Vorhersage

Sport-Trends 2015: Bernd Wolfarth über Tendenzen im Sport und erste Schritte für Einsteiger

am 30.12.2014 um 13:18 Uhr

Sportlich ins nächste Jahr! Wir haben den leitenden Arzt der deutschen Olympiamannschaft, Bernd Wolfarth, im Sportinstitut der Berliner Humboldt-Universität zum exklusiven desired.de-Interview getroffen und das Jahr 2014 in sportlicher Hinsicht Revue passieren lassen. Was ist 2014 in der Fitnessindustrie passiert und welche Tendenzen lassen sich bereits für 2015 ausmachen? Wir verraten es Ihnen hier und in unserer Fotoshow und versichern Ihnen, dass auch Sie der Ehrgeiz packen wird.

Welche Trends haben das Jahr 2014 in sportlicher Hinsicht geprägt und was erwartet uns im nächsten Jahr? Eine sportliche Vorhersage gibt es hier von Herrn Bernd Wolfarth.

Hallo Herr Wolfarth, vielleicht können Sie sich unseren Lesern erst einmal vorstellen?

„Gern. Ich bin Professor für Sportmedizin an der Humboldt Universität zu Berlin und gleichzeitig Chefarzt der Abteilung Sportmedizin an der Charité. Im Leistungssport habe ich als Deutschlands leitender Olympia-Arzt einige Funktionen, ich bin für die medizinische Versorgung der Sportler während und vor den jeweiligen Olympischen Spielen verantwortlich. Außerdem bin ich leitender Verbandsarzt des Deutschen Skiverbandes sowie leitender Disziplin-Arzt für den Bereich Biathlon.“

2014 hat uns vor allem den Trend zum fitten, gesunden Leben gebracht. Was denken Sie, warum das so ist?

„Mir fällt dieser Prozess bereits seit fünf bis zehn  Jahren auf. Massen-Sport-Veranstaltungen wie zum Beispiel Stadtmarathons sind am Boomen und das seit Jahren. Was mich allerdings ein wenig stört, ist, dass die Schere stark auseinander geht. Es gibt also zum einen immer mehr Menschen, die tatsächlich gesundheitsbewusst sind und die körperliche Aktivität als Teilbereich des gesunden Lebens entdecken, aber es gibt leider auch das andere Ende der Fahnenstange, an dem die Menschen sich wenig bis gar nicht bewegen. Im Großen und Ganzen wurde aber vor allem über die Medien sehr gut portiert, dass richtiges Sporttreiben für die bessere Lebensqualität oder die bessere Belastbarkeit unerlässlich ist.“

Was heißt es für Sie, richtig Sport zu treiben?

„Nehmen wir beispielsweise das Marathon-Thema. Wenn sich Frau Müller oder Herr Meier überlegen, einen Marathon zu laufen, ohne vorher aktiv gewesen zu sein, ist das natürlich nicht besonders sinnvoll. Man darf eben nicht über seinem Level einsteigen und muss das Ganze realistisch betrachten.“

Wie gelingt einem als Sportanfänger der Schritt zum aktiven Leben?

„Grundsätzlich spielt das Alter und der gesundheitliche Zustand dabei eine sehr große Rolle. Jüngere Menschen zwischen 20 und 40 Jahren, die keine gesundheitlichen Probleme und bestenfalls schon aus der Jugend sportliche Erfahrungen mitbringen, haben meist keine größeren Probleme. Die kennen ihren Körper und ihre Belastbarkeit. 50- bis 70-Jährige sollten sich hingegen an Umfänge und Vorgaben eines Trainers oder eventuell eines Arztes halten. Für jüngere Menschen bieten in dem Zusammenhang natürlich Spiel- und Trendsportarten eine attraktive Alternative, leicht an den Sport heranzutreten.“

Thema „Trendsportarten“: Was macht angesagte Sportarten aus?

„Die Fitnessindustrie ist sehr schnelllebig, es gibt so viele Trends, die kommen und schnell wieder gehen. Die Sache ist, dass Motivation beim Sport ganz wichtig ist und neue Dinge eben die Motivation und den Spaß am Sport anheben. Eigentlich ist es weitestgehend egal, welchen Sport die Menschen treiben – wichtig ist, dass wir möglichst viele aus der Bewegungsarmut heraus führen. Es muss ganz einfach ein Angebot geschaffen werden, was jedem Typen gerecht wird.“

Was denken Sie über die derzeit angesagten Trend-Sportarten wie Crossfit, Power Plate oder Jumping Fitness?

