Die Story

Ein Mann im rosafarbenen Tutu: Alles über das Tutu Project

am 17.03.2014 um 17:54 Uhr

Steht da tatsächlich ein Mann in einem Ballerina-Tutu auf einem New Yorker U-Bahnhof? Ein nackter Mann im rosa Tutu? Das kann wirklich nur ein schlechter Scherz sein, dachten sich wohl viele, die diese Bilder zum ersten Mal sahen. Und irgendwie war es das zu Beginn auch, denn Bob Carey, der behaarte Mann im rosafarbenen Tutu, wollte als Fotograf eigentlich nur einmal etwas Verrücktes ausprobieren. Dass diese Bilder allerdings bald dazu beitragen sollten, einem harten Schicksalsschlag, nämlich der Brustkrebserkrankung seiner Frau, mit einem Lächeln zu begegnen, ahnte er damals noch nicht. Erfahren Sie hier und in unserer Fotoshow alles über das bewegende Tutu Project und wo Sie sich die Bilder in Großaufnahme ansehen können.

Das Leben ist schön, mit ihm fertig zu werden, kann allerdings manchmal hart sein, und manchmal ist es das Beste – nicht das Einzige – über uns zu lachen und dieses Lachen mit anderen zu teilen.“, so Bob Carey. Lachen ist es gesund, heißt es ja auch so schön. Und die einzigartigen Tutu-Bilder tragen dazu mit Sicherheit einen großen Teil bei.

Die Tutu-Evolution

Meine Großmutter war eine großartige Schneiderin, also bat ich sie, das Tutu für mich zu nähen.“ – Das war im Jahr 2002. Zu einem Zeitpunkt, als Bob und seine Frau Linda noch nichts von der Erkrankung ahnten. Wie es die einzigartigen Fotografien nämlich vermuten lassen, haben diese einen rein künstlerischen Ursprung. Das Ballet Arizona in der amerikanischen Stadt Phoenix engagierte den Fotografen im Jahr 2002 nämlich für eine Werbekampagne und bat ihn, ein Bild einzufangen, welches zeigt, was diese Kunst für ihn selbst bedeutet. Gesagt, getan: „Zu der Zeit arbeitete ich gerade mit Schwarz-Weiß-Fotografien und entschied mich, genau diesen Stil zu verwenden. Meine Arbeit bestand immer darin, mich in etwas zu verwandeln, was ich nicht bin, also wählte ich das Ballerina-Konzept. Ich entschied mich für Rosa, weil diese Farbe auf Schwarz-Weiß-Bildern einen ganz besonderen Ton erzeugt.“, so Bob Carey im Interview mit dem Forbes Magazin. Das Foto zeigt den ungefähr 90 Kilogramm schweren Mann von hinten, nach vorn gebückt, mit ausgebreiteten Armen, gleich einer Verbeugung und mit dramatischen Schattierungen.

Die Tutu-Reise

„Entschuldigen Sie, Sir! Tragen Sie etwas unter Ihrem Tutu?“ – „Ja, Officer, ich trage rosafarbene Shorts, die zu meinem Tutu passen.“ – Derartige Gespräche führte Bob Carey in den letzten Jahren häufiger, denn die Sache mit dem Tutu entwickelte sich von der Auftragsarbeit zur Leidenschaft. Bob zog mit seiner Frau Linda sogar nach New York und setzte das rosa Tutu in der Stadt der Städte in atemberaubende Kulissen. Bis bei Linda Carey im Dezember 2003 Brustkrebs diagnostiziert wurde. Von diesem Tag an entwickelte sich das Tutu-Shooting zu einer Art Therapie – allerdings nicht nur für Linda, sondern auch für Bob. Das Fotografieren, das Posieren im rosafarbenen Tutu, wurde für Bob zur Selbsttherapie, um mit dem Schicksalsschlag und dem belastenden Alltag fertig zu werden. Die Flucht in die Kunst sozusagen.

Das Tutu Project

Eher durch Zufall wurden Bobs Bilder dann auch für andere das Mittel zum heilenden Zweck und nur der Zufall wollte es, dass das Tutu ausgerechnet Rosa ist – die Farbe, die auch das Symbol im Kampf gegen den Brustkrebs ist. Als bei seiner Frau der Krebs im Jahr 2006 zurückkehrte, fing Linda an, die inzwischen zahlreichen Bilder ihres Mannes mit zu den Therapiesitzungen zu nehmen. Schnell stellte sich heraus, dass die anderen Frauen nicht nur begeistert waren von den Tutu-Bildern, sondern viele von ihnen auch seit langer Zeit einmal wieder herzhaft lachten. Wenn es diesen Frauen dabei hilft nur für einige Minuten ihre Last zu vergessen, dann müsse es doch anderen Frauen auch so gehen?
Erst vor Kurzem fingen die beiden deshalb an, ihre Bilder mit amüsanten und bewegenden Geschichten in ein Buch zu verpacken. Ein Buch voll mit Tutu-Bildern, das gleich zwei Zwecke erfüllt: Einerseits können so kranke Menschen auf der ganzen Welt Freude daran haben und andererseits kommen die Erlöse der von Linda im Jahr 2012 gegründeten Carey Foundation zugute. Linda Carey, die noch immer gegen den Brustkrebs kämpft, möchte andere Frauen unterstützen und sammelt Spenden für alle Ausgaben, die das Budget vieler Familien oftmals sprengen würden: Transporte zu den Arztterminen, Perücken, die das Selbstwertgefühl immens steigern, Kinderbetreuung, Beratungen und spezielle Kompressionsärmel.

Und das Tutu?

Falls Sie sich jetzt fragen, ob Bob seit 12 Jahren mit dem einen rosafarbenen Tutu durch die Weltgeschichte reist: Nein. Aber immerhin hat das Ursprungs-Tutu ganze sieben Jahre gehalten, wie Bob im Interview mit dem Forbes Magazin erzählte: „Ich ließ mir ein neues Tutu anfertigen und die Person, die das erledigte, schmiss das alte Tutu, welches ich mehr als sieben Jahre trug, leider weg, weil sie dachte, dass es einfach zu mitgenommen aussah. Das war natürlich auch so. Aber man hätte es natürlich auch versteigern können. Das war ein wenig enttäuschend. Inzwischen habe ich zwei weitere Tutus und die befinden sich in der Regel in meinem Rucksack. Ich versuche immer alles bei mir zu haben, wenn ich weiß, dass ich vielleicht zu einem Ort fahre, der interessant sein könnte.

Wir können uns also sicher sein, dass es noch viele weitere Tutu-Bilder geben wird. Einen Blick auf ein paar Bilder aus dem „Tutu Project“ können Sie in unserer Fotoshow werfen.

Kommentare


Luxus: Mehr Artikel