Social Media

Social Media: Recherchieren Sie noch oder stalken Sie schon?

am 03.02.2015 um 17:18 Uhr

Das Internet scheint eine schier endlose Quelle an Informationen zu sein. Wir können die neuesten Nachrichten lesen oder uns über die aktuellen Wettervoraussagen, die wir schnell per Suchmaschine herausgefunden haben, echauffieren. Wir können aber auch herausfinden, wie die junge, attraktive Dame heißt, die gerade das Profilbild unseres Liebsten mit einem „Gefällt mir“ auf Facebook markiert hat, welchen Hobbies sie nachgeht und wo sie wohnt. Und wieso ist die eigene, beste Freundin überhaupt mit ihr befreundet? Geben Sie es zu: Sie kennen diese stundenlangen, intensiven „Recherchearbeiten“ in sozialen Netzwerken, mit denen Sie sich über weitverzweigte Wege Informationen über Personen beschaffen, die Sie kennen – ober kennenlernen wollen, ob die es wiederum wollen oder nicht. Bei dem einen oder anderen kann diese Suche ungeahnte Ausmaße annehmen und möglicherweise zu einer Art „Stalking 2.0“ verkommen. Woran Sie erkennen, ob Sie vielleicht ein bisschen zu weit gehen und was uns diese großangelegte Recherche eigentlich bringt, erfahren Sie hier und in der Fotoshow .

„Hast du schon gesehen, mit wem er jetzt zusammen ist? Und die Urlaubsfotos von der Schwester der Freundin? Die musst du dir unbedingt anschauen, ständig zeigt sie sich im Bikini, als wäre sie Miss Universe!“ Ja, gerade wir Frauen haben die Angewohnheit, gerne zu reden. Selbstverständlich nur über Fakten. Und was macht es uns einfacher, an solche zu kommen, als durch die umfassende Vernetzung des gesamten Bekannten- und Nicht-Bekanntenkreises in sozialen Netzwerken im Zusammenspiel mit ein paar Gläsern Wein und einigen Stunden Freizeit.

Zwischen natürlicher Neugierde und exzessiver Informationsbeschaffung

„Ich stalke doch nicht, ich informiere mich nur!“ Wenn Sie sich auch schon mal so für Ihren exzessiven Konsum von Personen-bezogenen Neuigkeiten auf Facebook, Instagram und Co. rechtfertigen mussten, sei es vor Ihren Freundinnen oder Ihnen selbst, dann kennen Sie die Problematik wahrscheinlich, die sich ergibt, wenn die Neugierde über den gesunden Verstand siegt.

Oft beginnt es harmlos: Sie haben zum Beispiel jemanden kennengelernt und möchten sich nun über diese Person online informieren. Na gut, auch das könnte man schon als merkwürdig bezeichnen, schließlich geht sowas auch ganz ohne geheime Recherchen bei einem normalen Treffen. Aber sind wir ehrlich: Wenn die Möglichkeit besteht, mehr über eine Person zu erfahren, als diese vielleicht zu Beginn preisgeben will, juckt es einen schon in den Fingern, einige Klicks zu tätigen und so interessante Einblicke in das Leben dieser Person zu erhalten. Und wenn das Profil dann auch noch öffentlich zugänglich ist, dann fängt der Spaß erst so richtig an. Dann werden Freundeslisten gecheckt, Hobbies und Lieblingsbands ausfindig gemacht, Fotos angeschaut und die neuesten Pinnwand-Einträge überflogen, wobei die Worte „neu“ und „überflogen“ auf „bis zum Tag der Anmeldung“ und „intensives Einlesen“ dehnbar sind.

So weit sollte es doch gar nicht kommen!

Schließlich kommt der Zeitpunkt, an dem wir uns so sehr in der Online-Historie dieser Person verloren haben, dass wir uns auf der Seite der alten Schulfreundin der Schwester des Freundes des Objektes der Begierde wiederfinden und uns etwas schockiert fragen, wie wir dort eigentlich hingekommen sind. Spätestens dann wird der Laptop verschämt zugeklappt. Das Fenster wird aber doch noch offen gelassen, für einen späteren Zeitpunkt, es gibt noch so viel zu stalken, Pardon, zu entdecken.

