High Fashion Cross Dressing: Who’s that Boy … or Girl?!

am 07.12.2012 um 12:09 Uhr

Ob Marlene Dietrich im Smoking und Zylinder, David Bowie mit Neon-Make-up und hautengem Paillettensuit oder Grace Jones als Muskelpaket mit Irokesenschnitt: Die Popikonen des 20. Jahrhunderts haben das Spiel mit den Geschlechterrollen erstmals als Teil ihrer Inszenierung in der Öffentlichkeit salonfähig gemacht. „Cross Dressing“ nennt man das, wenn sich Ladies wie Gentlemen und Typen wie Mädchen anziehen.

Internationale High Fashion-Modehäuser wie Saint Laurent Paris, Jean Paul Gaultier und Givenchy gehen heute noch einen Schritt weiter. Sie lassen die männlich-weiblich-Grenze verschwimmen und formulieren Geschlechterregeln neu: Androgyne und Transgender Models sind längst die Stars der Kampagnen und auf den internationalen Laufstegen.

Androgyne Frauenmodels wie Stella Tennant und Agyness Deyn wagten erste Schritte. Andrej Pejic, das blonde Engelsgesicht mit dem Schmollmund und den markanten Zügen ignoriert seit seiner Entdeckung 2010 konsequent alle Geschlechtszuschreibungen: In Shows und Kampagnen für renommierte Modehäuser wie Marc by Marc Jacobs, Raf Simons und Paul Smith präsentiert der Australier mit bosnischer Herkunft die Frauen-, als auch die Männerkollektionen.

Inzwischen ein Shootingstar, lief das 1,83 m-große Transgender Model mit Mikro-Hüfte 2011 für Jean Paul Gaultier sogar in einem transparenten Brautkleid über den Catwalk und wurde dafür weltweit gefeiert. Doch Pejic erntet auch Kritik: Seine außerirdische Figur könnten sich die weiblichen Kolleginnen selbst mit der diszipliniertesten Diät niemals zurechthungern, das flachbrüstige Model setzt damit neue, utopische Figur-Standards, die das Schneidern von Size-Zero Samples stützen.

Bad Boy Girl mit Exklusiv-Vertrag

Pejic hat neben weniger bekannten androgynen Modelkollegen wie Lea Tisci, Martin Cohn und Stav Strashko jetzt noch zwei hochkarätige Konkurrentinnen: Casey Legler und Saskia de Brauw. Die Erste ist weltweit die einzige Frau, die für Ford Models exklusiv als Männermodel arbeitet. Mit ihren 1,89 m, breiten Schultern und den Tattoos an Hals und Armen verkörpert die ehemalige Olympia-Schwimmerin auf perfekte Weise ein Bad Boy-Image.

Weiblicher Dandy für Saint Laurent Paris

Saskia de Brauw ist eine holländische Künstlerin, die nach ihrer Entdeckung als Teenager erst wieder im Alter von 30 Jahren zurück ins Modelbusiness kehrte. Sie startete 2010 ihr Comeback als Nachfolgerin von Lara Stone für das Swimwear Label Eres. Das Debüt als Männermodel gab sie ein Jahr später bei der Givenchy Menswear Show.

Ihren bislang größten Coup landete die androgyne Schönheit mit dem Pixie-Haarschnitt und den braunen Reh-Augen kürzlich: Saint Laurent Paris-Kreativdirektor Hedi Slimane ernannte sie zum Gesicht der Spring/Summer 2013 Menswear Kampagne. Ohne Kurven, dafür mit umso mehr Dandy-Charme posiert die 31-Jährige für das französische Modehaus lässig im schmal geschnittenen Anzug,  Skinny Jeans, Leo-Hemd und Krawatte wie ein Mick Jagger in den 60ies. Ohne es zu wissen, würde man keine Sekunde zögern, zu glauben, dass es ein hübscher „Kerl“ ist, der hier abgelichtet ist.

Die Mode spiegelt seit jeher den Zeitgeist. Hedi Slimane & Co. zeigen 40 Jahre nach den Anfängen der Emanzipationsbewegung, Protesten und zahllosen Genderdiskursen, dass antiquierte Geschlechterrollen allmählich dahinschmelzen.

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