Stolz und Vorurteil: Nach 200 Jahren noch zeitgemäß?

am 03.02.2013 um 11:25 Uhr

Mr. Darcy, Elizabeth Bennet, Mr. Bingley und Mr. Wickham – diese vier Namen in Kombination lassen gleich darauf schließen, worum es sich dreht: „Stolz und Vorurteil“ von der wundervollen Jane Austen wurde 200 Jahre alt und ist für uns ein Grund, einmal nachzuforschen, ob das Buch, die Thematik oder die Frauenfigur noch zeitgemäß sind.

„Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, dass ein Junggeselle im Besitz eines schönen Vermögens nichts dringender braucht als eine Frau.“ Dieser erste Satz aus Jane Austens „Stolz und Vorurteil“ ist wahrscheinlich einer der berühmtesten und meist zitierten ersten Sätze aus einem Roman. 1813 erschien das Werk das erste Mal; 200 Jahre später wurden ca. 20 Millionen Exemplare des Bestsellers verkauft. Ein Muss für jeden Literaturstudenten und ein Highlight in jedem Bücherschrank. Doch sind die Thematik und die Frauenfigur überhaupt noch zeitgemäß?

200-mal “Happy Birthday”

Jane Austen selbst war für ihre Zeit fortschrittlicher, als es das Frauenbild in der Gesellschaft des 19. Jahrhundert eigentlich zuließ. So arbeitete sie, um sich ihr Geld zu verdienen, noch dazu in einem kreativen Beruf. Des Weiteren heiratete Jane nie. Dieses fortschrittliche Denken gab sie auch stets ihren Frauenfiguren mit, die den Mittelpunkt ihrer berühmten Romane bilden. Auch Elizabeth Bennet gibt sich nicht den Vorschriften der Gesellschaft hin und lehnt den Heiratsantrag von Mr. Collins ab, obwohl es zu dem Zeitpunkt nicht sicher ist, dass eine bessere Partie um ihre Hand anhalten wird.

Modernes und revolutionäres Frauenbild

Selbstständige Frauen, die ihren eigenen Kopf haben und ihren eigenen Weg gehen, sind bis heute ein Thema, das vor allem Autorinnen gern aufgreifen. Die Romeo-und-Julia-hafte Verzwickung zweier ungleicher Familien, eine Liebe, die nicht sein darf, noch dazu eine Studie der Gesellschaft – klassische Themen, die auch in der zeitgenössischen Literatur immer wieder auftreten. Die bedingungslose Abhängigkeit der Frau vom Mann und natürlich die Sprache des Entwicklungsromans sind inzwischen etwas veraltet, aber werden immer wieder gekonnt in die Neuzeit umgesetzt.

Verfilmungen und andere Adaptionen

Neben einem überragenden zweiten Platz in der BBC-Umfrage von 2003 ist das Buch nicht nur eines der beliebtesten in Großbritannien, sondern auch eines der am meisten adaptierten. So sahen wir bereits Colin Firth in der Rolle des Mr. Darcy in der 1995er Version und auch Keira Knightley als Elizabeth Bennet 2005. Abwandlungen dazu gab es dann einmal bei „Bridget Jones“ 2001, in der Colin Firth wieder einmal – wenn auch einen etwas anderen – Mr. Darcy porträtierte, und 2004 bei „Bride and Prejudice“, einem Bollywood-Spin-Off. Den Sprung zwischen Gegenwart und Fiktion schafft die Hauptfigur in „Lost in Austen“ (2008) und verleiht der Geschichte somit noch einen neuen, interessanten Dreh, wohingegen sich Mr. Darcy und Elizabeth Bennet 2011 einem mörderischen Rätsel stellen mussten in „Death Comes to Pemeberley“ (P.D. James, 2011) und mit Zombies wandeln in „Pride and Prejudice and Zombies“ (Seth Grahame-Smith, 2009).

Angekommen in der Neuzeit

Die neuesten Adaptionen zeigen, dass selbst in der technologiebasierten und popkulturellen Welt von heute noch immer Platz ist für ein bisschen „Stolz und Vorurteil“. Anlässlich des 200-jährigen Geburtstages des Buches lief auf dem Sundance Film Festival eine neue Fassung des Stoffes:  In „Austenland“ gibt eine Frau ihr gesamtes Geld dafür aus, in den Jane-Austen-Themenpark zu gehen. Immer an ihrer Seite: ein lebensgroßer Pappaufsteller von Colin Firth. Für die Jugend wurde der Stoff besonders modern aufbereitet, so zeigt „The Lizzie Bennet Diaries“ eine Folge von Videoblogs, die Social Media, Hipster und popkulturelle Phänomene in einen guten Einklang bringt. Mit kleinen modernen Reparaturen überlebt der Roman also noch ein weiteres Jahrhundert, da sind wir uns sicher. Aus der Mode kommt die Liebe ja nie.

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