Wenn das Profil der Zielperson jedoch dank eiserner Privatsphäreeinstellungen auf keinem Weg zugänglich ist, werden härtere Geschütze aufgefahren. Denn wenn sie nicht freiwillig etwas über sich preisgeben will, dann tun das vielleicht die besten Freunde oder die Familienmitglieder, von denen wir zufällig wissen und die nur zu gern andere Personen auf ihren Fotos oder Statusmeldungen verlinken. Der geheime Stalker, der sein Laster natürlich niemals verraten geschweige denn als solches überhaupt anerkennen würde, kennt eben seine Wege und Mittel, bei denen andere ungläubig den Kopf schütteln würden.

Peinliche Fehler und Momente der Reue

Spätestens dann, wenn Sie sich regelmäßig mit einer solchen intensiven Online-Recherche beschäftigen und Ihnen ein natürlicher Instinkt schon ganz deutlich ins Ohr schreit, dass Sie besser keinem davon erzählen sollten, sollten Sie sich Gedanken machen.

Doch die erste Reue und Einsicht folgt meist spät, zum Beispiel dann, wenn man beim Stalking einen unbeabsichtigten Fauxpas begeht und bei seinen Taten erwischt wird. Da wird beispielsweise aus Versehen der Name der Zielperson nicht in die Suchleiste, sondern in das Statusfeld eingegeben und für alle Freunde sichtbar veröffentlicht. Oder man verrät sich bei einem realen Treffen mit der Person selbst, indem man über private Informationen spricht, die man eigentlich gar nicht wissen dürfte. Veraltete Fotos oder Kommentare mit einem „Gefällt mir“ zu markieren, könnte ebenfalls zu Erklärungsschwierigkeiten führen.

Von Amüsement über Neid bis hin zu Frustration

Doch was bringt es uns eigentlich, ständig die Online-Profile von anderen nach neuem Gossip abzuklappern? Natürlich stillen wir dadurch auf der einen Seite unsere Neugierde und verschaffen uns ein Gefühl der Befriedigung. Doch auf der anderen Seite veranlassen manche Fünde auch zu gänzlich negativen Gefühlen. Wenn wir zum Beispiel sehen, wie die arrogante Kollegin paradiesische Urlaubsbilder inklusive einem gertenschlanken Körper im Bikini präsentiert, oder wie der nette Herr aus der Bar, mit dem wir zu einem Date verabredet sind, eine Freundesliste hat, die gefühlt zu 80 Prozent aus weiblichen Kontakten besteht, kann die Sensationslust schnell in Wut, Neid oder Frustration umschlagen.

Ob diese Gefühle dann begründet oder auch noch unbegründet sind, sei dahingestellt. Fakt ist jedoch, dass sie uns negativ beeinflussen und nicht selten zu Selbstzweifeln führen, wenn man sieht, wie beliebt, glücklich, erfolgreich oder anderweitig bevorteilt andere Leute scheinbar sind. Doch was man nicht vergessen sollte, ist, dass die Profile in sozialen Netzwerken keinesfalls die Realität des Lebens widerspiegeln. Denn natürlich werden in der Regel positive Erlebnisse geteilt, wer berichtet schon gerne von Rückschlägen und Misserfolgen?

Fazit: Was man nicht weiß, macht einen nicht heiß

Deshalb sollten Sie sich als gelegentlicher Stalker bewusst sein: Wer tief in der Vergangenheit von anderen herumwühlt, der macht sich damit im Endeffekt nur selbst Ärger. Denn etwas wirklich Positives und Bereicherndes werden Sie auf lange Sicht nicht aus den Informationen ziehen. Sparen Sie sich darum nicht nur eine Menge Zeit, sondern auch einiges an Nerven und reduzieren Sie Ihre Stalking-Ambitionen. Dies muss ja nicht von heute auf morgen geschehen. Aber versuchen Sie doch wenigstens, nicht mehr das Profil der Schulfreundin der Schwester des Freundes der Person zu durchforsten. Und dazugehörige Lesezeichen zu entfernen.

In unserer Fotoshow haben wir für Sie das Problem der ewigen Neugierde, die uns zum Stalken in sozialen Netzwerken animiert , nochmal zusammengefasst.

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