Spice-Girls-Musical “Viva Forever” feiert Premiere

am 12.12.2012 um 11:37 Uhr

Gibt es die Spice Girls eigentlich noch? So genau weiß man das nie. Derzeit hat die Kult-Girlband der 90er Jahre versucht, sich einmal wieder zu vereinigen, um etwas zu feiern, das der Welt gerade noch gefehlt hat: ein Spice-Girls-Musical. Die Gute-Laune-Revue “Viva Forever” feierte am Dienstagabend im Londoner West End im Piccadilly Theatre Weltpremiere. Natürlich in Anwesenheit aller fünf Spice Girls. Auch wenn die Wiedervereinigung dann doch nicht so geklappt hat.

Während die übrigen Bandmitglieder sich brav lächelnd als Quartett den Fotografen stellten, kam Victoria Beckham (38, “Posh Spice”) als letzte und zog es vor, gemeinsam mit Ehemann David und den drei Söhnen auf dem roten Teppich zu erscheinen. Man ist schließlich nicht umsonst ein Superstar.

“Ein Traum wird wahr für die Spice Girls”, sagte Geri Halliwell (40, “Ginger Spice”) mit Melanie Brown (37, “Scary Spice”) im Arm. “Wir sind so, so stolz”, meinte Melanie Chisholm (38, “Sporty Spice”). “Unsere Familien sind da, das ist ein sehr spezieller Abend für uns”, betonte Emma Bunton (36, “Baby Spice”). Wie viel sie wirklich an dem Stück mitgewirkt haben, ist unklar – auf den Riesenpostern in Londons Tube-Stationen heißt es: “in Verbindung mit den Spice Girls”.

Geri hat mal vorbeigeschaut

Geri habe während der zweimonatigen Proben mal reingeschaut, erzählt die Darstellerin Sally Ann Triplett der Nachrichtenagentur dpa. Sie spielt Lauren, die auf einem Hausboot wohnende Adoptivmutter der Titelfigur Viva. “Und ich habe einmal mit Mel B. zusammen gesungen.” Die junge Sängerin Viva verkörpere “eine Mischung aus allen Spice Girls”, meint Triplett. Und was macht die Show aus? “Die Songs sind fantastisch, sie machen einen glücklich beim Singen. Und das Stück hat tolle Atmosphäre und tolle Energie.”

“Der Plot war armselig”

Die ersten Zuschauer-Reaktionen aus der Pressevorführung am Montagabend waren gemischt. Das Mutter-Tochter-Duo Sarah (35) und “Ginge” (16) aus Leicester ist total aus dem Häuschen. “We looooooved it”, kreischen die beiden selbst erklärten “riesigen Spice-Girls-Fans”. “Ein Feel-Good-Musical”, urteilt Sarah. Ben aus London ist dagegen entsetzt. “Es war schrecklich”, sagt der 19-Jährige pikiert, der selbst eine Musical-Ausbildung macht. “Der Plot war armselig, schlimm geschrieben, die Songs sind gar nicht adaptiert worden”, schimpft Ben. “Ich bin für Musical-Theater hier her gekommen und nicht für ein billiges Album-Playback.”

Ja, der Plott wirkt konstruiert – als hätte man die Best-of-Songs der Spice Girls eins zu eins passend zu den Sprechexten hinein quälen müssen. Autorin Jennifer Saunders benennt die Themen im Programmheft: “Freundschaft, Identität, Liebe und Berühmtheit.”

Und so handelt das Stück in seinen zweieinhalb Stunden Spielzeit von der jungen Sängerin Viva, die mit ihren drei Freundinnen als Band Eternity bei der TV-Casting-Show “Starmaker” mitmacht. Doch sie wird als Einzel-Sängerin ausgewählt und gerät prompt in die Mühlen des Pop-Business und ihrer ruhmsüchtigen Jurorin und Coacherin. Diese schlachtet sogar medial aus, dass Viva adoptiert ist. Die bösen Casting-Show-Leute singen alle mal gemeinsam “Who do you think you are?” Nebenher verliebt sich der trottelige, spanische Hiwi der Sendung – Angel – in Viva, der ihr dann auf einer Reise nach Spanien das Liebeslied “Viva Forever” auf der Gitarre spielt.

“Wannabe”-Tanz in einer Modesünden-Show

Obendrein gibt es den rührseligen Strang mit der Beziehung zwischen Viva und ihrer nicht leiblichen Mutter – da passt der Song “Mama”. Und am Ende kommt das Happy End: Mit der unverdorbenen Viva, die bei ihrem finalen Song in der Casting-Show Haarteil und High-Heels wegwirft, um ihre drei Freundinnen auf die Bühne zu rufen und zu “Wannabe” zu tanzen. Flimmernde Bildschirme rechts links und oben an der Bühne entlang lassen das Musical-Theater dann zur Disco werden. Ultimativ für Junggesellinnen-Abschiede, und trotz Handlung in der Jetztzeit, eine Modesünden-Show der 90er.

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