Durch die Linse: Die Fashion Week aus Fotografen-Sicht

am 24.01.2013 um 17:00 Uhr

Die Fashion Week ist vorbei, das Zelt wird wieder angebaut und für alle Beteiligten war es eine stressige, aber auch aufregend schöne Zeit. desired.de hat dabei für Sie einen Blick hinter die Kulissen geworfen und Designer backstage getroffen, Models interviewt und Shows besucht. Doch was wäre der ganze Rummel ohne die Fotografen. Tobias Wirth war ebenfalls auf der Mercedes Benz Fahsion Week unterwegs und hat für uns seine Eindrücke aufgeschrieben.

Was bedeutet die FW für dich als Fotograf?

Für mich als Mode- und Portraitfotograf bedeutet die Fashion Week in erster Linie eine Plattform für die überwiegend deutsche Modeszene, mit Kunden, Partnern und potentiellen neuen Geschäftspartnern in Kontakt zu treten, sowie die neuen Trends für die bevorstehende Saison zu erkunden.

Was ist bei der FW dein Highlight?

Als Showhighlight auf jeden Fall Hugo Boss, sowie Dawid Tomaszewski.

Worauf achtest du als Fotograf am meisten?

Ich achte in erster Linie auf die Farbgebung, die Schnitte, sowie den roten Faden, der saisonbedingt bei den meisten Labels zu finden ist.

Wieso schaust du inzwischen lieber als Gast die Shows an, als Fotos zu machen?

Ich verzichte nicht ganz auf das Fotografieren, sondern arbeite nur mit einem anderen Background als die reinen Pressefotografen. Da ich überwiegend im Editorial-Bereich arbeite, das heißt ganze Modestrecken für Magazine produziere bzw. nach Kundenauftragsbasis, dient mir die Fashion Week in erster Linie als Plattform für Kontakte. Bilder schieße ich nur noch bei einigen ausgewählten Shows, wie z.B. für meinen Blog oder ggf. andere Medien, diese Saison habe ich z.B. eine Backstage-Story von und für den Designer Dimitri fotografiert.

Berlin, Donnerstag, 17.01.2103

Am heutigen Tag kam ich ziemlich erledigt von meinem mit Shows und zwei Aftershow-Partys beladenen Vortag in das Zelt der Mercedes Benz Fashion Week Berlin. Nach einem Besuch zweier Showrooms am Vormittag traf ich gegen 13 Uhr im Zelt an, um mir die Laurèl-Show anzusehen… Das Zelt war extrem überfüllt, was sich auch auf die Sitzplatzvergabe auswirkte.

Boris Becker mit Frau sowie Sohnemann lösten einen hysterischen Paparazzi-Alarm aus, was mir wieder bestätigte, dass es die richtige Entscheidung war, nicht den reinen Weg als Pressefotograf zu gehen, sondern mich für die Mode und Portraitfotografie zu entscheiden. Die Show an sich war wie erwartet – ähnlich der letzten Saison – sehr tragbar, gradlinig und kommerziell ausgerichtet. Nach der Show zog ich mich zügig in die für Fotografen bereitgestellte Media Launch zurück, um ein bisschen zu schreiben und die hektisch hin- und herrennenden Fotografen zu beobachten.

Hektik in der Media Launch

Die Media Launch muss man sich als kleinen, total überfüllten, stickigen Raum vorstellen, der mit Laptops, großen Rechnern und Hunderten Kameras und den dazugehörigen Fotografen gefüllt ist, die nach jeder Show ihre Bilder schnellstmöglich den dazugehörigen Agenturen schicken müssen, die diese weiter an die Medien geben – „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“: ein alter Spruch, der in diesem Fall zu 100 Prozent zutrifft. Nur der verdient, der am schnellsten seine Bilder losschickt… Ein Faktum, der das Arbeiten als Fotograf während einer solchen Veranstalung nicht unbedingt entspannt.

