Interview

Gehegt und gepflegt: So lagern Sie Armbanduhren richtig

am 29.01.2015 um 15:50 Uhr

Silber oder Rosé, römische oder arabische Ziffern, auffällig oder dezent: Die Auswahl an luxuriösen, edlen Armbanduhren in verschiedensten Farben und Designs ist bei uns Damen schier unbegrenzt. Kein Wunder also, dass wir nicht selten nur ein, sondern gleich mehrere Modelle der wertvollen Stücke unser Eigen nennen. Bei einer solchen Vielzahl an Uhren ist dann natürlich die Konsequenz, dass einige der Schmuckstücke nur selten oder lediglich zu besonderen Anlässen ihren Weg an unsere Handgelenke finden. Wenn sie gerade nicht zum Einsatz kommen, werden die Uhren dann meist in eine Box oder einfach so in eine Schublade gelegt. Damit tun Sie jedoch weder sich noch den Uhren einen Gefallen, denn gerade hochwertige Luxusobjekte sollten mit Bedacht aufbewahrt werden, damit Sie noch lange Zeit Freude an ihnen haben. Wir haben mit dem Uhrmacher Philipp Nitzsche von der Askania Uhrenmanufaktur Berlin geredet und uns erklären lassen, wie man Uhren am besten lagert. Erfahren Sie hier und in der Fotoshow, was der Experte rät.

Wer viele Armbanduhren besitzt, dem sollte bewusst sein, dass er diese sorgfältig lagern muss, damit die wertvollen Stücke auch über lange Zeit von außen und innen intakt bleiben. Dafür sollten Sie vor und während der Lagerung einige Vorkehrungen treffen, verrät Uhrmacher Philipp Nitzsche im desired.de-Interview.

Herr Nitzsche, worauf sollte man achten, ehe man eine oder mehrere Uhren überhaupt einlagert? Welche Vorkehrungen müssen getroffen werden?

„Vor dem Lagern sollte man die Uhren erst einmal gründlich säubern. Beim Tragen setzen sich über die Zeit Seifen-, Creme-, Talg- sowie Schweißreste an der Armbanduhr ab, vor allem in Ecken und Vertiefungen. Das kann dafür sorgen, dass sich nach kurzer Zeit, aber auch noch nach Jahren, braune Roststellen an der Uhr bilden. Das Heimtückische ist nämlich, dass vor allem Schweiß Zeit hat. Auch nach langer Zeit kann dieser, wenn er nicht regelmäßig von der Uhr abgewischt wird, mit dem Material der Uhr reagieren. Edelstahl ist davon übrigens ebenfalls betroffen. Zudem kann es bei einigen Uhren aufgrund solcher Verschmutzungen zu Lochfraß kommen, das Gehäuse der Uhr zersetzt sich also mit der Zeit. Auch Lederbänder leiden unter hygienischer Vernachlässigung und verblassen zum Beispiel farblich.”

Und wie säubert man wertvolle Uhren am besten?

“Reinigen Sie diese vor dem Lagern mit einem feuchten Mikrofasertuch, das mit etwas Spülmittel benetzt ist. Sorgen Sie sich nicht, mit etwas Feuchtigkeit an Ihre Uhr zu gehen, dazu sind diese ausgelegt. Beachten Sie auch, keine zu aggressiven Haushaltsreiniger zu verwenden, die die Materialien der Uhr angreifen könnten. Nach dem Reinigen sollten Sie diese jedoch mit einem Küchentuch oder ähnlichem wieder sorgfältig abtrocknen. Für Uhren mit Stahlband eignet sich beispielsweise auch eine Zahnbürste zum Reinigen, um auch Verschmutzungen aus den kleinsten Ecken herausholen zu können. Sie glauben gar nicht, was dabei noch alles herauskommt.”

Und was sollte mit der Batterie in der Uhr geschehen? Kann man diese einfach weiterlaufen lassen?

„Wenn die Batterie bereits alt ist oder Sie eine Uhr besonders lange einlagern wollen, dann entfernen Sie die Batterie vorsichtshalber. Das gilt auch für Quarzuhren, bei denen vor einer längeren Aufbewahrungszeit typischerweise die Krone, also das seitliche, runde Bedienelement zum Verstellen der Uhrzeit, herausgezogen wird, wodurch die Uhr stehen bleibt. Dadurch wird zwar die Batterie nicht mehr weiter verbraucht und die Zeiger bewegen sich nicht mehr, jedoch bleibt die Elektronik innerhalb der Uhr weiter im Betrieb.

