbrauen.

Wie setzt man Glitzerhighlights, die auch wirklich nur da bleiben, wo wir sie haben wollen?

Das Geheimnis ist ein spezielles Glitzergel. Das ist jedem gut sortierten Dekoladen zu haben und kann als Base aufgetragen werden. Bevor es auf der Haut antrocknet, tupfen wir die Glitzerpartikel darüber. Gold und Silber bilden die Basis, dazugemischt werden je nach Look bunte Pigmente und ein Mix aus feinem und grobkörnigem Glitzer. Wer möchte, bekommt Sternchen oder Prismen. Aber wie gesagt: Ein Patentrezept haben wir nicht — es kommt auf die Person an, die in dem Moment vor uns steht.

Stell dir vor, wir haben noch ungefähr eine Stunde bis zur Silvesterparty. Ich möchte à la Dior glänzen, bin aber komplett unerfahren. Gibt es einen Last-Minute-Glitzer-Trick, der todsicher klappt?

Wir sind nicht ganz so streng wie Raf Simons und Pat McGrath: Lippenstift ist völlig in Ordnung und ohne Mascara würden wir wahrscheinlich selbst nur ungern unterwegs sein. Am besten kombiniert man einen hellen Eyeshadow mit einem schwarzen Lidstrich und betupft dessen Ende als Verlängerung mit feinem Goldstaub. Frosted Pink ist unser Lieblingsglitzer: Ein sanftes Korallenrot mit fluoreszierendem Schimmer, das mehr funkelt als Strasssteinchen.

Und wem verpasst ihr zum Jahreswechel das richtige Glitzer-Make-up?

Höchstens uns gegenseitig. An Fasching und Silvester hat der Glitzerklub traditionell Ruhetag, deshalb feiern wir privat auf einer 50ies-Party ins neue Jahr. Ganz ohne Glitzer geht es natürlich trotzdem nicht.

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