Ich persönlich nutze die Fashion Week hauptsächlich, um Kunden zu treffen, neue Kontakte zu knüpfen, sowie mir einen Einblick über die kommenden Kollektionen zu verschaffen, da ich hauptsächlich Editorial (für Magazine) arbeite und diese Informationen für meine Produktionen verwenden kann. Das ist auch der Punkt, der mich von Pressefotografen unterscheidet, da ich nicht darauf angewiesen bin, die Prominenten, alle Runways-Shows oder andere Situationen festzuhalten, vielmehr mit den Menschen dahinter in Kontakt treten, ausgewählte Shows fotografieren oder Backstage-Storys für Designer machen kann.

Backstage bei den Designern

Am Vortag habe ich eine solche Backstage-Story von und für den Designer Dimitri fotografiert – eine willkommene Abwechslung! Ich habe mich 2 Stunden vor der Show backstage begeben und das Geschehen dokumentiert. Über Haare/Make-up, Probelaufen, Dressen und die Show an sich habe ich alles begleitet und auf meine Art und Weise festgehalten. Seine fantastische Kollektion und das gekonnte Casting in Kombination mit dem Ablauf hinter den Kulissen machten für mich diese Produktion mehr zu einer Ausübung meiner Leidenschaft, als dass ich das Gefühl von „Arbeit“ hatte.

Andrang bei Guido Maria Kretschmer

An diesem weiteren Tag habe ich mir noch die Shows von Dietrich Emter, A Degree Fahrenheit, Marcel Ostertag und Guido Maria Kretschmer angesehen. Auffällig waren auf jeden Fall die Shows von den letzteren beiden. Marcel Ostertag, der am Ende seiner Show, wie jede Saison zuvor auch, gekonnt mit seinen 15 Zentimeter-High-Heels über den Catwalk fegte, sorgte mit seiner neuen Kollektion auf jeden Fall für einen tosenden Applaus. Die größte Aufmerksamkeit, Showandrang sowie Promi-Dichte erreichte jedoch die Show von Guido Maria Kretschmer. Die Reihen waren berstend gefüllt, hunderte Pressefotografen belagerten die ersten mit Promis bestückten Reihen, und die Show dauerte von allen auf der Fashion Week gezeigten am längsten. Auf die einzelnen Kollektionen möchte ich jetzt nicht detailliert eingehen, da dies die Moderedakteure sicher feinfühliger im Stande sind wiederzugeben, die Atmosphäre jedoch war berauschend.

Direkt im Anschluss fuhren ich und ein weiterer befreundeter Fotograf direkt zur Aftershowparty von Guido Maria Ketschmer im nhow Hotel Berlin. Eine zu Anfang noch recht steife Veranstaltung, die jedoch mit steigendem Alkoholpegel wirklich nett und locker wurde. Das exquisite Fingerfood, der Wein und letztendlich der Champagner führte zu einer angenehmen Atmosphäre. Die Aftershow-Partys sind für mich und meinen Background auf jeden Fall die eigentlichen Highlights der Fashion Week, nicht weil es da kostenlosen Champagner und Essen gibt, sondern weil diese Veranstaltungen einem ausgewählten Publikum die Möglichkeit geben, mit den Designern, Redakteuren, Art Buyern und anderen Menschen aus der Szene in Kontakt zu treten. Für mich also der wichtigste Aspekt der Modewoche in Berlin.

Alle Jahre wieder

Nach vier Tagen Berlin Fashion Week – pro Tag 10-12 Stunden Shows sowie anschließende Veranstaltungen, zirka drei Stunden Schlaf pro Nacht – lege ich mich nun am somit letzten Tag dieser Saison zufrieden und total übermüdet ins Bett, um morgen meinen Alltag als Modefotograf weiterzuführen. Wir sehen uns im Juli, wenn es wieder heißt: „Welcome to Mercedes Benz Fashion Week Berlin“.

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