Wenn die Uhr nun mit einer nicht mehr funktionierenden Batterie gelagert wird, kann es leider sehr häufig passieren, dass diese im Inneren des Gehäuses ausläuft und dadurch einen irreparablen Totalschaden anrichtet. Die Batteriesäure sorgt nämlich, wie schon der Schweiß, für einen Korrosionsschaden, durch den elektrische Bauteile einfach durchgeätzt werden. An den kleinen Zahnrädchen im Gehäuse setzt sich die Säure wiederum in kristalliner Form fest, was sich auch mit einer Reinigungsmaschine nicht mehr entfernen lässt.

Deswegen ist es sinnvoll, die Batterie vor dem Lagern vorsorglich zu entnehmen, um einen solchen Verlust, der ja gerade bei teuren Stücken bedauerlich ist, nicht zu riskieren. Wenn Sie die Batterie in der Uhr lassen möchten und irgendwann bemerken, dass Ihr Schmuckstück nicht mehr funktioniert, zögern Sie nicht zu lange mit dem Einsetzen einer neuen Batterie.“

Welche Umwelteinflüsse sollte man während des Lagerns beachten? Wovor sind die Uhren zu schützen?

„Zunächst sollten die Temperatur und die Lichtverhältnisse während des Aufbewahrens beachtet werden: Die Uhren dürfen nicht zu heiß und zu hell gelagert werden. Vermeiden Sie die Nähe zu häuslichen Wärmequellen und stellen Sie die Uhren auch nicht unmittelbar in die Sonne. Jedes Ziffernblatt ist lackiert und bedruckt. Sonnenstrahlen können dafür sorgen, dass diese ausbleichen und vergilben. Gerade bei älteren Uhren kann man beobachten, wie das die Optik beeinträchtigt. Manchmal sind die Ziffern auf dem Blatt auch feine Applikationen, die lediglich aufgesetzt und nicht aufgedruckt sind. Bei zu viel Wärme kann es passieren, dass die Ziffern abfallen und sich zum Beispiel mit dem Zeiger verheddern. Dieses Malheur zu reparieren benötigt großen Aufwand, denn sichtbare Klebereste unter den filigranen Ziffern sollten natürlich vermieden werden. Sorgen Sie deshalb dafür, dass die Uhren bei normaler Raumtemperatur gelagert werden.”

Und wie steht es mit der Luftfeuchtigkeit?

“Sorgen Sie für eine trockene Umgebung, denn die Uhren vertragen auf Dauer keine zu hohe Luftfeuchtigkeit. Neben den Gehäusen sind gerade auch Lederarmbänder auf Dauer anfällig für Feuchtigkeit und beginnen unangenehm zu riechen und zu schimmeln. Ein trockener, etwas kühlerer und lichtgeschützter Aufbewahrungsort ist für Uhren also ideal.”

Sollte man noch etwas beachten, damit die Uhren auch während des Lagerns einwandfrei funktionieren?

Ein Tipp für mechanische Uhren: Lassen Sie die Uhr auch während des Lagerns alle drei Monate richtig aufziehen, damit die Öle in der Uhr in Bewegung bleiben und diese auch weiterhin richtig läuft. Denn hier ist es wie bei einem Auto: Wenn das Gerät zu lange nicht in Betrieb ist, kann es dadurch auch kaputt gehen.“

Und wie sollte das Behältnis, in dem die Uhren gelagert werden, ausgestattet sein?

„Es gibt heutzutage eine Vielzahl an schönen Schatullen und Koffern, in denen auch eine große Zahl an Armbanduhren aufbewahrt werden können. Wichtig ist, dass die Uhren nicht einfach so in der Box herumliegen, sondern am besten auf ein rundes Kissen aus Samt oder anderem, feinem Stoff aufgezogen werden. So vermeiden Sie, dass die Uhren im Behältnis, welches im Inneren bestenfalls komplett mit Stoff überzogen ist, zerkratzen. Dafür sollten Sie die wertvollen Stücke im Übrigen auch nicht zu dicht aneinander reihen.

Wenn Sie all diese Hinweise beachten, werden Sie auch noch über Jahre hinweg viel Freude an Ihren Uhren haben.“

Wir bedanken uns bei Philipp Nitzsche für die ausführlichen und informativen Antworten!

In unserer Fotoshow haben wir für Sie nochmal zusammengefasst, wie man hochwertige Uhren richtig lagert.

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