„Diese Sportarten sind deshalb so attraktiv, weil sie wenig Vorbereitung oder Gerätschaften bedürfen, nicht zu viel Zeit in Anspruch nehmen und daher große Flexibilität bieten. Das brauchen die Menschen. Rein aus gesundheits-ökonomischer Sicht, ist es natürlich wichtig, Sportarten zu etablieren, die mit geringem Aufwand durchgeführt werden können. Außerdem ist positiv, dass diese Sportarten häufig in der Gruppe und unter Anleitung stattfinden. In der Regel ist also ein Trainer dabei. Ich empfehle Sportanfängern sehr, sich erst einmal führen zu lassen, um so Überbelastungen und Beschwerden zu vermeiden.“

Können Sie denn konkrete Trend-Tendenzen für 2015 ausmachen?

„Crossfit wird in nächster Zeit sicherlich noch weiter ausgebaut werden. Ich denke, das wird sich bis ins Städte-bauliche Umfeld ausweiten, sodass es sogenannte Crossfit-Cages geben wird. 2015 wird insgesamt extremer. Heißt, dass die Sportarten noch spezifischer werden, sodass sich auch die Fitness-Branche auf immer weitere Details und Sport-Kombinationen aus beispielsweise Kraftsport, Tanz oder Boxen festlegen wird.“

Gehören diese spezifischen Sachen auch zu Ihren Lieblingen?

„Ich bin ehrlich gesagt eher ein Langweiler und dem klassischen Laufen verfallen. Eigentlich fahre ich extrem gern Rennrad, aber dieser Sport nimmt natürlich sehr viel Zeit in Anspruch. Laufen ist sehr effizient – heißt, wenn ich nach der Arbeit noch 45-50 Minuten laufen gehe und 10 oder 12 Kilometer zurücklege, dann habe ich richtig Sport getrieben. Wenn ich aber für eine dreiviertel Stunde aufs Rennrad steige, bin ich noch nicht einmal richtig warm.“

Würden Sie das auch Einsteigern empfehlen?

„Fortbewegung auf zwei Beinen ist schon einmal gut. Ob allerdings für jeden Laufen als Sport das Richtige ist, bleibt den jeweiligen Bedürfnissen und auch medizinischen Voraussetzungen überlassen. Bei Untrainierten reicht Walking beispielsweise schon oft aus, um gute Intensitäten zu erreichen.“

Was sind moderne Alternativen zum Laufen?

„Wichtig ist, dass die Leute eine Sportart finden, die Ihnen Spaß macht. Wenn einem nach fünf Minuten auf dem Rad der Po wehtut, braucht er kein Rad fahren. Daher sind Fitnessstudios mit ihren vielen Kursen eine gute Alternative, das für sich Passende zu finden. Wichtig ist auch, sich ‚Mittäter‘ zu suchen. Dadurch ist der Sport nicht nur abwechslungsreicher, auch die Ausreden fallen einem deutlich schwerer, wenn man mit anderen Menschen verabredet ist.“

Wie viel Sport ist genug?

„Grundsätzlich hat erst  einmal nur die dauerhafte und regelmäßige körperliche Aktivität auch wirklich positiv messbare Effekte. Wir empfehlen drei bis vier Stunden zusätzliche körperliche Aktivität pro Woche, die je nach Ermessen oder Empfinden über die Woche verteilt betrieben werden können. Für den rein medizinischen Effekt ist es weitestgehend egal, wann und wie auf die Woche verteilt Sport getrieben wird, Hauptsache man kommt auf diese circa 1500 bis 2000 Kilokalorien Energie, die pro Woche zusätzlich verbraucht werden. Etwas Anderes ist es, wenn man einen spezifischen Trainingseffekt erzielen, die körperliche Leistung gezielt  fördern möchte. Dann müssen die Trainingseinheiten sinnvoll verteilt werden – intensivere Einheiten, Regenerationsphasen oder gar Ruhetage eingelegt werden.“

Ihr sportliches Schlusswort für 2015?

„Haben Sie Spaß am Sport, ansonsten werden Sie ihn nie dauerhaft ausüben. Probieren Sie deshalb gerade am Anfang unterschiedliche Sportarten aus, um das für Sie Passende zu finden. Außerdem behalten Sie die Devise ‚Keep it simple‘ im Kopf. Wer für seinen Besuch im Fitnessstudio erst einmal eine Stunde durch die ganze Stadt fahren muss, macht dies sicherlich nicht lange, sondern nur am Anfang, wenn man der ganzen Sache noch top motiviert entgegensieht. Auch sollte man sich von den ganzen Mythen der Fitnessbranche nicht zu stark beeinflussen lassen, oft macht man sich viel zu viele Gedanken über Sport und verliert dadurch komplett die Lust an der Bewegung.“

Wir danken Herrn Wolfarth für dieses interessante Interview und zeigen Ihnen in unserer Fotoshow, welche Trend-Sportarten Sie 2015 einmal ausprobieren sollten.

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