Frühjahr-Sommermode 2013: Trend Report: 40s Romance

am 22.01.2013 um 12:49 Uhr

Mit zarten Blütenmustern, hochgeschlossenen Sanduhr-Silhouetten und kniebedeckenden Rocksäumen zelebriert die Mode im Spring/Summer 2013 das feminine Understatement der 40er Jahre. In Kombination mit zeitgenössischen Elementen eine zauberhafte Hommage an die Bescheidenheit.

Auf ihrerZeitreise ins letzte Jahrhundert macht die Mode für die kommende Frühjahr/Sommer-Saison auch in der Epoche um den zweiten Weltkrieg halt, in der eine Sehnsucht nach heiler Welt und Romantik stilbildend war.

In Zeiten der Not legten die Frauen der 40er Jahre besonders großen Wert auf die äußere Erscheinung, denn sich hängen zu lassen wäre als Eingeständnis der Niederlage verstanden worden. Weil nicht nur Geld, sondern auch Materialien knapp waren, wurden weibliche Reize subtil und Figur schmeichelnd, durch gezielte Schnittführung, zarte Stickereien und gedeckte Farbtöne untermalt. Prunkvolle Extravaganz galt als verpönt, dafür erkannte man, wie wichtig qualitativ hochwertige Stoffe und sorgfältige Verarbeitung sind, die dem hohen Verschleiß durch körperliche Arbeit gewachsen sind. Sinnlich und bescheiden zeigte sich die Mode der 40er Jahre auf einer Gratwanderung zwischen schlichter Arbeiterinnen-Uniform, frommen Fräulein-Kleidern und Filmstar-Glamour.

Dass – oder gerade weil – der „Less is More“-Gedanke auch in Zeiten des Konsum-Überflusses große Wirkung hat, bewiesen die Modehäuser jetzt auf den internationalen Fashion Weeks.

Understatement Chic in Paris und Mailand

In Paris zeigte Valentino die für die Epoche typischen schmalen Taillen, kantige Schultern und kniebedeckende Rocklängen in Kombination mit dezenten Perlenapplikationen und hauchzarten Spitzenstoffen, in Form adretter Blusen oder eines zugeknöpften Chiffon-Kleides mit Bubikragen. Den zauberhaft femininen Look komplettierten transparente Peeptoes.

Auch Bottega Veneta präsentierte in Mailand klassisch schulterbetonte und kniebedeckte Sanduhr-Silhouetten. Das italienische Traditionshaus unter der Kreativleitung des deutschen Designers Tomas Maier setzt kommende Saison auf Blütenprints und -applikationen in gedeckten Creme-, Senf-, Bordeaux- und Rosttönen. Hochgeschlossen, wie ein geblümtes Sommerkleid mit Taillengürtel, ausgestellter Schulterpartie und Ärmeln in Ellenbogenlänge, Hemd- und Blusenkleider und Highwaist-Bleistiftröcke. Oder mit tiefem V-Ausschnitt und Faltendetails, stets in Kombination mit Plattform-Riemchenpumps.

Femininer Futurismus in London und New York

Während der Haute Couture 1945 noch das Geld für Modenschauen fehlte und die Modemacher ihre Entwürfe an Miniatur-Drahtpuppen vor illustrierter Kulisse, dem „Théâtre de la Mode“, präsentierten, ließ Zac Posen im gegenwärtigen New York Supermodels wie Naomi Campbell und Karolina Kurkova in superfemininen, schulter-, hüft- und taillenbetonten Korsagen-Kleidern über den Catwalk flanieren. Diese zierten schlicht gehaltene Patchwork-Blumenmuster, Origami-Details, Zierbroschen und Tüll-Elemente.

Bei Burberry Prorsum in London traf 40er-Jahre-Filmstar-Glamour auf futuristische Metallic-Effekte. Thema der Kollektion ist „Corsets and Capes“, der Focus liegt auf breiten Schultern und schmal taillierten Highwaist-Cuts. Mit Kurz-Capes, Trenchcoats, Blusen und Kleidern in Spitzenoptik, Military-Elementen oder für die 40er Jahre typischen Etui-Looks in Seidenschimmer und Korsagen-Optik gelingt David Bailey auf wundersame Weise der Spagat zwischen Retrospektive und Avantgarde.

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