Abhängigkeit 2.0

Smartphone-Sucht: Wie abhängig sind Sie von Ihrem Mobilgerät?

am 14.08.2014 um 14:30 Uhr

Kennen Sie das? Sie laufen durch die Straßen, in aller Seelenruhe auf Ihrem Smartphone tippend, vergessen die Welt um sich und haben plötzlich unverhofften Körperkontakt mit einem wildfremden Passanten, dem sie aus Versehen, aber mit romantisch anmutender Zielsicherheit, in die Arme gelaufen sind? Oder haben Sie, weil Sie so in die Kommunikation auf Ihrem Smartphone vertieft waren, schonmal einen Laternenpfosten liebevoll mit der Stirn gestreichelt? Falls nicht: Glückwunsch, dann haben Sie diese peinlichen Situationen bisher wortwörtlich erfolgreich umgehen können. Falls doch, dann könnten Sie vielleicht auch ein kleines Suchtproblem haben. Damit Sie jetzt nicht extra Ihre Suche-App anschmeißen müssen, um sich über Heilungsmethoden zu informieren, verraten wir Ihnen hier und in unserer Fotoshow, woher dieser zwanghafte Griff zum Smartphone kommt und was Sie dagegen tun können.

Die No-Mobile-Phone-Phobia, kurz Nomophobie, greift um sich. Es ist die Angst, nicht ständig auf dem Smartphone erreichbar zu sein und sich über das uns stetig begleitende, technische Accessoire mitteilen zu können. Kommt Ihnen das bekannt vor? Dann lesen Sie jetzt schnell unsere Tipps, wie Sie Ihre Handy-Sucht besiegen können.

(Anti-)Social Media

Einen großen Teil der Schuld an unserem Hang, ständig zum Smartphone greifen zu müssen, tragen neben Chatprogrammen wie WhatsApp und Threema gerade Social-Media-Kanäle wie Facebook, Instagram oder Twitter. Dank dieser Plattformen stehen wir in ständigem Kontakt mit Freunden, Familie, Kollegen oder einfach nur dem unterhaltsamen B-Promi, dessen Selfies und Essens-Postings wir uns zur Zerstreuung insgeheim nur zu gerne anschauen. Hauptsächlich nutzen viele aber die Kanäle, um, wie bereits angesprochen, ständig erreichbar für die Leute um sich herum zu sein. Die beruflichen Anweisungen vom Chef, die guten Ratschläge der Eltern oder den neuesten Klatsch von der besten Freundin: Man möchte ja schließlich keinen durch Abwesenheit oder zu lange Wartezeiten bei den Antworten enttäuschen. Also wird fleißig von morgens bis abends, im Notfall auch noch nachts getippt, was der Touchscreen hält. Denn auch am Bett liegt das Smartphone selbstverständlich immer auf dem Nachttisch griffbereit, wenn nicht sogar als Partner-Ersatz mit im Bett.

Und wenn gerade mal keiner online und „available“ ist, um sich auszutauschen, dann dient der Newsfeed jener Plattformen auch prima dazu, den „not available“-Status auch im realen Leben beizubehalten. Denn in der Bahn, beim Spazierengehen oder im Café wischen und scrollen wir lieber wahllos auf dem Display herum und lesen Werbung, Gossip und den hundertsten Food-Post, anstatt ohne Beschäftigung mal um uns zu blicken und möglicherweise noch ganz verstörend den Blick eines wildfremden Passanten zu erhaschen. Dann werden sogar antiquierte Kommunikationsformen wie SMS genutzt. Lieber virtuelles Social Media statt Realem: Der Gipfel der Sucht?

#Aufmerksamkeit

Ist es auf der einen Seite eine gewisse Angst, das zu verpassen, was andere gerade tun, so ist es auf der anderen Seite mittlerweile genauso ein Problem für viele Smartphone-Abhängige, wenn sie sich nicht selbst und das, was sie tun, essen, anziehen oder gerade hören und sehen, mit der ganzen Welt teilen können. Dabei geht es weniger um eine Art von Tagebuch-Funktion, die wir primär für uns selbst als Fotoalbum oder Erinnerungsstütze nutzen, nein: Es geht schlichtweg um die krampfhafte Suche nach Aufmerksamkeit. Möglichst viele Hashtags unter ein Bild setzen für möglichst viele „Likes“ und natürlich das ganz unauffällige Suchen nach persönlicher Bestätigung oder, wie es auf Neudeutsch heißt, „fishing for compliments“. Denn welchen Sinn hat es, das tolle kleine Schwarze oder die aufregenden Designer-Heels aus dem Schrank zu holen, wenn es dank der mit coolen Filtern versehenen Selbstdarstellung auf dutzenden Bildern nicht mindestens genauso viele Kommentare oder Gefällt-mir-Angaben gibt? Welche Befriedigung hat es, an einem schönen Ort zu sein, wenn es die ganze Welt nicht gleich live und in Farbe erfährt? Eine Dramatik, die viele Nutzer befällt und klar für eine Abhängigkeit spricht.

Die Smartphone-Sucht in den Griff bekommen

Ob Sie ein kleines oder größeres Suchtproblem haben, können Sie sich mit einigen einfachen Fragen selbst beantworten: Fühlen Sie sich unwohl, wenn Sie Ihr Handy mal zu Hause vergessen haben und zeigen sich bei Ihnen sogar Entzugserscheinungen wie Nervosität? Verlieren Sie beim Benutzen jegliches Zeitgefühl? Verwenden Sie es, um Ihre Laune zu heben? Wenn Sie jetzt genickt haben, dann sollten Sie die folgenden Tipps gegen die Smartphone-Sucht vielleicht etwas genauer lesen. Es könnte nämlich sein, dass das Smartphone Sie im Griff hat und nicht mehr andersrum.

Um die Abhängigkeit zu überwinden, sollten Sie sich erstmal eine App herunterladen. Klingt paradox, ist es aber gar nicht mal. Denn mittlerweile gibt es gewisse Anwendungen, die registrieren, wie lange wir uns an unserem Smartphone aufhalten und uns die Wahrheit somit eiskalt ins Gesicht sagen oder, nun ja, grafisch verdeutlichen. Stellt sich dann dabei heraus, dass das Smartphone erschreckend viel unserer Zeit frisst, sollten am besten sofort Maßnahmen ergriffen werden. Beginnen Sie damit, Ihr Smartphone über Nacht und auch tagsüber für ein bis zwei Stunden abzuschalten. Damit schränken Sie die Zeit der ständigen Erreichbarkeit für sich selbst und für andere gleich deutlich ein. Auch beim Essen sollten Sie das Telefon weit entfernt platzieren, um sich nicht ablenken zu lassen. Die Zeit, die Sie ohne Ihr Smarpthone verbringen, können Sie so nach und nach steigern. Und ganz wichtig: Sollten Sie in der Realität gerade mit anderen Personen unterwegs sein oder zum Beispiel ein Date haben, tun Sie sich selbst einen doppelten Gefallen und lassen das Smartphone unbeachtet oder am besten gleich zu Hause. Das tut nicht nur Ihnen gut, sondern ist auch ein Zeichen des Respekts für Ihr Gegenüber. Und schließlich ist so ein amüsanter Abend fernab von Hashtags und Kommentaren doch immer noch am schönsten.

In unserer Fotoshow sehen Sie nochmal, woher die Smartphone-Sucht kommt und wie Sie sie schnell in den Griff bekommen.

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